Schluss mit Wissenschaft: Brodkorb legt Ministeramt nieder und wird Fraktionsvorsitzender

Vergangene Woche habe ich über den Einer-gegen-alle-Bildungsminister Mathias Brodkorb geschrieben. Schon vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern vom Sonntag war klar, dass Brodkorb Ambitionen auf mehr hat. Und dass er in seiner Partei auch für vermeintlich Höheres gehandelt wird. Denn seien wir mal ehrlich: Will man als Politiker Karriere machen, sind die Ressorts Bildung und Forschung eher ungeeignet (wobei es schon in der Vergangenheit interessante Ausnahmen gab, die ehemalige NRW-Wissenschaftsministerin und heutige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft zum Beispiel). Brodkorb wolle Finanzminister werden, so war vor der Wahl zu hören. Seit gestern wissen wir: Er wird SPD-Fraktionsvorsitzender und damit der wichtigste Mann von Ministerpräsident Erwin Sellering im Landtag von Schwerin. Gestern, nur zwei Tage nach der Wahl, informierte er schriftlich die Mitarbeiter seines Ministeriums. 

 

Wie aber passt sein Abschied zusammen mit dem ungewöhnlich großen Eifer in der Bildungs- und Wissenschaftspolitik, den Brodkorb bislang an den Tag gelegt hat? Der es nach außen so aussehen ließ, als gebe es für ihn nur den Kampf gegen Bologna, die Akkreditierung und vermeintlich falsche Anreize in der Wissenschaftspolitik? Ganz einfach: Als Kultusminister im Nordosten der Republik muss man sich vor allem auch um den Lehrermangel kümmern, um die ungeliebte Reform der Theaterlandschaft und andere weniger erfreuliche Angelegenheiten. Womit wir wieder beim obigen Thema (mangelnde Karriereoptionen als Politiker) wären. 

 

Nun also der Abschied von der Bildungs- und Wissenschaftspolitik. Im Kreis der Kultusminister werden sie nicht nur unglücklich sein über den Verlust, hatte Brodkorb seine Kollegen doch zuletzt mit 1:15-Beschlüssen geelendet. Bis dahin, dass einige schon mal juristischen Rat einholten, ob die Länder einen Staatsvertrag zur Akkreditierung eigentlich auch ohne die Beteiligung Mecklenburg-Vorpommerns abschließen könnten. 

 

Die Karten in der Kultusministerkonferenz (KMK) werden also neu gemischt, da "Mr. Njet" (Überschrift meines Artikels über Brodkorb in der ZEIT) das Gremium verlässt. Ob Beschlüsse wieder einfacher werden? Nicht zwangsläufig. Wie ein Staatssekretär schon formulierte: "Einer ist immer der Brodkorb." Vielleicht ist das ja auch ganz gut so. 

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