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Diversität und Exzellenz sind für mich untrennbar

Die neue Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über Spitzenforschung, Hochschulfinanzierung, Frauen und Männer – und warum die DFG auch die Studierenden im Blick hat: Katja Becker im Interview.

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Artikelbild: Diversität und Exzellenz sind für mich untrennbar

Fotos: Kay Herschelmann.

Frau Becker, wenn man Ihnen seit Ihrem Amtsantritt als DFG-Präsidentin zuhört, fällt auf, wie oft Sie das Wort "Diversität" benutzen. Hatten wir davon bislang in der deutschen Wissenschaft zu wenig?

Auf jeden Fall gibt es Länder, die weiter sind als wir. Als ich vor ein paar Jahren für ein Forschungssemester in die USA ging, wurde ich als erstes gebeten, an einem ganztägigen Workshop teilzunehmen, Thema: Wie interagiere ich erfolgreich mit Menschen aus anderen Kulturen? Es ging um Wertschätzung der Forschenden persönlich und um die grundsätzliche Bedeutung von Vielfalt für die Qualität von Wissenschaft. Am Ende haben wir Teilnehmer sogar einen Test über unsere interkulturellen Kompetenzen absolviert. Ich fand das einen sehr guten Ansatz.

Ein Workshop allein schafft noch kein Diversitätswunder.

Aber er zeigt, dass Vielfältigkeit, um das deutsche Wort zu nutzen, als Wert anerkannt und explizit gefördert wird. In Deutschland gehen wir oft davon aus, dass die Menschen schon irgendwie klarkommen miteinander. Ich will damit nicht sagen, dass in den USA alles besser läuft oder dass dort alles, was theoretisch so hochgehalten wird, im Alltag funktioniert. Wir sehen ja die großen Probleme, die auch die Vereinigten Staaten mit der gesellschaftlichen Integration haben. Aber von diesem Bewusstsein für Diversität bis in die Führungsetagen hinein, davon können wir etwas lernen.

Was genau bedeutet Diversität für Sie eigentlich?

Sie bedeutet auf jeden Fall mehr als das, was wir im Augenblick darunter verstehen. Auch bei der DFG betrachten wir immer noch vor allem die Gleichstellung von Mann und Frau. Aber Diversität im Sinne von Chancengleichheit erstreckt sich auf alle denkbaren Dimensionen der Ungleichheit: auf die soziale und ethnische Herkunft, die sexuelle Orientierung, das Lebensalter, auf mögliche Behinderungen. Ich möchte, dass wir uns bei der DFG künftig von diesem Verständnis der Vielfältigkeit leiten lassen, dass wir es zum Gegenstand unseres täglichen Handelns machen und auch unsere Begutachtungs- und Entscheidungsprozesse daraufhin überprüfen.


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Katja Becker, 55, ist ...

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Kommentare

#1 -

Jens Kortner | Do., 02.04.2020 - 16:41
Zur Diversität: Das klingt alles ganz vernünftig und zeitgemäß. Aber alles kann man übertreiben. Daher zwei Warnungen:



Erstens, Diversität sollte nicht zum Anlass genommen werden, Einzel- oder Gruppeninteressen gegenüber anderen zu bevorzugen, Stichwort: sachfremde Erwägungen. Die Maßstäbe müssen für alle gleich bleiben, die eigentliche Diversitätsarbeit dürfte in den Vor- und Rahmenbedingungen liegen. (Zum Beispiel sollte im Sprachbereich überlegt werden, ob Genderneutralität statt Gendergerechtigkeit das zu verfolgende Ziel ist.)



Zweitens, über Diversität und Internationalität sollte man den Wert des Eigenen nicht vergessen. Also auch des Deutschen, auch wenn das für einige nationalistisch oder verstaubt klingt. Konkret: Wo ist z.B. die Pflege ...

