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"Drei-Meter-Straßen führen nicht ans Ziel"

Warum Deutschland seine Forschungsinfrastrukturen strategischer steuern muss – und was passiert, wenn Digitalkonzerne die Lücken füllen. Petra Gehring und Stefan Lange vom Rat für Informationsinfrastrukturen über einen Paradigmenwechsel: weg von Projektitis, hin zu echter Verantwortung.
Collage aus zwei Portraitfotos von Stefan Lange und Petra Gehring.

Petra Gehring ist Professorin für Philosophie an der TU Darmstadt, leitet das Zentrum verantwortungsbewusste Digitalisierung des Landes Hessen und ist Vorsitzende des Rates für Informationsinfrastrukturen (RfII). Stefan Lange ist Leiter der RfII-Geschäftsstelle. Fotos: RfII/Claus Völker.

Der Wissenschaftsrat hat Mitte Juli seine Empfehlungen zur Zukunft der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) vorgelegt. Kurz darauf folgte der Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII) mit einem eigenen Positionspapier: " Leistung in Verantwortung ". Ihr Blick richtet sich auf das gesamte System wissenschaftlicher Informationsinfrastrukturen. Ich würde Ihre Kernbotschaft zusammenfassen mit: "Ownership statt Projektitis". Frau Gehring, trifft das den Kern?

Petra Gehring: Da würden wir uns schon verstanden fühlen. Weder Projektitis noch andere, lediglich verstreute Aufwüchse führen im Bereich digitaler Infrastrukturen weiter. Darum fordern wir einen Paradigmenwechsel – hin zu einer Haltung der Verantwortung. Ownership richtet sich an viele verschiedene Akteure und eröffnet ein Gegenbild zur Welt der Projektlogik. Und bietet vielleicht sogar einen Hinweis darauf, warum wir oft in dieser Logik steckenbleiben.

Wissenschaftliche Informationsinfrastrukturen, das sind Bibliotheken, Software, Hochleistungsrechner, Forschungsdatenzentren, Datenplattformen. Organisiert in einer Vielzahl nebeneinanderstehender Initiativen: NFDI, Nationales Hochleistungsrechnen (NHR), KI-Zentren, Medizininformatik. Die Liste in Ihrem Papier ist noch viel länger. Was fehlt, damit daraus ein in sich stimmiges Gesamtsystem wird?

Gehring: Was sicher fehlt, ist genau das, was Sie angesprochen haben. Wir haben es allerdings mit einer quantitativ wie auch inhaltlich gigantischen, historisch gewachsenen Landschaft zu tun. Ein Nebeneinander – teils auch ein Gegeneinander – von Infrastrukturen. Dass in einem System einer solchen Größenordnung an vielem parallel gewerkelt wird, ist normal. Denn es geht ja um sehr unterschiedliche Dinge, die da entwickelt, beforschbar und nachhaltig verfügbar gemacht werden. Die Bandbreite reicht von der Entwicklung neuer Forschungs- und Datenerhebungsmethoden, also hochspezialisierten Kulturtechniken, bis hin zu riesigen technischen Anlagen mit entsprechendem Energieverbrauch.

Aber diese Heterogenität hat doch einen Preis: enorme Effizienzverluste.

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Kommentare

#1 -

D. Hengstmann | Mo., 11.08.2025 - 15:25

Ist ja alles schön und gut zu dem Thema. Aber man tappt bei den vielen Abkürzungen schnell im Dunklen als Not-Insider. Was ist denn RfII ?

 

 

#1.1 -

Uli | Di., 12.08.2025 - 14:02

Antwort auf von D. Hengstmann (nicht überprüft)

Rat für Informationsinfrastrukturen (RfII), ist zweimal ausgeschrieben, einmal in der Bildunterschrift und einmal im Einführungstext. 

#1.2 -

J. Kerkhoven | Di., 12.08.2025 - 14:19

Antwort auf von D. Hengstmann (nicht überprüft)

RfII = Rat für Informationsinfrastrukturen, steht über und unter dem Titelbild sowie in der ersten Frage ;)

Interessantes Interview zu einem leider nur allzu bekannten Problem, vielen Dank dafür!

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