Die Acht-Millionen-Lücke
Hochschulen sollen sich stärker in Sicherheits- und Verteidigungsforschung engagieren. Tatsächlich erhielten sie 2025 aus dem Verteidigungsministerium aber nur 7,9 Millionen Euro an Forschungsaufträgen. Ein Überblick über Erwartungen, Zahlen und den nötigen Realismus.

Sitz des Bundesverteidigungsministeriums in Berlin. Foto: Hnapel , CC BY-SA 4.0 .
THOMAS F. HOFMANN FAND DEUTLICHE WORTE. "Universitäten müssen aufhören, sich hinter der falsch verstandenen Zivilklausel zu verstecken und sich ihrer Verantwortung zu entziehen", sagte der Präsident der TU München im Februar . "Wer den Frieden sichern will, muss ihn auch verteidigen können."
Feiner ziseliert, aber mit derselben Stoßrichtung formulierte der Wissenschaftsrat in seinem vor genau einem Jahr veröffentlichten Positionspapier " Wissenschaft und Sicherheit in Zeiten weltpolitischer Umbrüche ": Auch Akteure im Wissenschaftssystem trügen "Verantwortung, um zur Sicherheit und Resilienz einer offenen demokratischen Gesellschaft beizutragen." Es bedürfe sowohl einer höheren Aufmerksamkeit für Wissenssicherheit als auch für die Bedeutung sicherheitsrelevanter Forschung, wozu weit mehr als die militärische Forschung gehöre.
Wenn der Wissenschaftsrat zugleich prognostiziert, dass in den nächsten Jahren "voraussichtlich deutlich mehr Mittel für sicherheitsrelevante Forschungs- und Entwicklungsarbeiten eingesetzt werden", hat das vorrangig mit dem Wehretat zu tun. Der Haushalt des Bundesverteidigungsministeriums soll allein zwischen 2026 und 2030 um fast 100 Milliarden auf dann 179,9 Milliarden Euro zulegen. Das wirkt sich, bei gleichzeitig steigenden Kosten für den Schuldendienst, massiv auf praktisch alle anderen Ressorts aus. Beispiel BMFTR: Hier plant die Bundesregierung bis 2030 mit einem Minus von 2,6 Prozent – bei gleichzeitiger Inflation ein bedeutender realer Rückgang.
Und während an deutschen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen neuerdings ...
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Kommentare
#1 - Rahmenbedingungen
Das ist eine sehr wichtige Beobachtung und ein eklatanter Missstand. Man muss jedoch auch hinterfragen, und dies spielt vielleicht in die Verteilungsstrategie des Verteidigungsministeriums mit, wie viele Universitäten geschweige denn HAWs bei IT-Sicherheit, Rechtsfragen etc. die nötige Expertise und Sicherheit auf ihrer Seite vorweisen können. Denn Wehrforschung, auch wenn sie als dual use getarnt wird, ist hinsichtlich Spionageinteresse sensibel und hinsichtlich der rechtlichen Absprachen anspruchsvoll und übersteigt ggf die Kompetenzen der üblichen Verwaltungsjuristen an den Hochschulen. In den Verwaltungen ist ein Teil der Belegschaft sicherlich auch froh, dass dieser Kelch derzeit noch an einem vorbeigeht.
#2 - Das ist der Realitätscheck…
Das ist der Realitätscheck einer Debatte, die rhetorisch längst weiter ist als budgetär und systemisch.
Vor drei Wochen hat die HRK ihre Entschließung zur sicherheitsrelevanten Forschung verabschiedet. Sie fordert eigene Förderprogramme, flexible Strukturen, Innovation Hubs, Vernetzung mit Bundeswehr und Sicherheitsbehörden, gleichberechtigte Einbeziehung der Geistes- und Sozialwissenschaften.
In Bayern haben wir genau das 2022 angelegt: eine neue Aufgabe im BayHIG zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit vorgeschlagen, die Bayerische Wissenschaftsallianz für Friedens-, Konflikt- und Sicherheitsforschung mit zehn Universitäten und rund 100 Fellows aufgebaut, und die Erwartung, dass einer neuen Aufgabe auch Stellen und Programme folgen – aus Freistaat, Bund, DFG und EU-Rahmenprogramm.
Vier ...
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