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Appeasement im Kopf

Die USA erleben eine systematische Demontage der Demokratie. In Deutschland klammert man sich an Beschwichtigungen. Was das für die Wissenschaft bedeutet.
Bild vom Oberkoerper der Statue of Liberty in New York vor grauem Himmel.

Foto der Freiheitsstatue in New York: Wirestock / Freepik.

NEULICH KOMMENTIERTE Jens Spahn bei Caren Miosga die zwischenzeitliche Absetzung des Late-Night-Moderators Jimmy Kimmel: Im Grunde benutze das MAGA-Lager "das, was vorher von der anderen politischen Seite kam: Cancel Culture, Hasssprache, Hate Speech."

Man kann davon ausgehen, dass der CDU-/CSU-Fraktionschef es besser weiß. Dass der Disney-Sender ABC Kimmel auf Druck und unter Beifall des US-Präsidenten aus dem Programm warf, entsprach in keiner Weise dem, was Spahn auf Miosgas Nachfrage etwas wolkig so beschrieb : "Das Thema war ja an den Universitäten, dass bestimmte Leute nicht mehr auftreten."

In den Tagen vor Spahns Interview hatte Trump unter anderem auch kritische Berichterstattung über ihn als "wirklich illegal" bezeichnet und Fernsehsendern offen mit Lizenzentzug gedroht. Von Trumps demokratischen Vorgängern ist Vergleichbares nicht einmal in Ansätzen bekannt geworden.

Verharmlosung mit Folgen

Wie erklärt sich eine solche Verharmlosung exekutiver Einflussnahme aus dem Mund eines so intelligenten wie strategisch gewieften Transatlantikers wie Spahn? Nur mit einer gehörigen Portion Wunschdenken, das am Ende auf Realitätsverweigerung hinausläuft.

Natürlich sind die USA weit von diktatorischen Verhältnissen wie in China oder Russland entfernt. Doch allein die Tatsache, dass gerade auf konservativer Seite dieser Umstand zuletzt immer wieder betont wurde, zeigt den Zwiespalt. An China oder Russland ist die Bundesrepublik, ist Europa nicht strategisch gebunden. An die USA schon.

Was aber bedeutet es für das Lager der westlichen Demokratien, ...

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Kommentare

#1 -

Leif Johannsen | Mi., 24.09.2025 - 18:10

Hier ein Zitat aus einem aktuellen Kommentar des ehemaligen US-Arbeitsministers Robert Reich im Guardian: "America’s leadership class no longer leads. It hides." Ich denke diese Diagnose koennte genauso gut auch auf Deutschland zutreffen, nur merken wir es noch nicht, da der Populismus sich hierzulande noch nicht ganz so weit ausgebreitet hat wie in den USA. Das heisst, es fehlt noch der Druck, der die Schwaeche unser Eliten erst offensichtlich macht. Ich glaube allerdings, dass der Vertrauensverlust in die "Wirkmacht" unserer Eliten auch bei uns schon sehr weit fortgeschritten ist und noch weiter erodieren wird. Das Relativieren/Appeasement derselben ist da nur ...

#1.1 -

Dr JR | Do., 25.09.2025 - 14:51

Antwort auf von Leif Johannsen (nicht überprüft)

Von welchen Eliten sprechen Sie Leif Johannsen? In Deutschland gibt es verschiedene Eliten, darunter politische , wirtschaftliche , akademische , kulturelle und soziale Eliten, die jeweils in ihren Bereichen Einfluss auf Entscheidungen und Entwicklungen ausüben. Diese Gruppen können sich überschneiden und interagieren, was ihre Rolle in der Gesellschaft prägt.



Die akademischen und vielleicht auch kulturellen Eliten sind in den vergangenen Jahren ins Versteck getrieben worden. Wie auch, wenn es ständig ums Überleben in einem System voller befristeter Jobs und Unterbezahlung geht. Wir brauchen Geisteswissenschaften genauso wie Naturwissenschaften. 



Und wer sind "die kleinen Leute" für Sie? Gehören da Akademiker und Akademikerinnen ...

#2 -

McFischer | Mo., 29.09.2025 - 17:16

Es ist für mich der faszinierendste Fakt, dass die USA den autoritären - und zunehmenden - Auswüchsen der Trump Regierung so wenig bis kaum etwas entgegenhält. Ich fand die These, dass in den USA die "civil religion" (Bellah) oder der "American Creed" (Lipset) so eine zentrale Rolle einnimmt, immer sehr überzeugend: die quasi-religiöse Verklärung von Meinungsfreiheit, Republikanismus, Gewaltenteilung, hohe Bedeutung der Verfassung, Meritokratie (Elite-Universitäten) statt Beziehungen etc. Gerade eine Nation, die keine "Kulturnation" sondern eine "Immigrationsnation" war und ist, braucht so einen kulturell-politischen Kern, der eben politisch ist, aber damit auch die politische Kultur zusammenhält. Vieles lässt oder ließ sich ...

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