#2 -

tmg | Fr., 03.04.2020 - 13:59
Ich gehöre zu den oben von Herrn Wiarda so bezeichneten "älteren Wissenschaftlern, die in Gleichstellung und Diversität alles Mögliche sehen, aber nicht die Förderung von Exzellenz". Warum wie von Frau Kollegin Becker oben behauptet, "Diversität eine zentrale Voraussetzung für exzellente Wissenschaft" sein soll, erschließt sich mir logisch argumentativ nicht. Eine solche Voraussetzung würde übrigens auch bedeuten, dass es in den vergangenen Jahrtausenden keine exzellente Wissenschaft gegeben hätte. Absurd.



Als politische Forderung ist Diversität sicherlich berechtigt - die Akzeptanz dieser Forderung wird durch gewaltsame Kausalitätskonstruktionen der obigen Form aber eher erschwert.



Kollegin Becker kündigt oben an, "dass wir uns bei der ...

#3 -

muppet | Fr., 03.04.2020 - 14:19
Als Doktorand mit einem "Teilzeit-Vertrag", muss ich sagen, dass ich die Ausführungen von Frau Becker für ein wenig realitätsfremd halte:



"Anderseits hätten Sie dann nicht mehr die 30 oder 50 Prozent Freiheit vom Lehrstuhl, die Ihnen die Teilzeit-Verträge ermöglichen. Diesen inneren Freiheitsgrad sagen zu können: Heute gehe ich ein paar Stunden spazieren, um einfach mal in Ruhe nachzudenken oder mit anderen zu diskutieren."



Die Finanzierung von wissenschaftlichen Mitarbeitern durch Teilzeit-Verträge führt ja nicht dazu, dass diese Menschen dadurch mehr Freiräume für andere Tätigkeiten bekommen, sondern es wird in der Realität die gleiche Erwartungshaltung an Mitarbeiter mit 50% wie mit 100% ...

#4 -

Klaus Diepold | So., 05.04.2020 - 14:04
Was Frau Becker zum Thema Diversität sagt, kann ich nur unterstützen. Vor allem auch die breite Sicht auf das Thema in möglichst vielen Dimensionen. Ich finde auch, dass es richtig ist, Diversität nicht primär aus einer Haltung der Verringerung von Ungerechtigkeit zu sehen, sondern als einen nachhaltigen Ansatz zur weiteren Entwicklung wissenschaftlicher Exzellenz. In dieser Hinsicht halte ich. es mit Max Planck, der seinerzeit schon zum Ausdruck brachte, dass sich neue Gedanken nicht dadurch durchsetzen, dass alle Etablierten sich überzeugen lassen, sondern dadurch, dass diese mit der Zeit aussterben. Die wissenschaftliche Welt hat sich in den vergangen 30 Jahren massiv ...

#5 -

Klaus Diepold | So., 05.04.2020 - 14:12
Zur Finanzierung von Stellen für Doktoranden: die Argumentation ist für mich nicht stichhaltig, warum z.B. Geistes- und SozialwissenschafterInnen keine 100% Stellen finanziert bekommen. Wenn Spazierengehen und Nachdenken nicht Bestandteil der wissenschaftlichen Arbeit ist und somit nicht vergütet werden soll, warum werden dann die ProfessorInnen in diesen Fachgebieten nicht auch nur zu 66% oder 75% bezahlt?



Ich erlebe das stets als eine große Ungerechtigkeit, wenn DoktorandInnen im Rahmen eines interdisziplinären Projektes Seite an Seite sitzen und arbeiten. Die Ingenieurin bekommt 100% E13, der Psychologe nur 66%. Beide gehen übrigens gemeinsam spazieren um nachzudenken.

#6 -

HGH | Mo., 13.04.2020 - 15:30
Die Geschichte der Fraunhofer Gesellschaft und ihr mühsamer Weg ins Wissenschaftssystem führte über die DFG, die den Modus der angewandten Grundlagenforschung bzw. der Vorlaufforschung für Projekte mit der Wirtschaft am Ende aus nachvollziehbaren Gründen nicht in ihr Portfolio aufgenommen hat. In einer durchaus vergleichbaren Situation scheint sich gegenwärtig der eigenständige Forschungsmodus der HAWs zu befinden, den das Wissenschaftsystem benötigt. Die Sicherheit, dass die neue Organisation nicht zu Lasten der DFG geht, hat damals entscheidend geholfen. Warum sollte das heute anders sein?

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