Vorsichtige Öffnung: Im DFG-Senat gibt es künftig einen Vertreter für "Wissenschaft und Gesellschaft"

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) baut ihren Senat um und verabschiedet sich damit symbolisch von der alten Bundesrepublik. Bisher gab es in dem Aufsichtsgremium zwei so genannte „Industrie-Plätze“. Klingt nach Montan-Union und Stahlproduktion. Nicht mehr wirklich fesch in einer Zeit, in der alle von Digitalisierung und Economy 4.0 sprechen. Und noch weniger passen „Industrie-Plätze“ in eine öffentliche Debatte, die nach neuen Wegen zu mehr Bürgerbeteiligung an der Forschung fragt.

Die Lösung der DFG: Die beiden Plätze heißen künftig anders. Der eine „Wissenschaft und Wirtschaft“, der andere „Wissenschaft und Gesellschaft“. „Wissenschaft und Gesellschaft“ soll im Sommer erstmals besetzt werden.

Eine kleine Sensation für eine große Forschungsförderorganisation? Nicht wirklich, winkt DFG-Präsident Peter Strohschneider ab. Es gehe darum, die neue Breite der modernen Wirtschaft abzudecken, er denke da an die aufstrebende IT-Branche oder die Finanzmärkte. Ganz sicher sei das nicht der Einstieg darin, den Senat zu einer Art Rundfunkrat umzubauen.

 

Wofür sicherlich auch zwei Plätze in dem insgesamt 39 Mitglieder umfassenden Senat etwas wenig wären. Wie es sich für die DFG zu Recht gehört, bleiben alle Strategieentscheidungen wissenschaftsgeleitet, und das, so ist zu hören, gelte natürlich auch für die Auswahl der Persönlichkeiten, die für die beiden neuen Plätze in Frage kämen: „Wissenschaftsnah“ sollen sie sein – natürlich nach dem Verständnis von Wissenschaft, das die DFG-Führung hat.

 

Dennoch bleiben Fragen: Wer bekommt das Vorschlagsrecht für den Platz „Wissenschaft und Gesellschaft“? Wie stark gegen den Strich darf oder soll gedacht werden? Und auch wenn Strohschneider abwinkt: Haben wir es hier nicht doch mit einem ersten – obgleich vorsichtigen – Zugehen auf den Zeitgeist von Citizen Science und Partizipation zu tun? Wozu sonst schließlich wäre das ganze Manöver gut?

In ein paar Monaten sind wir schlauer. Und bis dahin die DFG vielleicht noch mutiger, die Neuerung als das zu verkaufen, was sie ist: Ein überfälliges, ein gutes Signal.  

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Kommentare: 1
  • #1

    Manfred Ronzheimer (Dienstag, 26 Januar 2016 21:14)

    Ich interpretiere den Schritt als lediglich semantische Kosmetik. Gestern fragte ich den Vorsitzenden des Wissenschaftsrates, Prenzel, bei seiner Winter-PK, wie es mit den "Großen gesellschaftlichen Herausforderungen" weitergeht (Die legendären, heiß umstrittenen Empfehlungen des WR vom April 2015). Antwort Schulterzucken. Gerade Strohschneider ist der allerhöchste Lordsiegel-Bewahrer in der Abwehr gesellschaftlicher Einflüsse und Wünsche. Wenn sich bei der DFG wirklich etwas ändern sollte, dann passiert das über die Forschung: Wissenschaftler vor allem der sozialwissenschaftlichen Fächer müssen vermehrt Anträge für Projekte stellen, die gesellschaftsdienliche Ergebnisse produzieren. Ich muss mir mal genauer anschauen, ob es da einen Trend gibt. Melde mich dann wieder.