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Mehr Overhead, weniger Projekte

Ein Papier mit Sprengkraft: Wie der Wissenschaftsrat die deutsche Forschungsfinanzierung verändern will.

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Artikelbild: Mehr Overhead, weniger Projekte

Titelseite des Positionspapiers. (Screenshot)

SCHEUT DER WISSENSCHAFTSRAT, dieses einzigartige Beratungsgremium von Wissenschaft und Politik, in der Krise den Konflikt? Oberflächlich betrachtet könnte man dieser Meinung sein angesichts des Positionspapiers zu den Strukturen der Forschungsfinanzierung , das er kürzlich verabschiedet hat. Denn wer darin die ultimativen Forderungen nach mehr Geld sucht, wird enttäuscht.



Im Gegenteil, von immer neuen Steigerungen der Forschungsbudgets könne nicht mehr selbstverständlich ausgegangen werden, betont das Gremium, es gehe darum, Forschungsfinanzierung "krisenfester" zu machen. Der Ansatz sei gewesen, sagt der neue Wissenschaftsratsvorsitzende Wolfgang Wick , "die Strukturen der Forschungsfinanzierung zu verbessern, um die vorhandenen Mittel möglichst effektiv und effizient einzusetzen".

Die Politik hört so etwas sicher gern. Und wer die Funktionsweise des Wissenschaftsrats kennt, dieses wichtigsten wissenschaftspolitischen Beratungsgremium von Bund und Ländern, der weiß: Ohne Zustimmung der Politik geht hier gar nichts.

Ohne Zustimmung der Wissenschaft allerdings auch nicht. Und wer glaubt, es handelt sich deshalb um zahme Empfehlungen, die der Wissenschaftsrat da formuliert hat, übersieht deren Sprengkraft.

Wenn das Gremium etwa feststellt, dass die immer weitere gewachsene Projektfinanzierung zulasten der Grundmittel der Hochschulen gehe, ist das nicht nur eine Kritik ...

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Kommentare

#3 -

Noch 'ne Hanna | Mo., 06.02.2023 - 09:57
Ich höre mich an wie eine festhängende Schallplatte, weil ich auch hier wieder auf etwas verweise, auf das ich jetzt schon seit Monaten aufmerksam zu machen versuche: Die Sprengkraft ergibt sich auch im Zusammenhang mit dem Bericht des Bundesrechnungshofs zur Verwendung von Hochschulpaktmitteln und Programmpauschale aus dem Frühjahr 2021. Denn da "die Politik" nicht nur als uneigennützige Forschungsfördererin, sondern auch als Auftraggeberin auftritt, profitiert gerade von Exekutive vom Chaos in der Drittmittelforschung und dem Verzicht auf Arbeitszeiterfassung: Sie kommt in den Genuss von unzulässigen "Quersubventionierungen", wenn z.B. DFG- oder Landesmittel für Aufträge von Bundesministerien genutzt werden. Dass sich vor diesem ...

#4 -

na ja | Mo., 06.02.2023 - 14:53
Zitat: "Zugleich aber, und das ist die andere Seite, würde die Ungleichheit in der Forschungsfinanzierung noch größer – weil sich weniger Projekte auf weniger erfolgreiche Antragsteller verteilen würden."



Man kann das auch positiv sehen. Es käme endlich in der Mehrzahl nur noch zu Projekten mit Substanz, bei denen Drittmittelgeber also bereit ist, sich finanziell wesentlich höher zu engagieren, weil etwas substantielles zu erwarten ist. Das ist bei vielen Kooperationsprojekten mit der Industrie heute eben grade nicht der Fall. Die Projektpartner steigen nur ein, weil es sie wenig kostet, weil sie Nachwuchs abgreifen können und weil es gut für die Presse ...

#5 -

Ralf Meyer | Mi., 08.02.2023 - 20:23
Wenn der Anteil der Bewilligungen sinkt, erhöht das nicht die Qualität der geförderten Projekte, sondern den Lotterieanteil am Bewilligungsprozess. Schon jetzt gibt es jedenfalls bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft mehr förderwürdige Projekte als gefördert werden können, und bei der Auswahl muss dann irgendwie entschieden werden, wer nicht gefördert werden kann. Bis zu einem gewissen Grade gelingt es dabei, die Nuancierungen in Gutachterempfehlungen richtig als Qualitätsunterschiede zu interpretieren. Aber je geringer die Förderquote wird, desto größer wird der Anteil von sachfremden Kriterien bei der Förderentscheidung. Die Empfehlungen des Wissenschaftsrats beziehen sich übrigens vor allem auf die staatliche Forschungsfinanzierung. Für den Wissenstransfer, also ...

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