"Die BMK soll nicht wie ein lahmer Haufen wirken"
Christine Streichert-Clivot und Dorothee Feller koordinieren künftig die Arbeit der Bildungsministerkonferenz – zwischen Föderalismus-Skepsis, Digitalpakt-Verhandlungen und wachsendem Erwartungsdruck. Im Interview sprechen sie über Führungsanspruch, parteiübergreifende Kompromisse und ihre Erwartungen an ihre Ex-Kollegin, die neue Bundesbildungsministerin Karin Prien.

Die SPD-Politikerin Christine Streichert-Clivot (rechts), 45, ist seit 2019 saarländische Ministerin für Bildung und Kultur. 2024 hatte sie das Amt als Präsidentin der Kultusminsterkonferenz inne. Die Christdemokratin Dorothee Feller (links), 59, ist seit 2022 Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen. Foto Streichert-Clivot: Holger Kiefer, Foto Feller: Klaus Altevogt.
Frau Streichert-Clivot, Frau Feller, in der Bildungsministerkonferenz (BMK) übernehmen Sie künftig eine besondere Rolle als Koordinatorinnen . Sie, Frau Streichert-Clivot, für die sogenannten "A"-Länder mit SPD-Regierungsbeteiligung, und Sie, Frau Feller, für die "B"-Länder, in denen die Unionsparteien Koalitionspartner sind. Gleichzeitig wird das klassische A- und B-Muster aber durch immer buntere Koalitionen auf Länderebene zunehmend aufgeweicht. Hat da die Rolle der Koordinatorinnen überhaupt noch strategisches Gewicht?
Dorothee Feller: Gerade weil die politischen Konstellationen in den Ländern vielfältiger geworden sind, braucht es die Koordinatorinnen mehr denn je. Unsere Aufgabe ist es, innerhalb der politischen Konstellationen gemeinsame Positionen zu formen – und als Ansprechpartnerin für die jeweils andere Seite zu fungieren. Das sorgt für mehr Klarheit und Fokus in der Debatte.
Christine Streichert-Clivot: Hinzu kommt: In einer dynamischen Bildungslandschaft müssen wir schnell und fokussiert reagieren. Die Koordination hilft, Entscheidungen auch jenseits der regulären Sitzungen vorzubereiten. Das ist ein praktischer Beitrag dazu, dass die BMK nicht nur nach außen handlungsfähig erscheint – sondern es tatsächlich ist: im Interesse vor allem der Kinder und Jugendlichen.
Sehen Sie sich dabei nur als Moderatorinnen von Abstimmungen – oder auch als Personen, die Impulse setzen und Richtung geben wollen?
Streichert-Clivot: Beides gehört zusammen. Wir müssen erst einmal zuhören, was in den Ländern gedacht und gebraucht wird – gerade angesichts unterschiedlicher Koalitionskonstellationen. Gleichzeitig besteht unsere Aufgabe auch darin, auf beiden Seiten Verständnis für den übergeordneten Kompromiss zu schaffen. Wir wollen, dass die BMK auch die bundesweit wahrgenommene Bildungspolitik nach vorne bringt und nicht wie ein lahmer Haufen wirkt, sondern schlagkräftig sein – und dafür braucht ...
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Kommentare
#1 - "Die PISA-Studie als internationaler Vergleich sehe ich mir…
"Die PISA-Studie als internationaler Vergleich sehe ich mir natürlich auch genau an, aber für unsere Arbeit vor Ort ist der Bildungstrend das präzisere Instrument." Ich habe große Zweifel, ob sich Bildungspolitiker und Bildungsjournalisten die PISA-Berichte wirklich ansehen. Mir scheint, jeder pickt sich nur das heraus, was in die jeweilige politische Richtung passt. Nehmen wir doch den Satz "PISA hat gezeigt: In keinem [oder in kaum einem] Industrieland hängt der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland." Die PISA-Macher selbst bestreiten, dass sie diesen Satz in die Welt gesetzt haben. Der eine schreibt ihn jetzt vom anderen ...
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