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Bildungsoffensive statt Homeschooling!

Ein Plädoyer gegen die Sprachver(w)irrung in der Corona-Krise. Von Susanne Lin-Klitzing und Harm Kuper.

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Bildungsoffensive statt Homeschooling!
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Bildungsoffensive statt Homeschooling!

Susanne Lin-Klitzing und Harm Kuper. Fotos: privat.

GEHT ES IHNEN AUCH SO? Wir staunen über die inflationäre und falsche Verwendung des Begriffs "Homeschooling" in der Corona-Krise: Die Bezeichnung für das, was in der Zeit der Schulschließungen in Deutschland angeblich stattfand und stattfindet, was aber gar kein "Homeschooling" ist. Die korrekte inhaltliche Verwendung finden wir, wenn wir beispielsweise in die USA schauen. Dort gibt es keine Schul-, sondern lediglich eine Unterrichtspflicht. Der Unterricht kann – gesetzlich problemlos – jederzeit von den Eltern wahrgenommen werden. Das ist erklärtes Ziel der "Homeschooler". Dementgegen ist in Deutschland zwar gemäß Grundgesetz-Artikel 6 die Pflege und Erziehung der Kinder die den Eltern zuvörderst obliegende Pflicht, aber die Schule steht nach Artikel 7 unter der Aufsicht des Staates. In Deutschland gilt nicht nur eine Unterrichts-, sondern auch eine Schulpflicht.

Trifft die Bezeichnung "Homeschooling" denn überhaupt die Verlagerung des Lehr-Lern-Geschehens in den häuslich-familiären Bereich während der Corona-Zeit? Vorderhand mag man an die Bildung einer sprachlichen Analogie zum "Homeoffice" denken - das im angelsächsischen Sprachraum allerdings auch weitestgehend unbekannt ist oder die Bezeichnung des Innenministeriums meint. Beschreibt "Homeschooling" zutreffend den ...

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Kommentare

#1 -

Elternteil | Di., 16.06.2020 - 13:50
Nein, mir geht es überhaupt nicht so. Die Bezeichnung Homeschooling ist kein Begriff, den ich irgendwie mit Verschwörungstheorien oder weltanschaulichen Gefahren in Verbindung bringe, er bezeichnet einfach nur das, was viele Eltern in den letzten Wochen de facto gemacht haben: die Kinder zu Hause unterrichtet, meist in der Funktion der unbezahlten Hilfslehrkraft. (Wir hatten in Spitzenzeiten ca. 20 Arbeitsblätter pro Woche pro Kind zu erledigen, ohne dass die Lehrer*innen jemals angefragt hätten, wie es denn so läuft). Wollen Sie da stattdessen von "heimischer Bildungsoffensive" sprechen? (Sie bieten keinen alternativen Begriff an.)



Die Probleme des gewöhnlichen Schulalltags werden mir hier außerdem ...

#2 -

Gymnasiallehre… | Mi., 17.06.2020 - 00:03
Eltern mögen die Zeit ohne Präsenzunterricht als „Homeschooling“ empfunden haben. Das ist auch verständlich und lag oft nicht an Lehrer*innen, die nicht mit DER Digitalisierung klarkamen oder „nicht wollten“. Hard- und Software ließen zu wünschen übrig, die Belastbarkeit von Verbindungen/dem Netz u.v.m. ebenso.

Bei Schüler*innen waren fehlende Endgeräte, Koordination (Geschwister, Homeoffice der Eltern... ), Sorgen, die die Zeit mit sich brachte... an der Tagesordnung und erschwerten das Lernen zu Hause.

Da Lehrer*innen auch Menschen sind, hatten auch sie mit den letztgenannten Herausforderungen zu kämpfen.

Es bringt nichts, sich Vorwürfe zu machen. Die Wenigsten haben sich zurückgelehnt.

Mit den Möglichkeiten wie ...

#3 -

Frederik O. | Mi., 17.06.2020 - 11:36
@Elternteil



Ich denke, dem Beitrag geht es nicht um eine Herabwürdigung der elterlichen Leistung rund um die Schulschließung in der Corona-Krise, sondern zunächst einmal um eine Korrektur der inflationären, falschen Verwendung des Begriffs 'Homeschooling'. Homeschooling meint eben nicht nur 'Unterricht zuhause', sondern ist (insbesondere in den USA) ein Kampfbegriff für eine (häufig) pseudo-libertäre Abkehr vom gesellschaftlichen Konsens. Es geht dabei eben nicht darum, sein Kind bestmögliche Bildung zu ermöglichen, sondern das eigene verquere Weltbild zu vermitteln. Über Schulen als staatlich-gesellschaftliche Institutionen vermittelte Kritik stört da nur. Völlig zurecht wird daher der Begriff des Homeschoolings und seiner Verwendung in den deutschen ...

#4 -

M. Bergmann | Do., 18.06.2020 - 12:55
Ja, es ist richtig, dass der in den vergangenen Wochen betriebene Fernunterricht in den wenigsten Fällen die Bezeichnung "Homeschooling" verdient. Nicht nur die äußeren Umstände, auch das außerschulische Lernen eines Heimschülers unterscheiden sich fundamental vom pandemiebedingten Distanzlernen der letzten Wochen.



Die Entscheidung zur Bildung zuhause wird beim Homeschooling freiwillig getroffen. Im Gegensatz zu einer plötzlichen aufgezwungenen Situation aufgrund einer das alltägliche Leben völlig verändernden Katastrophe, treffen Homeschoolingeltern die bewusste Entscheidung, die Verantwortung für die Bildung ihrer Kinder selbst zu übernehmen.

Auch erschöpft sich das Lernen im "echten Homeschooling" nicht in der derzeitig im Corona-Fernunterricht betriebenen Abarbeitung von außen vorgegebener Unterrichtsmaterialien, ...

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