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Das berechtigte Misstrauen der Befristeten

"Frist ist Frust": Die Politik sollte endlich eine umfassende Bestandsaufnahme bei Befristungen in der Wissenschaft machen.

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Artikelbild: Das berechtigte Misstrauen der Befristeten

Foto: pexels - cco.

ES IST EIN OFFENER BRIEF der offenen Enttäuschung. Ein "Gefälligkeitsgutachten" sei das, was das Bundesforschungsministerium da in Auftrag geben wolle, kritisierten die Unterzeichner die "sehr geehrte Frau Ministerin" Anja Karliczek. Und sie verkündeten : Da machen wir nicht mit.

Die Briefeschreiber, unter ihnen der Jenaer Soziologieprofessor Tilman Reitz, gehören zum sogenannten Netzwerk für Gute Arbeit in der Wissenschaft, womit der Haupt-, – der einzige – Zweck dieses Bündnisses griffig zusammengefasst ist. Als neulich die Wissenschaftspakte ausgehandelt wurden, demonstrierten die Leute vom "NGA Wiss" vor Karliczeks Ministerium, sie hielten symbolisch ihre Kettenverträge in die Pressekameras und riefen das Motto ihrer (gemeinsam mit der GEW initiierten) Kampagne in die Mikrofone: " Frist ist Frust ".

In der Tat sind die Zahlen erschreckend: Der sogenannte wissenschaftliche Nachwuchs an deutschen Hochschulen ist zu rund 90 Prozent befristet beschäftigt. Zu den Eigenheiten deutscher Hochschulpolitik zählt dabei, dass dank der Kettenverträge selbst 40-Jährige in Abhängigkeit gehalten und insofern immer noch zum "Nachwuchs" gezählt werden.

Die Wissenschaftspakte wurden vor wenigen Tagen offiziell von Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin verabschiedet, doch das im "Zukunftsvertrag ...

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Kommentare

#1 -

McFischer | Mo., 17.06.2019 - 18:26
Guter Beitrag zu einem schon lange diskutiertem Thema. Interessant ist, dass die 'Befristung der Befristung' in zweierlei Hinsicht problematisch ist: Einerseits schafft es Anreize für Hochschulen, die 12 Jahre auszureizen bzw. dann weiter auf Drittmitteln zu beschäftigen. Andererseits gibt es nicht wenige (im Laufe der Jahre dann hochwertig qualifizierte) Wissenschaftler/-innen, für welche die Drittmitelperspektive die einzige Möglichkeit ist, weiter hochschulisch zu arbeiten - was natürlich für die Professoren/-innen vorteilhaft ist, da sie so gut qualifizierte Mitarbeiter/-innen halten können.

Vermutlich müsste man konsequent sein und entweder alle Befristungsgrenzen aufheben oder das System der 'wenigen Professoren/-innen und vielen Mittelbaustellen' vom Kopf auf ...

#3 -

Michael Zacherle | Mi., 19.06.2019 - 00:58
Noch schlimmer als in der Wissenschaft selbst ist es beim wissenschaftsunterstützenden Personal, sprich in der Verwaltung. Ein immer größerer Teil des Budgets der Universitäten sind Drittmittel, die sowohl beim Einwerben als auch in der Verwaltung viel mehr Aufwand in der Administration erzeugen als Grundmittel. Trotzdem geht der Anteil des Verwaltungspersonals immer weiter zurück, statt dass man den geschilderten Umständen Rechnung trägt. Und die Befristungsregeln in der Verwaltung sind unverständlicherweise die gleichen wie in der Wissenschaft selbst. Nach zwei oder auch mal vier Jahren lässt die Universitätsspitze die Verträge auslaufen, weil man das Personal nicht entfristen möchte und sich auch die ...

#4 -

Klaus Diepold | Do., 20.06.2019 - 01:36
Dank an Michael Zacherle dafür, dass er auf die Situation des wissenschaftsstützenden Personals hinweist, das ebenfalls unter befristeten Verträgen leidet (deutlich weniger als 12 Jahre) und zudem hundsmiserable bezahlt wird. Die Personalfluktuation in der Verwaltung, insbesondere bei Rechtsabteilungen ist inzwischen grotesk.

Wie sieht es eigentlich mit der Befristung bei MPI, FhG etc aus? Ist es da genauso wie in den Hochschulen?

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