Direkt zum Inhalt

Keine einzige Lehrkraft hat sich angesteckt

Bremens Bildungssenatorin Claudia Bogedan zieht Bilanz nach vier Wochen Vollbetrieb an Kitas und Grundschulen und sagt, warum die Schulen auf die nächste Welle besser vorbereitet sind. Ein Gespräch über Abiturnoten, den Bildungsföderalismus, Digitalisierung und ein schwer zu schluckendes Bundesprogramm.

Bild
Artikelbild: Keine einzige Lehrkraft hat sich angesteckt

Claudia Bogedan , 45, ist SPD-Politikerin und Bremer Senatorin für Kinder und Bildung. 2016 war sie Präsidentin der Kultusministerkonferenz. Foto: Die Senatorin für Kinder und Bildung.

Frau Bogedan, warum haben Sie in Bremen die Abiturnoten zum zweiten Mal in Folge hochgesetzt?

Moment, wir haben nicht die Abiturnoten insgesamt hochgesetzt. Wir haben die Benotung der Klausuren angehoben, und zwar nur in Mathematik, um zwei Punkte. Im Gegensatz zu den Abituraufgaben in den anderen Fächern hatten sich hier Auffälligkeiten gezeigt.

Direkt nach Ihrer Entscheidung, die Klausurnoten anzuheben, haben Sie das Berliner Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) für die Auffälligkeiten, wie Sie sie nennen, verantwortlich gemacht. Worum genau ging es?

Die Klausurnoten wichen massiv nach unten ab im Vergleich zu den Vorjahren. Aber nur in Mathe. Gleichzeitig waren wir dieses Jahr meines Wissens das einzige Bundesland, das alle Aufgaben unverändert aus dem bundesweiten Abi-Aufgabenpool genommen hatte, den das IQB bestückt. Diese Aufgaben haben sich jetzt zum zweiten Mal in Folge als in ihrer Formulierung nicht geeignet erwiesen – mit dem Ergebnis, dass die Schülerinnen und Schüler ihretwegen schlechter abgeschnitten haben.

Die Einrichtung des Abi-Aufgabenpool wurde einst von den Kultusministern, also Ihnen und Ihren KollegInnen, beschlossen. Und das IQB wurde von der Kultusministerkonferenz beauftragt, die Aufgabenerstellung zu koordinieren. Zu koordinieren wohlgemerkt. Die Fachexperten, die sich die Aufgaben ausdenken, werden wiederum von allen 16 Kultusministerien ans IQB entsandt. Diese Experten entscheiden, nicht das IQB.

Ich stelle fest, dass der Prozess der Aufgabenstellung so nicht klappt. Und das, obwohl andere Kultusminister und ich bereits vergangenes Jahr auf notwendige Veränderungen hingewiesen und Änderungen angemahnt hatten. Doch offenbar ist nichts passiert.

"Wir können als Minister noch so viele gemeinsame Standards verabreden, wenn ihre konkrete Umsetzung nicht klappt."

Vergangenes Jahr hatte neben Ihnen auch Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) die Benotung der Mathe-Abiklausuren um einen Punkt hochgesetzt und den Aufgabenpool als Schuldigen ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Yue Han | Do., 16.07.2020 - 12:39
Als erstes Danke für das interessante Interview und die Ausführungen, denen ich in vielen Teile zustimme. Zwei Anregungen/Meinungen:



1) "Kitas und Schulen sind nicht die Orte, die das Infektionsgeschehen vorantreiben. Das sind andere Zusammenkünfte, vor allem von Erwachsenen."

Sollte es nicht richtiger Weise heißen: "Kitas und Schulen im derzeit eingeschränkten Betrieb und unter Beachtung der aktuellen Abstands- und Hygienevorschriften sowie aufgrund der Grundschulerfahrungen sind nicht die Orte, die das Infektionsgeschehen vorantreiben. (...)."?



Das ist sehr gut so, für die Schüler*innen an erster Stelle. Ob dieses auch so ist, wenn Abstandsregeln nach den Sommerferien in Gänze fallen und dann sicher de ...

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Do., 16.07.2020 - 12:51
@Yue Han: Nein, ich habe zu den Schulen in Israel auch keine weiteren Informationen. Ich bin gespannt auf eine wissenschaftliche Untersuchung zum Zustandekommen der zweiten Welle und welche Rolle Schulen darin tatsächlich gespielt haben.



In Bremen und sieben anderen Bundesländern sind die Abstandsregeln in den Grundschulen in den vergangenen Wochen bereits gefallen. Der Unterschied ist, dass nach den Sommerferien auch die weiterführenden Schulen dazukommen, und das ist in der Tat ein sehr weitreichender Schritt, bei dem ich – im Gegensatz zu Kitas und Grundschulen – skeptisch bin. Umgekehrt finde ich eben schon, dass wir uns, solange das Infektionsgeschehen insgesamt niedrig ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Bremen: 166. Bayern: 731.

Bremen: 166. Bayern: 731.

Der Bund finanziert Laptops und Tablets für arme Schüler. Das ist gut. Wie sie auf die Länder verteilt werden sollen, zeigt aber, dass der Bildungsföderalismus ein ernstes Problem hat. THEORETISCH IST der Bildungsföderalismus ja eine feine Sache.


  • Artikelbild: Die Prioritäten klarziehen

Die Prioritäten klarziehen

Die Rückkehr zum Regelbetrieb in Kitas und Schulen vielerorts hatte bislang keine Auswirkung auf die bundesweite Infektionslage. Auch unabhängig davon gehört das Recht von Kindern auf Bildung und Teilhabe zu den wichtigsten gesellschaftlichen Zielen. Umso mehr irritieren die schrägen Töne einiger Lehrerverbände.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Guter Wille, wenig Ambitionen

Bund und Länder haben ihr Laptop-Sofortprogramm besiegelt. Es soll armen Schülern helfen. Doch die ausgehandelte Vereinbarung ist vor allem eine Finanzspritze für die Länder. Nötig wäre eine Dauerlösung mit klaren Regeln.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Macht es wie die Bayern!

Kultusminister Piazolo legt ein Vier-Stufen-Modell für den Schulbetrieb unter Corona-Bedingungen vor – inklusive Schwellenwerten. Kanalisiert das endlich die irrlichternde Debatte?


  • Artikelbild: Damit die Schulen offen bleiben

Damit die Schulen offen bleiben

Einige der wichtigsten medizinischen Fachgesellschaften sagen in einem neuen Positionspapier, wie Betreuung und Unterricht unter Corona-Bedingungen ablaufen sollten. Dabei differenzieren sie nach Altersgruppen und Infektionsgeschehen. Genau das macht die Stellungnahme so wegweisend.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Stark im Grundsatz, schwach im Detail

Die Nationalakademie Leopoldina hat Empfehlungen für ein "krisenresistentes Bildungssystem" in der Corona-Pandemie vorgelegt. Als kurzfristige Handlungsanleitung taugt das Papier wenig. Dafür liefert es spannende Anhaltspunkte für die Zukunft von Schule und Unterricht insgesamt.