Überschätzte Expertise
Anja Karliczek droht als Ministerin zu scheitern. Allerdings nicht an ihrem mangelnden Fachwissen. Eine Bilanz nach 12 Monaten.

Unter Beobachtung: Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) . Fotos: Gregor Fischer /re:publica / flickr - cco 2.0./ Markus Spiske / flickr - cco 2.0.
WANN IST EIGENTLICH der richtige Zeitpunkt, um das Potenzial einer Ministerin beurteilen zu können?
Bei Anja Karliczek reichten ein paar Minuten, einigen Twitter-Usern zumindest. So alt war am 25. Februar 2018 ihre offizielle Nominierung als neue Chefin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), als sich in den sozialen Medien bereits die bissigen Kommentare häuften. Die taz dokumentierte sie in einem Artikel: "Die Kauffrau @AnjaKarliczek wird neue Bildungsministerin", schrieb eine Userin, und ein anderer verkündete: "Um Bildungsminister zu werden, reicht es anscheinend, mal Klassenpflegschaftsvorsitzende gewesen zu sein." Nein, das war nicht fair. Zu Recht kritisierte die taz damals den " dämlichen Dünkel ".
Doch irgendwann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem sich keiner mehr vorwerfen lassen muss, er urteile voreilig: Genau ein Jahr nach ihrer Nominierung gilt Anja Karliczek, inzwischen 47, sogar vielen in ihrer eigenen Partei, der CDU, als mögliche Fehlbesetzung. Sie habe, sagen ihre Kritiker, vor allem durch ein paar schräge Aussagen von sich reden gemacht, keine nennenswerten Erfolge vorzuweisen, und ansonsten sei sie in Merkels Kabinett das gewesen, was SPIEGEL Online neulich über sie schrieb: " Die Unsichtbare ".
Hätte man es von Anfang an wissen können? Ja, sagen diejenigen, die vom ersten Tag an schimpften: eine Frau ohne Doktortitel. Die an einer Fernhochschule studiert hat. Die vorher eine Banklehre gemacht hatte, eine Ausbildung zur Hotelfachfrau und Ausbilderin und dann lange Jahre das familieneigene Hotel im Tecklenburger Land mitleitete.
Schon am 25. Februar 2018 war das, was auf Twitter auftauchte, nur die Spitze des Eisberges. Auch die FAZ befand in Rekordtempo : "Wenn bildungspolitische Erwägungen überhaupt eine Rolle bei der Kandidatenkür spielten, dann weisen sie jedenfalls nicht in die Forschung." Die Personalie zeige, wie das Ministerium zur innerparteilichen Verhandlungsmasse geworden sei. Und hinter vorgehaltener ...
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Kommentare
#1 - Wie auch die Vorherigen ließt sich das vorliegende…
#2 - Interessant, in welch positivem Licht so manche Personalie…
Auch die Bewertung der Personalie Quennet-Thielen, die immer wieder hervorgeholt wird, irritiert. Ja, sie hatte sehr viel Sachverstand, aber in erster Linie war sie gefürchtet. Und viele würden sagen: so viel Selbstherrlichkeit war selten. Dass dies mit Frau ...
#3 - Die Vorgängerinnen Frau Karliczeks frassen den Granden…
Auch andere an der Spitze des BMBF waren dafür mitverantwortlich, namentlich Frau Quennet-Thielen. Insgesamt sind die Machtkonzentrationen im deutschen Wissenschaftssystem viel zu groß: Granden geht es um Macht und Geld; der Wissenschaft sollte es wenigstens hin und wieder um die Wahrheit gehen.
Frau Karliczek fährt einen anderen Kurs, und das ist gut so. Natürlich rächen sich die Granden dadurch, ...
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