Divide and Conquer
Die Informatikerin Dorothea Wagner ist neue Vorsitzende des Wissenschaftsrates. Im Interview sagt sie, was sie sich für ihr Amt vorgenommen hat – und warum die Arbeitsweise des Beratungsgremiums sie an die Methoden ihres Faches erinnert.

Dorothea Wagner Foto: privat.
Frau Wagner, vor nicht einmal einem halben Jahr haben Sie die Konrad-Zuse-Medaille erhalten, die höchste Auszeichnung in der deutschsprachigen Informatik. Am Freitag wurden Sie zur neuen Vorsitzenden des Wissenschaftsrates (WR) gewählt. Was treibt eine derart hochdekorierte Forscherin in die Wissenschaftsadministration?
Die Arbeit als Forscherin und das Engagement in der Selbstverwaltung habe ich nie als Gegensätze empfunden. Beides dient der Wissenschaft. Ich mache seit vielen Jahren in den verschiedensten Gremien mit, seien es Evaluationskommissionen, Peer Reviews oder das Fachkollegium Informatik der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dessen Sprecherin ich war. Ich habe dem Auswahlausschuss der Alexander-von-Humboldt-Stiftung angehört, ich war mehrere Jahre DFG-Vizepräsidentin und bin seit 2015 WR-Mitglied. Wenn ich auf mein Engagement zurückschaue, stelle ich fest, dass jede Station meinen Blick zusätzlich geweitet hat und dass ich als Person, aber auch als Forscherin daran enorm gewachsen bin. Insofern erscheint mir mein neues Amt als ein konsequenter nächster Schritt.
Wenn man sich all Ihre wissenschaftspolitischen Stationen anschaut, ist es umso erstaunlicher, dass parallel Ihre Reputation als einer der international führenden Köpfe in Ihrem Fach sogar noch gewachsen ist. Auch Ihr Tag hat nur 24 Stunden. Wie haben Sie das geschafft?
Ich habe es irgendwie geschafft, und das hat sicherlich viel zu tun mit meiner sehr gut funktionierenden Arbeitsgruppe am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – also mit der Unterstützung durch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die fanden es von Anfang an interessant, dass mein Engagement ihnen über die originären Aufgaben in Forschung und Lehre hinaus zusätzliche Einblicke in die Wissenschaftswelt verschafft hat. Mir ist aber schon klar, dass sich für mein neues Amt einiges wird ändern müssen. Der WR-Vorsitz nennt sich zwar ein Ehrenamt, aber faktisch wird er den Großteil meiner Zeit fordern, so dass mir kaum noch Gelegenheit zum Forschen bleiben wird. Ich sage mal so: Bedingt durch mein Alter und den Stand meiner Karriere geht das in Ordnung.
"Es wird ...
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Kommentare
#1 - "In der Mathematik zum Beispiel, dem Fach, das ich selbst…
Es gab in der Vergangenheit sicherlich einige nicht ganz gelungene Ansätze zur Digitalisierung der Lehre. Aber das spricht nicht gegen die Digitalisierung, sondern gegen diese Ansätze. Ich denke, wir sind auf dem Weg, die richtigen Ansätze zu finden.
Als Beleg für den Forschritt auf diesem Weg sehe ich zum Beispiel Squirrel AI, für genau das genannte Thema Mathematik. In https://www.youtube.com/watch?v=hVHlMKbp2cg wird bei 0:45 eine "learning efficiency" von 5.4 für den AI Teacher und 0.7 für ...
#2 - Einer meiner Doktoranden ist zu einer deutschen Autofirma…
Das ist genau eines unserer Probleme:
D hat den Paradigmenwechslel vom Ingenieur zum Informatiker nicht hinbekommen.
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