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Höchste Zeit, den Kurs zu ändern

Über 100 Sozialwissenschaftler:innen fordern in einer Erklärung, die Bundesregierung müsse ihre "bedingungslose" Unterstützung des israelischen Militäreinsatzes in Gaza beenden. Währenddessen verklagt Nicaragua Deutschland und die Universität zu Köln sagt die Gastprofessur der US-Philosophin Nancy Fraser ab – weil sie einen Boykottaufruf gegen israelische Institutionen unterzeichnet hatte.

DASS ES SICH die Verfasser:innen mit ihrem Statement nicht leicht gemacht haben, spricht aus jeder Zeile. Eine Gruppe deutscher Sozialwissenschaftler:innen hat die Bundesregierung öffentlich zu einem Kurswechsel ihrer Israel-/Gaza-Politik aufgerufen. Deutschlands Reaktionen auf den Krieg entsprächen nicht seinen eigenen Prinzipien, heißt es in dem vor genau einer Woche online gestellten Text, der erst jetzt einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wird. "Die Strategie der bedingungslosen Unterstützung Israels ist gescheitert, und es ist höchste Zeit, den Kurs zu ändern."

Wer jedoch meint, es handle sich deshalb um einen antiisraelischen oder antisemitischen Aufruf, sollte die gesamte Stellungnahme lesen. Sie relativiert in keiner Weise die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die aus dem Gaza-Streifen heraus unter Führung der Hamas begangen wurden. Die Angriffe, Morde und Geiselnahmen, betonen die Verfasser:innen, seien "brutal" und "abscheulich", zusammen mit der Notwendigkeit, die Sicherheit israelischer Bürger zu gewährleisten, machten sie Israels Reaktion "und Deutschlands weitestgehend vorbehaltlose politische und militärische ...

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Kommentare

#1 -

Martin | Di., 09.04.2024 - 14:59
Hamas wird im Statement nicht als Terrororganisation bezeichnet, kein Wort über die Verwendung von zivilen Infrastrukturen durch die Hamas als Terrorstützpunkte, keines darüber, dass die Hamas Humanitäre Hilfe kapert.



Wo sind eigentlich die Erklärungen dieser WissenschaftlerInnen, die Verbrechen gegen Muslime in Syrien oder China verurteilen? Gibt's keine? Achso. Scheint wohl nur relevant zu sein, wenn Israel beschuldigt wird.



Auch interessant, dass viele dieser WissenschaftlerInnen an der FU Berlin arbeiten; von einer Positionierung gegen antisemitische Gewaltakte an deren Uni hat man von den UnterschreiberInnen aber komischerweise nichts gehört.



Antilopengang stabiler als 140 SozialwissenschaftlerInnen...

#4 -

JG | Mi., 10.04.2024 - 11:59
Wenn Martin recherchiert hätte, wüsste er, dass es ein Vielfaches an Statements, offenen Briefen und Stellungnahmen aus der Wissenschaft zu den Verbrechen in Syrien und China gibt. Wenn er recherchiert hätte, wüsste er, dass sich die gesamte FU und viele der Unterzeichnenden ganz klar auch in anderen Statements gegen Antisemitismus positioniert haben. Und wenn er auch nur einen Hauch von Ahnung von der Situation in Gaza oder dem humanitären Völkerrecht hätte, wüsste er, dass die Verwendung von ziviler Infrastruktur durch militante Gruppen keine carte blanche für Kriegsverbrechen ist - und würde vlt. auch realisieren, dass die Relativierung israelischer Kriegsverbrechen (und ...

#5 -

Peter | Mi., 10.04.2024 - 20:56
> "Sie relativiert in keiner Weise die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die aus dem Gaza-Streifen heraus unter Führung der Hamas begangen wurden. Die Angriffe, Morde und Geiselnahmen, betonen die Verfasser:innen, seien "brutal" und "abscheulich", [...]"



Na ja, im Statement heißt es u.a. "Die Hamas hat abscheuliche Angriffe auf Zivilisten verübt und hält weiterhin zivile Geiseln, darunter auch Kinder, fest. Diese und andere Handlungen verstoßen gegen das humanitäre Völkerrecht."

Die Betonung setzt man hierbei auf Zivilisten. Es wurden aber auch Soldat*innen vergewaltigt, ermordet, entführt. Dies wird damit extra ausgeschlossen. Man könnte es also so lesen, als wäre der Angriff, sofern er ...

#6 -

JC | Do., 11.04.2024 - 10:19
Nicht gerade wissenschaftlich: Die zitierten Zahlen (z.B. 100.000 Menschen tot oder verletzt) stammen von der Terrororganisation HAMAS, was aber nicht erwähnt wird (WHO klingt ja auch seriöser).

Die meisten Wissenschaftler im Aufruf haben auch 0 Expertise zum Nahostkonflikt; von dem her frage ich mich was das soll.

#7 -

Laubeiter | Mo., 15.04.2024 - 10:48
Für mich liest sich das hier referierte Papier eher belehrend gegenüber den Regierungen in D und Israel, als wüssten die WissenschaftlerInnen es besser. Von der Asymmetrie von Konflikten zwischen Staaten und Terroristen findet sich im Papier nichts, stattdessen meinen die AutorInnen dies zu wissen "Israel hat das Grauen in Gaza einkalkuliert; es folgt notwendigerweise aus der von Deutschland unterstützten Strategie der israelischen Regierung." Das sind für mich zwei unbewiesene schwere Vorwürfe. Israel will seine Geiseln befreien; wie es diese Geiselbefreiung kalkuliert, wissen das die AutorInnen? Deutschland unterstützt Israel; das Deutschland die Strategie zur Geiselbefreiung Israels kenne, von der die AutorInnen ...

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