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Ohne Kulturwandel wird es nicht gehen

Die Novelle des WissZeitVG? Unklar. Ein Bund-Länder-Programm? Erstmal abgesagt. Ruhen jetzt alle Hoffnungen auf dem Wissenschaftsrat? Ein Interview mit dessen Vorsitzenden Wolfgang Wick über das Reformmomentum, alte und neue Stellenkategorien – und gute Argumente für mehr unbefristete Arbeitsverträge in der Wissenschaft.

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Artikelbild: Ohne Kulturwandel wird es nicht gehen

Wolfgang Wick , Professor für Neurologie und als Neuroonkologe am Heidelberger Universitäts­klinikum, ist seit Februar 2023 Vorsitzender der Wissenschaftsrats (WR).Foto: Svea Pietschmann.

Herr Wick, die Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) steckt wieder einmal fest, diesmal im Bundestag. Gleichzeitig hat der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume die vom Bundestag geforderten Bund-Länder-Verhandlungen zu einem Programm für mehr Dauerstellen in der Wissenschaft vorerst für obsolet erklärt . "Die Hausaufgaben sind im Grunde bereits erledigt", sagt Blume. Bund und Länder hätten gemeinsam dem Wissenschaftsrat den Auftrag gegeben, zu der Frage Empfehlungen zu erarbeiten. Jetzt hängt also alles allein vom Wissenschaftsrat ab?

Natürlich sind wir froh, wenn wir als wichtiger Akteur wahrgenommen werden. Doch handelt es sich in Wirklichkeit um verschiedene Handlungsstränge, die man nicht durcheinanderbringen sollte. Das eine ist die gesetzliche Grundlage, die das WissZeitVG abbildet. Das zweite ist die Finanzierung einer möglichen Förderinitiative. Der dritte Strang ist die inhaltliche Beratung, und nur der ist unserer. Als Wissenschaftsrat beschäftigen wir uns dabei mit neuen Stellenprofilen, und die haben erstmal wenig zu tun mit den geltenden Gesetzen und noch weniger mit einem Bund-Länder-Programm.

Womit dann?

Die Hochschulen können und sollten aus eigenem Antrieb attraktive Personalstrukturen jenseits der Professur schaffen, und wie die aussehen könnten, und zwar differenziert nach Fächern und Fachgebieten, dazu entwickeln wir Vorschläge. Klar ist, dass diese Personalstrukturen nur ein Baustein wären, um die Wettbewerbsfähigkeit der Wissenschaft als Arbeitsmarkt zu erhöhen. So, wie die Gesetzesnovelle und ein Bund-Länder-Programm weitere Bausteine wären.

Wieso kommt der Wissenschaftsrat eigentlich erst jetzt mit seinen Vorschlägen? Dass die Karrierewege im deutschen Wissenschaftssystem reformbedürftig sind, hat er schon 2014 in einem Gutachten festgestellt…

…und schon damals klare Vorschläge gemacht. Nur kamen die in eine Zeit hinein, in der wissenschaftspolitisch andere Ziele im Vordergrund standen. Das hat sich geändert. Als die öffentliche Debatte über gute Arbeit in der Wissenschaft vergangenes Jahr Fahrt aufnahm, wollten ...

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Kommentare

#1 -

Rose Marie Beck | Mi., 31.07.2024 - 16:53
Ein Blick in die HAWen: da viel unserer Forschung in Kooperation mit der Industrie und der Wirtschaft läuft und dort die Projektlaufzeit in etwa 3/4 aller Fälle unter 3 Jahren liegt, würde uns eine Festschreibung von Verträgen auf mindestens drei Jahre in große Schwierigkeiten bringen. Gerade die größeren und forschungsstarken HAWen wären davon betroffen. Konkret an der Hochschule Karlsruhe etwa 20 % aller Stellen (Mitarbeitende in Wissenschaft und Verwaltung,

inkl. Professuren), die auf einen Schlag bedroht wären. Ziel müsste sein, auch an HAWen Verhältnisse zu entprekarisieren und Stellen attraktiver zu machen. Das gelingt m.E. nicht (nur) durch eine Veränderung des ...

#2 -

Tobias Denskus | Do., 01.08.2024 - 10:52
"Die Hochschulen können und sollten aus eigenem Antrieb attraktive Personalstrukturen jenseits der Professur schaffen, und wie die aussehen könnten, und zwar differenziert nach Fächern und Fachgebieten, dazu entwickeln wir Vorschläge"-sorry, aber den Satz habe ich gefuehlt jetzt 286 Mal in den letzten 10 Jahren gelesen.

a) "die Hochschulen" werden aus eigenem Antrieb wenig bis gar nichts machen und ein weiterer Flickenteppich im föderalen Flickenteppich nuetzt wenig

b) "jenseits der Professur" wird immer ein Kastensystem zementieren aus Menschen mit und ohne Prof-Titel und Privilegien

c) "differenziert"-die alte Nummer von den ach so grossen Besonderheiten in den ach so unterschiedlichen Disziplinen. Öffentliche ...

#3 -

Edith Riedel | Do., 01.08.2024 - 19:36
"Die Hochschulen können und sollten aus eigenem Antrieb attraktive Personalstrukturen jenseits der Professur schaffen"



Ich kann #2 nur zustimmen. Aus den Hochschulen heraus wird da gar nichts passieren. In den Hochschulen haben die Professor*innen das Sagen. Sie werden keine Personalstrukturen, und schon gar keine attraktiven, schaffen, die diese Machtposition in irgendeiner Weise gefährden könnten. Auch die "junge" Generation an Professor*innen ist da keine Ausnahme. Wer lange genug als Nachwuchsgruppenleiter*in oder auch Juniorprofessor*in sich hochdienen und abstrampeln musste, will die Macht der W3-Position dann auch genießen, wenn sie endlich erkämpft ist. Leider viel zu oft gesehen!

#4 -

Wolfgang Kühnel | Sa., 03.08.2024 - 14:57
Die Äußerungen von Herrn Wick sind grundsätzlich vernünftig, man fragt sich eher, ob das nun Realität werden kann. Bei einigen Dingen muss ich aber widersprechen:



1. Was ist das für eine pauschale Arroganz zu den "Akad. Räten der 70er und 80er Jahre", die man jetzt scheut wie der Teufel das Weihwasser (ohne jegliche Begründung) ?

Um 1970 wurden etliche Dauerstelleninhaber (etwa Oberassistenten, Akad. Räte) zu Professoren der unteren Stufe übergeleitet, hat das deren Qualität etwa erhöht? Danach gab es dann neue Akad. Räte in vielen Fächern, insbesondere in den Massenfächern. Das Lehrdeputat entsprach meist dem der Professoren (jedenfalls in BaWü). ...

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