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Der 4,5-Miliarden-Lackmustest

Das Sondierungspapier von Union und SPD erhöht die Befürchtungen, der nächsten Koalition könnte die Finanzierung heutiger Wohltaten wichtiger sein als Zukunftsinvestitionen. Immerhin gibt es Hoffnungszeichen – und für Bildung und Wissenschaft ein paar ambitionierte Ankündigungen. Nur: Kann man sie ernstnehmen?

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Artikelbild: Der 4,5-Miliarden-Lackmustest

Bild: OshDesign / Pixabay.

SEIT SAMSTAGNACHMITTAG gibt es für mich persönlich eine Mindestzahl, die darüber entscheiden wird, ob das geplante schwarz-rote Schuldenpaket tatsächlich als die versprochene Investitionsoffensive für die Zukunft unseres Landes taugt. Oder ob Schwarz-Rot doch vor allem die Verteilung teurer Wahlgeschenke auf Kosten der Generationengerechtigkeit anstrebt. Also genau das, weswegen Gegner einer Auflockerung der Schuldenbremse, ich eingeschlossen , in der Vergangenheit gewarnt hatten. Meine persönliche Mindestzahl lautet: 4,5 Milliarden Euro pro Jahr. Um so viel müssen schon vom kommenden Jahr an die laufenden Ausgaben für Bildung, Wissenschaft und Jugend mindestens steigen, also nicht die über das Sondervermögen finanzierten Investitionen, sondern die ganz normalen Einzelpläne. Wieso 4,5 Milliarden?

Zur Erklärung ein Blick in das Sondierungspapier , das die vier Verhandlungsspitzen von Union und SPD am Wochenende vorgelegt haben.

Zu den insgesamt elf Seiten ließe sich viel sagen, gerade über den überdimensionierten Anteil, der dem Thema Migration gewidmet ist und der eine Mischung aus einer vor allem Ärger mit den Nachbarn verursachender Symbolpolitik (Zurückweisung an den Staatsgrenzen "in Abstimmung mit unseren europäischen Partnern"), aus verfassungsrechtlich kaum haltbaren Maßnahmen (im Asylrecht den zivilrechtlichen "Beibringungsgrundsatz" anwenden, so dass alle Beweislast ...

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Kommentare

#1 -

Forschender | Mo., 10.03.2025 - 10:29
"Unser Ziel ist: "Der erste Fusionsreaktor der Welt soll in Deutschland stehen."

Selten so gelacht. Marvel Fusion wandert gerade nach Colorado ab.

Es bringt überhaupt nichts, zusätzliche Milliarden in das dysfunktionale deutsche Forschungssystem zu pumpen, wenn man nicht vorher drastische Strukturreformen durchsetzt. Aber eher kommt Godot als die kommen.

#2 -

Tim | Mo., 10.03.2025 - 11:18
Nicht dass es nicht doof ist, wenn mit deutschen Steuergeldern massiv geförderte Unternehmen ihre Technologie ins Ausland schaffen.

Marvel Fusion jetzt aber als einen relevanten Faktor für kommerziell anwendbare Fusionstechnologie in Deutschland oder weltweit zu definieren spricht der Firma meiner Meinung nach deutlich mehr Substanz zu als sie hat.

Was sie aus meinem Blickwinkel definitiv haben sind sehr, sehr ambitionierte Ziele, eine super Marketingabteilung (dual-use ?) und ein Händchen für Fördermittelanträge.



Wendelstein ist hingegen bereits physisch existent und "Marktführer" in Bezug auf kontinuierlichen Betrieb, wenn auch weit weg von der Marktreife.

#3 -

Forschender | Di., 11.03.2025 - 09:59
@Tim Das ist doch gerade das Problem!

Wenn man Forschung marktreif machen will, braucht man unbedingt "sehr, sehr ambitionierte Ziele, eine super Marketingabteilung (dual-use ?) und ein Händchen für Fördermittelanträge". Klappern gehört zum Handwerk!

Wenn die hehren Grundlagenforscher @Wendelstein das nicht wollen oder nicht können, bestätigt das meine Prognose, daß der Transfer in Deutschland massive strukturelle Probleme hat. Nicht nur bei der Kernfusion.

#4 -

Tim | Di., 11.03.2025 - 11:13
@Forschender

Ich stimme zu, dass ambitionierte Ziele zu Startups passen.

Ich behaupte aber auch, dass Glaubwürdigkeit ebenfalls ein essentielles Element eines jeden erfolgreichen Startups ist und dass ab einem gewissen Stadium auch Substanz im Sinne von Demonstratoren oder zumindest konzeptionellen Prototypen dazugehört.

Insbesondere, wenn es um ein "großes" Thema wie Kernfusion geht.



Sehr, sehr ambitionierte Ziele gab es in dem Bereich schon öfter, z.B. Stichwort "cold fusion 1989". Es ist ein schmaler Grat zwischen klappern und blenden.

#6 -

silia | Mo., 31.03.2025 - 15:54
Um sich von den USA unabhängig zu machen, muss Geld in Deutsche/Europäische (digitale) Firmen gesteckt werden. Es muss europäsiche Varianten von Google, Facebook Twitter usw. geben. Wozu es auch eine größere Zahl an Spezialisten benötigt, die diese Unternehmen gründen, Dann kann es auch eine eigene international wirksame Pkatform wie TikTok geben, die es nur deshalb gibt, weil die US-Technfirmen China boykottieren (müssen), bzw. von China boykottiert werden.

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