Die bequeme Sorge um die Wissenschaftsfreiheit
Die Debatte über Wissenschaftsfreiheit boomt. Doch oft bleiben ausgerechnet jene außen vor, deren Fächer, Erfahrungen und Konflikte zeigen, wo die Freiheit der Wissenschaft tatsächlich unter Druck steht. Ein Gastbeitrag von Jannis Julien Grimm.

Jannis Julien Grimm leitet die Forschungsgruppe "Radical Spaces" am Zentrum für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung (INTERACT) der Freien Universität Berlin. Foto: Bernhard Wannenmacher.
NICHT NUR EINSCHRÄNKUNGEN von Wissenschaftsfreiheit haben weltweit Konjunktur, sondern in Deutschland inzwischen auch Debatten über ihre Verteidigung. Es gibt eine Berlin-Brandenburg Academic Freedom Week , diverse Gesprächsreihen und Ringvorlesungen zum Thema "Academic Freedom under Pressure", "under Threat" oder "at Risk", dazu prominent platzierte Panel bei der Berlin Science Week , hochschulpolitische Positionspapiere, offene Briefe, Sonderhefte und Resilienzprogramme . Spätestens seit der sogenannten BMBF-Fördermittelaffäre um die ehemalige Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger gehört die Sorge um die Freiheit von Forschung und Lehre zum festen Inventar wissenschaftspolitischer Debatten.
Das ist eine gute Nachricht. Denn wie Jan-Martin Wiarda vor einigen Wochen hier schrieb , wäre es fatal, wenn ausgerechnet die Wissenschaft auf die politischen Angriffe der Gegenwart mit einem Rückzug aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung reagieren würde. Wissenschaft und ihre Freiheit sind nicht nur dann bedroht, wenn Ministerien Förderlisten prüfen oder rechte Parteien unliebsame ...
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Kommentare
#1 - es geht um die politische Richtung
"Es geht dabei nicht primär eben über Silencing , also um das explizite Verbot oder Unterdrücken bestimmter Positionen. Sondern um Silence : das Nicht-Einladen, Nicht-Zitieren, Nicht-Kooperieren, Nicht-Antworten."
Aber wer hat das letztere eingeführt? Läuft das nicht unter der Bezeichnung "cancel culture"? Andere Positionen als die eigenen werden dabei von manchen als Provokation aufgefasst und niedergebrüllt, das geht dann bis zum Mobbing, und es wird auch von studentischen Aktivisten praktiziert, die den Professoren der "falschen" politischen Richtung einfach "Unwissenschaftlichkeit" vorwerfen. Das traf z.B. Ruud Koopmans, aber es traf nie Gesine Schwan, die in Talkshows gern offen lässt, ob sie gerade als ...
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