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Kurz vor zwölf

Die Große Koalition von 2018 wollte sie erhöhen, die Ampel ebenfalls – doch bis heute liegt die Programmpauschale bei 22 Prozent. Und selbst die sind gefährdet: Handelt die nächste Bundesregierung nicht umgehend, droht 2026 der Total-Ausfall – mit gravierenden Folgen für die Forschungsförderung. Ein Gastbeitrag von Heide Ahrens.

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Artikelbild: Kurz vor zwölf

Heide Ahrens ist seit Oktober 2020 Generalsekretärin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Vorher war sie war Vizepräsidentin der Universität Oldenburg sowie Abteilungsleiterin in den Wissenschaftsministerien von Schleswig-Holstein und Bremen. Foto: DFG/Rainer Unkel.

KAUM EIN ANDERES INSTRUMENT in der deutschen Wissenschaftspolitik entfaltet mit vergleichsweise geringem Verwaltungsaufwand eine so positive systemische Wirkung wie die DFG-Programmpauschale, die jedes bewilligte Forschungsprojekt zusätzlich erhält. 2007 von Bund und Ländern in Höhe von 20 Prozent eingeführt und 2016 auf 22 Prozent angehoben, ermöglicht sie es Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und anderen Forschungseinrichtungen, indirekte Kosten ihrer Drittmittelprojekte – etwa Infrastruktur, Verwaltung oder Laborkosten – zumindest teilweise zu kompensieren.

Als Vizepräsidentin für Verwaltung und Finanzen einer mittelgroßen, forschungsstarken Universität konnte ich seinerzeit miterleben, wie die damals neue Programmpauschale dem Phänomen des "Zu-Tode-Siegens" entgegenwirkte, mit dem ausgerechnet forschungsstarke Hochschulen, die viele Forschungsdrittmittel einwerben, paradoxerweise aufgrund der damit einhergehenden indirekten Kosten in finanzielle Schwierigkeiten geraten.

Doch diese Erfolgsgeschichte ...

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Kommentare

#1 -

Alias | Di., 11.02.2025 - 09:39
Oh, cool, die DFG möchte also Benzin auf ein Feuer kippen ... . Was mit einer Erhöhung der Programmpauschale (die jetzt schon teilweise zweckentfremdet wird, s. BRH) passieren wird: Die Universitäten und Länder werden sie als Gegenfinanzierung für eine weiter zurückgehende Grundfinanzierung nutzen. Damit wird ein noch größerer Anteil der Uni-Haushalt nur zeitlich befristet, in Abhängigkeit von erfolgreicher Projekteinwerbung zugewandt, der Druck auf die Wissenschaffenden zur Drittmitteleinwerbung steigt, die Zahl der Anträge steigt, die Förderquote sinkt, die Hochschulfinanzierung wird ständig prekärer, die Lehre zunehmend unterfinanziert und der Hochschulbau weiter vernachlässigt. Die Föderalismusreform sollte eine Abhängigkeit der Länder vom Bund verhindern ...

#2 -

Reisender | Di., 11.02.2025 - 13:31
Ich gebe meinem Vorredner in Teilen Recht. Was es braucht ist eine gerechte Lastverteilung zwischen Bund und Ländern, damit die Länder - die ja nicht müde werden auf ihre Zuständigkeit in Fragen der Hochschul- und Bildungspolitik hinzuweisen - endlich ihrem Auftrag einer verlässlichen Grundfinanzierung der Hochschulen gerecht werden können.



Aber hier immer zu sparen um dann nach dem Bund zu rufen ist genauso wenig eine Lösung wie das Löcher stopfen über Projektförderzusatzmittel. Auch die DFG sollte exzellente Forschung fördern und nicht Investitionen in die Forschungsinfrastruktur.

#4 -

Lilly Berlin | Mi., 12.02.2025 - 00:08
Während an meiner Universität früher immerhin noch ein kleiner Teil der Projektpauschale dort ankam, wo auch im Zusammenhang mit dem Projekt zusätzliche Begleitkosten und Investitionen in die Grundausstattung entstehen, versickert mittlerweile alles im zentralen Moloch. Dafür gibt es weder eine funktionierende Heizung, reparierte Fenster oder angemessene buchhalterische Verwaltung der Drittmittel. Diese Probleme sind von der Person zu lösen, die leichtsinnigerweise einen erfolgreichen Antrag auf Sachbeihilfe gestellt hat. Das könnte zu der These führen, dass die Pauschale ihren Zweck keineswegs erfüllt und eine Erhöhung daran auch nichts ändert.

#5 -

Victor Ehrlich | Di., 25.02.2025 - 20:23
Dass es die Universitäten mit der Programmpauschale nicht immer so genau nehmen, kann man an einem Beispiel aus dem Jahr 2014 sehen. Die Charité legte die angeblich dringend für den laufenden Betrieb benötigten Gelder über einen längeren Zeitraum beiseite.



Ob derartige Bundesmittel zweckgerecht ausgegeben werden oder ob sie nur gekürzte Landesmittel ersetzen, bleibt oft intransparent.



https://www.tagesspiegel.de/berlin/staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-verantwortliche-an-der-charite-5160649.html

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