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In der Diskursfalle

Was geschieht da gerade an deutschen Hochschulen, in den Medien und in der Politik? Und was können, was sollten wir jetzt tun? Der Versuch einer Einordnung.

WIR ALLE SPÜREN ES. Es droht etwas zu kippen in der öffentlichen Debatte über Israel, Gaza, allgemeiner über den Umgang mit legitimen und illegitimen Protesten – und die Rolle, die deutsche Wissenschaftseinrichtungen und Hochschulen in alldem spielen. Nicht wenige würden sagen: Die Debatte ist bereits gekippt. Die Frage ist: Was können, was sollen wir jetzt tun in der Wissenschaft und darüber hinaus?

Ich habe keine Antworten anzubieten. Nur ein paar Beobachtungen und Appelle.

Erstens und am wichtigsten: Wir alle, die sich der Demokratie, dem Wohl der Öffentlichkeit und der Wissenschaft verpflichtet fühlen, sollten dringend einen Schritt zurücktreten und innehalten. Nicht immer gleich dem Impuls zur schnellen Kommentierung und Zuspitzung nachgeben, sondern uns zunächst fragen: Haben wir wirklich schon genügend Informationen, um qualifiziert einordnen, loben, kritisieren oder verurteilen zu können? Und: Wem oder was nützt es, wenn ich mich jetzt womöglich aus der Hüfte heraus äußere? Irgendwann kommt der Punkt, an dem es um Positionierung geht. Doch wir alle haben es in der Hand, die Kurzatmigkeit der Debatte nicht durch Wortbeiträge zu verschlimmern, die in Stunden womöglich schon wieder überholt sind.

Unsere besondere Verantwortung gegenüber Israel

Zweitens:

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Kommentare

#1 -

Oliver Locker-… | Di., 28.05.2024 - 00:45
Vielen Dank für diesen ausgewogenen Beitrag.



Wir müssen alle mitwirken, dass die Hochschulgemeinschaften ihren Werten treu bleiben: Das Handeln ist geprägt von gegenseitigem Respekt zwischen Hochschulangehörigen aller Nationalitäten, Religionen, Kulturen und Identitäten. Gleichberechtigung, Toleranz und Teilhabe sind für uns selbstverständlich. Dies gilt um so mehr angesichts der verschiedenen Krisen und Konfliktherde dieser Welt.



Hochschulen sind öffentliche Räume, in denen junge Menschen sich und ihre Erkenntnisse aus dem Studium im Diskurs erproben sollen. Studierende und andere Hochschulangehörige haben dabei selbstverständlich das Recht, jegliche Machtverhältnisse kritisch zu hinterfragen und gegen jegliche Politik und politischen Ereignisse friedlich zu demonstrieren. Wir alle an den ...

#3 -

Roland Thele | Di., 28.05.2024 - 13:25
Dieser Beitrag ist zu begrüßen, weil er einige sehr wichtige Denkanstöße zur Wahrung der Hochschulautonomie, Wissenschafts- und Meinungsfreiheit liefert, die durch Hetze aus Teilen der deutschen Gesellschaft und autoritäres, grundrechtsverletzendes Vorgehen der Legislative und Exekutive immer akuter gefährdet sind.

Allerdings tappt der Autor selbst in die Diskursfalle, die er hier aufzeigen möchte, indem er viel zu einseitig auf deutsche Befindlichkeiten abstellt. Er betont die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel, ohne auf berechtigte palästinensische Interessen einzugehen und deutlich zu machen, dass besondere Verantwortung gegenüber Israel sofort ihre Grenzen finden muss, wenn Israel Völkerrecht bricht. Dies ist in eklatanter Mißachtung des palästinensischen ...

#4 -

Jana | Mi., 29.05.2024 - 02:00
Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich möchte noch etwas ergänzen. Ich habe oft Kommentare bei Lesern (z. B. Zeit Online) gelesen, dass Demonstrationen nichts in Hochschulen zu suchen hätten, sondern in den öffentlichen Raum gehören. Hochschulen sind aber, wenn sie nicht privat sind, öffentlicher Raum. Die Hochschulen und Liegenschaften gehören den Ländern und nicht Privatpersonen. Demonstrationen bezüglich Gaza sind dort genauso legitim wie die Klimaschutzdemonstrationen.

Aber eine Einschränkung habe ich. Ich finde es unglaublich schwierig, während einer Demo sich von Radikalen zu distanzieren, wenn die friedlichen Demonstranten zuerst da waren und die Veranstaltung dann gekapert wird. Da das derzeit nahezu ...

#5 -

Ralf Meyer | Mi., 29.05.2024 - 17:58
@Jana: Ein Minimalbeispiel dafür, sich von Leuten zu distanzieren, die einen friedlichen Protest kapern wollen, lieferten die Bauernverbände zu Jahresbeginn, siehe z.B.

https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bauernverband-demos-100.html

und sehr viele entsprechende Zeitungsberichte. Letztlich ist es damit zwar nicht gelungen, Kaperversuche ganz zu unterbinden. Aber zumindest sind die Bauernverbände dadurch relevante Gesprächspartner geblieben. Wer eine Demonstration ausrichtet, sollte vorher schon offen sagen, wofür man demonstriert und was man dort nicht haben möchte, also bestimmte Parolen oder auch bestimmte Symbole verbieten. Zum Beispiel erlaubt es Fridays4Future nicht, dass Parteien bei ihren Demonstrationen offen mitdemonstrieren. Wer propalästinensische Demonstrationen ausrichtet und kein Konzept hat, welche Regeln gelten und ...

#6 -

Holger Hanselka | Fr., 31.05.2024 - 01:02
Danke für diese klaren Worte, für die besonnene Analyse und präzise Einordnung. Diese hebt sich wohltuend von der Kurzatmigkeit, den Vereinfachungen und reflexartigen Äußerungen der aktuellen Debatte ab.



Uns muss bewusst sein: Wir tragen Verantwortung und haben gleichzeitig die Aufgabe, das hohe Gut unserer demokratischen Diskursfähigkeit zu schützen.



Hoffen wir, dass Ihre beherzten Worte gleichermaßen in der Wissenschaftscommunity, bei den Amtsträgern der Gesellschaft und in den Medien gehört werden.



Holger Hanselka, Präsident des Fraunhofer Gesellschaft

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