Was die neue Absolventenstudie wirklich über den Erfolg von Bologna aussagt – und was nicht

Heute hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW), formerly known as HIS, die Ergebnisse seiner neuen Absolventenbefragung veröffentlicht. Und da die Studie wie alle ihre Vorgänger seit 1989 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (bzw. seinen Vorgängern) finanziert wurde, hat Forschungsministerin Johanna Wanka sich das Recht auf den ersten Kommentar genommen. Dass die meisten Absolventen ihr Studium im Rückblick so positiv bewerteten, vor allem die Organisation der Studiengänge, sei "ein großes Lob für die Hochschulen und ihre geglückte Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse", sagte Wanka. Auch der Einstieg ins Berufsleben gelinge den Bachelor- und Masterabsolventen "immer besser". 

 

In der Tat sind die Zahlen gut. Besonders positiv zu bewerten ist, dass die Sucharbeitslosigkeit nach dem Abschluss gering ist. So steigen neun von zehn Musterabsolventen innerhalb von 18 Monaten in einen festen Job ein. Regelrecht bemerkenswert ist, dass Fachhochschul-Absolventen deutlich schneller eine unbefristete Beschäftigung finden als ihre Kommilitonen von den Universitäten. Konkret: Mit einem FH-Bachelor in der Tasche erhalten 54 Prozent der Berufseinsteiger einen Dauer-Vertrag – gegenüber 32 Prozent  Uni-Bachelor und sogar nur 23 Prozent der Uni-Master. 

Ist das jetzt, wie Ministerin Wanka ausführt, alles ein Zeichen dafür, wie gut Bologna funktioniert? Als einer, der die Reform über viele Jahre begleitet und meist verteidigt hat, würde ich sagen: Vorsicht.

Mich hat die Debatte über die Berufschancen der Master- und vor allem der Bachelorabsolventen von Anfang an gewundert. Warum haben die Reformer sich überhaupt von den Bologna-Skeptikern dazu drängen lassen, über dieses Stöckchen zu springen? Das hätte auch gehörig ins Auge gehen können – denn natürlich hat der Erfolg von Hochschulabsolventen mit vielen zu tun, aber am allerwenigsten mit dem Namen ihrer Abschlüsse. Oder anders formuliert: Wenn der Arbeitsmarkt brummt, wenn die Arbeitslosigkeit niedrig ist, dann finden auch Hochschulabsolventen leichter einen Job. So einfach ist das. Wir hatten in den vergangenen Jahren eine historisch günstige wirtschaftliche Situation in Deutschland, gerade auch im Vergleich zu den weltweiten Krisen. Was also hätte Johanna Wanka gesagt, wenn es anders gelaufen wäre? Wenn die Konjunktur schlecht gewesen und viele Absolventen in die Dauer-Arbeitslosigkeit gegangen wären? Hätte das bedeutet, dass die neuen Abschlüsse nicht funktionieren? Sicherlich nicht. Ebenso wenig, wie man jetzt den Umkehrschluss machen kann nur aufgrund der guten Arbeitsmarktdaten. 

Persönlich wichtiger finde ich das Ergebnis, dass Bachelorabsolventen mitunter der bessere Jobeinstieg gelingt als Masterabsolventen – zumindest wenn man der in Deutschland weit verbreiteten Deutung folgt, dass sichere Jobs gute Jobs sind. Es dürfte den Skeptikern künftig schwerer fallen zu behaupten, der Bachelor tauge nichts, sei ja überhaupt kein vollwertiger Abschluss. Fachhochschulen wiederum sollten sich nicht zu sehr damit rühmen, dass ihre Abgänger mehr unbefristete Jobs und höhere Einstiegsgehälter erhalten (Uni-Bachelor: 30.200 Euro, FH-Bachelor: 35.100 Euro) – hier schlagen die unterschiedlichen Fächerkulturen durch. 

Und schließlich noch ein Wort zur Studienorganisation: Da hat Johanna Wanka vollkommen Recht. Entgegen aller Unkenrufe über die vermeintlich mangelnde Studierbarkeit vieler Programme lautet die Rückmeldung der Studenten: Wir waren zufrieden. Hier ein Zitat aus der Studie, das sich Bologna-Dauerkritiker wie der Mecklenburg-Vorpommerns Kultusminister Mathias Brodkorb oder der Bielefelder Organisationssoziologe Stefan Kühl mal gründlich durchlesen sollten. In Bezug auf die Studierbarkeit der Studiengänge sowie die Abstimmung des Studienangebots gelte: "Die Angaben bewegen sich auf dem Niveau der Prüfungsjahrgänge 2005 und 2009, die ihrerseits deutlich positiver urteilten als die Absolvent(inn)en der Jahrgänge davor." Also deutlich positiver als die Vor-Bologna-Jahrgänge.

Allen Politikern und Professoren, die gerade denken, in Sachen Bologna mal wieder in Aktionismus verfallen zu müssen, würde ich raten: Macht mal langsam. 

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