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Die Exzellenz ist müde

Die Exzellenzstrategie war ein Versprechen auf Wettbewerb und Aufbruch. Heute ist ihr Ende wissenschaftspolitisch absehbar. Doch was könnte, was sollte danach kommen?
Stilisiertes Schachbrett mit einer Reihe Bauern, ein Bauer ist aufs Spielbrett gekippt.

Symbolbild: freepik.

AUF DEN ERSTEN BLICK klang es überraschend radikal, was ein konservativer Wissenschaftspolitiker da formulierte: "Die Exzellenzstrategie hat sich überlebt", sagte der bayerische CSU-Abgeordnete Robert Brannekämper, langjähriger Vorsitzender des Landtagsausschusses für Wissenschaft und Kunst, neulich hier im Wiarda-Blog .

Auf den zweiten Blick wirkte Brannekämpers Diagnose weniger abwegig. In Hintergrundgesprächen mit Wissenschaftsministerinnen, Staatssekretären und hohen Beamtinnen hört man sie in Varianten immer häufiger – mal offener, mal hinter vorgehaltener Hand. Kaum jemand plädiert noch mit echter Begeisterung für eine Fortsetzung des Wettbewerbs. Und noch weniger glauben daran, dass die ExStra eine Zukunft hat, die über die laufende Vergaberunde hinausreicht.

Im Frühjahr ließ bereits ein Passus im schwarz-roten Koalitionsvertrag aufhorchen. Die Exzellenzstrategie solle "in den Förderlinien Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten für eine mögliche Förderperiode ab 2030 grundlegend evaluiert" werden.

Nicht nur bedeutete das ein Vorziehen der Evaluation auf einen Zeitpunkt, zu dem sich über die Wirkungen der letzten ExStra-Reform noch gar nichts aussagen lässt, zugleich klang die Formulierung zu einer möglichen nächsten Förderperiode betont nach offenem Ausgang. Dorothee Bär versuchte zwar gleich bei ihren ersten Auftritten als neue Forschungsministerin, rhetorisch gegenzuhalten : Die ...

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Kommentare

#1 -

Andreas Drotloff | Mi., 08.10.2025 - 13:12

Vielen Dank für die wie immer lehrreiche und spannende Analyse! Was ich in der abschließenden wissenschaftspolitischen Erzählung jedoch schmerzlich vermisse, ist wie so oft die Lehre. Ohne einen Fokus auf diese dritte Säule - die eigentlich in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung die erste sein sollte - wird der deutschen Wissenschaft (und Wirtschaft) perspektivisch der Sprit in Form von zeitgemäß qualifizierten jungen Menschen ausgehen. Eine dritte Säule der Initiative könnte etwa folgendermaßen aussehen:

- 50% Förderung von den Ländern mit dem Ziel, die Grundfinanzierung der Lehre in Teilen von den Studierendenzahlen zu entkoppeln und den Druck auf die Hochschulen zu verringern, zum ...

#2 -

Fumarius | Do., 09.10.2025 - 07:53

Zunächst einmal: Ziel der ExStra war und ist nicht, einmalig herausfinden,  wer 'die besten Unis' sind. Erstens besteht sie bekanntlich aus zwei Förderlinien, und die Exzellenzcluster scheinen in der Debatte mE immer wieder irgendwie unterzugehen - bei Herrn Wiardas Reformvorschlag scheinen sie ganz verschwunden,  oder lese ich das falsch? Dabei lese ich Kritik vor allem nur auf die zweite Förderleistung der Exzellenzunis gerichtet.  Wer "die ExStra" ob dessen abschaffen will, muss aber auch etwas zu den Clustern sagen. Zweitens,  und viel wichtiger: Nicht nur die Cluster, sondern beide Förderlinien zielen auf Veränderung und einen permanenten Wettbewerb. Sie sollen nicht einmalig ...

#2.1 -

jmwiarda Do., 09.10.2025 - 16:46

Antwort auf von Fumarius (nicht überprüft)

Vielen Dank für die Anmerkung. Die Zukunft der Exzellenzcluster läge systemlogisch bei der DFG, vielleicht als herausgehobene Sonderforschungsbereiche. Aber vermutlich mit einer deutlich geringeren Finanzierung. Beste Grüße!

#2.1.1 -

Tim | Fr., 10.10.2025 - 08:41

Antwort auf von jmwiarda

"Aber vermutlich mit einer deutlich geringeren Finanzierung." 

Darf man fragen warum? Die jetzige Finanzierung ist bereits nur ungefähr die von 2 SFBs, wobei die Cluster aber auch üblicherweise mehr als doppelt so viele Einzelprojekte innerhalb der Cluster umsetzen. Sie haben auch eine deutlich andere Systematik in der Mittelvergabe innerhalb der Laufzeit mit einem Fokus auf Flexibilität und Dynamik innerhalb des jeweiligen Forschungsgebiets, gerade eben ohne überbordende bürokratische Anforderungen diesbezüglich.

#4 -

Konrad Brehm | Do., 09.10.2025 - 09:47

Vielleicht sollten nicht ganz so viele Stimmen aus Berlin zu Wort kommen. Mit Blick auf das Abschneiden in der aktuellen Exzellenzrunde und der gleichzeitigen Kürzungsrunde zu Lasten ihrer Hochschulen ist die Hoffnung auf großkoalitionäre Deals mit Bayern sicher größer als das Vertrauen in den Wettbewerb.  

#5 -

René Krempkow | Do., 09.10.2025 - 11:53

Ja, allerdings wäre "Exzellenz auch in der Lehre?" auch m.E. ein wichtiges Thema. Ironischerweise war dies auch das Fazit der ersten Bilanztagung zur Exzellenzinitiative, die bereits vor rund zwei Dekaden am Institut für Hochschulforschung in Wittenberg stattfand, und wo dieser Forderung auch die damalige Bundesbildungs- und Forschungsministerin Edelgard Bulmahn zustimmte. 

Wer sich dafür interessiert, was hierzu bereits zum Ende der zweiten Runde der Exzellenzinitiative bzw. späteren -strategie des Bundes und der Länder diskutiert wurde, kann dies in einem kurzen Tagungbericht nachlesen (auf S. 192f. in der Zeitschrift "Das Hochschulwesen" 6/2007 bzw. als Volltext unter: https://www.hochschulwesen.info/inhalte/hsw-6-2007.pdf). 

#6 -

H. Küngen | Sa., 11.10.2025 - 22:15

Was das Ziel der ExIn war, wenn es überhaupt ein Ziel gab, – einmal die Besten küren oder der ewige Wettbewerb – scheint mir nicht ganz so klar.  Der ürsprüngliche Slogen war jedenfalls "Brain up! Deutschland sucht die Superuniveritäten" ... Aber es kommt seitdem wirklich vieles wieder – die beschriebene zweite Säule erinnert wieder an das Papier "Nach der Exzellenzinitiative: Personalstruktur als Schlüssel zu leistungsfähigeren Universitäten", das die junge Akademie (vor nicht zwei, aber vor ca. einer Dekade) veröffentlicht hat (https://www.diejungeakademie.de/de/publikationen/nach-der-exzellenzinitiative-personalstruktur-als ). 

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