In der Diskursfalle
Was geschieht da gerade an deutschen Hochschulen, in den Medien und in der Politik? Und was können, was sollten wir jetzt tun? Der Versuch einer Einordnung.
WIR ALLE SPÜREN ES. Es droht etwas zu kippen in der öffentlichen Debatte über Israel, Gaza, allgemeiner über den Umgang mit legitimen und illegitimen Protesten – und die Rolle, die deutsche Wissenschaftseinrichtungen und Hochschulen in alldem spielen. Nicht wenige würden sagen: Die Debatte ist bereits gekippt. Die Frage ist: Was können, was sollen wir jetzt tun in der Wissenschaft und darüber hinaus?
Ich habe keine Antworten anzubieten. Nur ein paar Beobachtungen und Appelle.
Erstens und am wichtigsten: Wir alle, die sich der Demokratie, dem Wohl der Öffentlichkeit und der Wissenschaft verpflichtet fühlen, sollten dringend einen Schritt zurücktreten und innehalten. Nicht immer gleich dem Impuls zur schnellen Kommentierung und Zuspitzung nachgeben, sondern uns zunächst fragen: Haben wir wirklich schon genügend Informationen, um qualifiziert einordnen, loben, kritisieren oder verurteilen zu können? Und: Wem oder was nützt es, wenn ich mich jetzt womöglich aus der Hüfte heraus äußere? Irgendwann kommt der Punkt, an dem es um Positionierung geht. Doch wir alle haben es in der Hand, die Kurzatmigkeit der Debatte nicht durch Wortbeiträge zu verschlimmern, die in Stunden womöglich schon wieder überholt sind.
Unsere besondere Verantwortung gegenüber Israel
Zweitens:
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Kommentare
#1 - Vielen Dank für diesen ausgewogenen Beitrag.Wir müssen…
Wir müssen alle mitwirken, dass die Hochschulgemeinschaften ihren Werten treu bleiben: Das Handeln ist geprägt von gegenseitigem Respekt zwischen Hochschulangehörigen aller Nationalitäten, Religionen, Kulturen und Identitäten. Gleichberechtigung, Toleranz und Teilhabe sind für uns selbstverständlich. Dies gilt um so mehr angesichts der verschiedenen Krisen und Konfliktherde dieser Welt.
Hochschulen sind öffentliche Räume, in denen junge Menschen sich und ihre Erkenntnisse aus dem Studium im Diskurs erproben sollen. Studierende und andere Hochschulangehörige haben dabei selbstverständlich das Recht, jegliche Machtverhältnisse kritisch zu hinterfragen und gegen jegliche Politik und politischen Ereignisse friedlich zu demonstrieren. Wir alle an den ...
#2 - Auch von mir herzlichen Dank für die besonnenen…
#3 - Dieser Beitrag ist zu begrüßen, weil er einige sehr…
Allerdings tappt der Autor selbst in die Diskursfalle, die er hier aufzeigen möchte, indem er viel zu einseitig auf deutsche Befindlichkeiten abstellt. Er betont die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel, ohne auf berechtigte palästinensische Interessen einzugehen und deutlich zu machen, dass besondere Verantwortung gegenüber Israel sofort ihre Grenzen finden muss, wenn Israel Völkerrecht bricht. Dies ist in eklatanter Mißachtung des palästinensischen ...
#4 - Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich möchte noch etwas…
Aber eine Einschränkung habe ich. Ich finde es unglaublich schwierig, während einer Demo sich von Radikalen zu distanzieren, wenn die friedlichen Demonstranten zuerst da waren und die Veranstaltung dann gekapert wird. Da das derzeit nahezu ...
#5 - @Jana: Ein Minimalbeispiel dafür, sich von Leuten zu…
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bauernverband-demos-100.html
und sehr viele entsprechende Zeitungsberichte. Letztlich ist es damit zwar nicht gelungen, Kaperversuche ganz zu unterbinden. Aber zumindest sind die Bauernverbände dadurch relevante Gesprächspartner geblieben. Wer eine Demonstration ausrichtet, sollte vorher schon offen sagen, wofür man demonstriert und was man dort nicht haben möchte, also bestimmte Parolen oder auch bestimmte Symbole verbieten. Zum Beispiel erlaubt es Fridays4Future nicht, dass Parteien bei ihren Demonstrationen offen mitdemonstrieren. Wer propalästinensische Demonstrationen ausrichtet und kein Konzept hat, welche Regeln gelten und ...
#6 - Danke für diese klaren Worte, für die besonnene Analyse…
Uns muss bewusst sein: Wir tragen Verantwortung und haben gleichzeitig die Aufgabe, das hohe Gut unserer demokratischen Diskursfähigkeit zu schützen.
Hoffen wir, dass Ihre beherzten Worte gleichermaßen in der Wissenschaftscommunity, bei den Amtsträgern der Gesellschaft und in den Medien gehört werden.
Holger Hanselka, Präsident des Fraunhofer Gesellschaft
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