Die Fachhochschulen haben ein Qualitätsproblem

Die Zahl der Studienabbrecher an den Fachhochschulen steigt deutlich, haben Forscher ermittelt. Wann wird ihre Studie offiziell veröffentlicht?

Foto: Charlie Foster
Foto: Charlie Foster

In der ZEIT von heute berichte ich über eine Studie, die angeblich noch gar nicht fertig ist. Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) ermittelt alle zwei Jahre die aktuellen Abbrecherquoten, Anfang 2014 haben die Forscher im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und der Stiftung Mercator zusätzlich ein umfangreiches Projekt namens „Studienabbruch – Umfang und Motiv“ gestartet. Schon vor Monaten sickerten erste Zahlen durch, das Geraune begann. Irgendwann im Herbst hielt ich dann eine Version der Studie in der Hand.

 

Der wichtigste Befund: Die Fachhochschulen haben ein Qualitätsproblem. Die Bachelor-Abbrecherquote, die bei der Erhebung vor vier Jahren bei 19 Prozent lag, ist seither um fast die Hälfte gestiegen, auf aktuell 27 Prozent. Gleichzeitig haben die Universitäten, die vor vier Jahren auf 35 Prozent kamen, den Anteil leicht, aber stetig über 33 auf jetzt 32 Prozent senken können. Diesmal hat sich das DZHW den Studienanfänger-Jahrgang 2010/11 und seinen Verbleib angeschaut.

Das BMBF tut sich offenbar schwer mit den Ergebnissen. Einen Termin, wann denn die Studie offiziell veröffentlicht werden soll, kann das Ministerium nicht nennen. Dabei haben die Zahlen eine besondere Relevanz, eine Woche nachdem das Statistische Bundesamt einen neuen Studentenrekord bekanntgegeben hat: 2,8 Millionen.

 

DZHW-Projektleiter Ulrich Heublein teilt auf Anfrage mit, die Arbeit an der Studie sei „noch nicht ganz abgeschlossen. Aus diesen Gründen kann eine abschließende Bewertung der Befunde noch nicht stattfinden.“ Und aus dem BMBF kommt die fast gleichlautende Antwort: Die Studie sei noch nicht fertiggestellt, „weshalb wir auch noch keine Ergebnisse kommentieren.“

Das Problem der Fachhochschulen offenbart sich auch im Master.  Von allen FH-Studenten, die im Jahr 2012 ein Masterstudium begonnen haben, erreichten 19 Prozent ihr Ziel nicht – verglichen mit lediglich 7 Prozent zwei Jahrgänge zuvor. Damit sind die Fachhochschulen sogar über die Universitäten hinausgeschossen, wo die Quote zwar auch anstieg, aber weniger stark von 11 auf 15 Prozent.

Was ist da los an den Fachhochschulen? Die Suche nach Gründen gestaltet sich schwierig, da das DZHW sich nicht äußert und das BMBF darauf besteht, die Studie sei nicht abgeschlossen. In der mir gleichwohl vorliegenden Version der Studie kann man dagegen stichhaltige Überlegungen nachlesen, die sich auf Befragungen von Exmatrikulierten stützen. Offenbar, so die Forscher, schlage die erhöhte Studierneigung durch. Sprich: Die zusätzlichen Erstsemester sind überproportional von den Fachhochschulen aufgenommen worden. Mittlerweile starten 40 Prozent der Erstsemester an einer FH – gegenüber weniger als 30 Prozent vor 15 Jahren. Doch auch die Fachhochschulen tun sich schwer mit einer Klientel, die häufiger als früher aus Nicht-Akademikerhaushalten stammt. Die Folge: erhöhte Abbrecherquoten.

 

Als einziges Bundesland hat Baden-Württemberg die DZHW-Forscher beauftragt, eine Extra-Auswertung in Sachen Abbruchgründen nur für das Bundesland im Südwesten vorzunehmen. Die Abschlusswahrscheinlichkeit macht demzufolge einen Sprung, wenn mindestens ein Elternteil ebenfalls studiert hat. In der Hauptstudie konstatieren die Forscher zudem, dass die Abbrecherquote nochmals drastisch sinkt, wenn beide Eltern einen Studienabschluss haben. Eine spannende Differenzierung, weil sie den Begriff der "Akademikerhaushalte" neu definiert – was künftige Förderprogramme beachten sollten.  Denn erfolgreiche Studenten sind schon bei Studienbeginn besser informiert über die Studienanforderungen und eher in der Lage, von Anfang an eigenaktiv zu studieren – was natürlich wiederum  auch mit der Vorbereitung im Elternhaus zusammenhängt.

Die meisten Studenten brechen in den ersten beiden Fachsemestern ab, was eine gute Nachricht ist, und laut Baden-Württemberg-Studie bleiben die Studienanfänger eher dabei, wenn sie ihr in ihren Wunsch-Studiengang studieren können anstatt mangels ausreichender Abinote ein Verlegenheitsfach. Überhaupt die Noten: Dass Studienabbrecher im Schnitt schon aus der Schule die schlechteren Noten mitbringen, überrascht wenig. Dass besonders die Abschlussnote in Mathematik als „Prädikator des Studienerfolgs“, wie die Forscher das formulieren, geeignet ist, dann in der Eindeutigkeit schon.

Die zunehmende Vielfalt der Studenten spiegelt sich auch in der Form ihres Zugangs zu den Hochschulen. Dabei zeigt sich, dass Studienanfänger mit klassischem Abitur an Gymnasien oder Gesamtschulen weitaus häufiger zu Ende studieren als ihre Kommilitonen, die über den Besuch von Abendgymnasien, Kollegs, Fachgymnasien oder Berufsoberschulen den Weg an die Hochschulen finden.  

 

Kurzum: Die Fachhochschulen müssen umdenken – und tun es bereits. Im Rahmen des von Bund und Ländern finanzierten Qualitätspakts Lehre haben allein bis 2016 78 Fachhochschulen erfolgreich Projektmittel beantragt, wobei Maßnahmen gegen den Studienabbruch im Fokus standen. Da die Gelder jedoch erst seit 2011 fließen und das DZHW sich jetzt den Anfängerjahr 2010/11 angeschaut hat, können die guten Ideen noch nicht durchschlagen. Was der von der Politik gehypte Qualitätspakt tatsächlich bringt, wird sich also frühestens in zwei Jahren erweisen.

 

Dass die Hochschulen in der Zwischenzeit gut daran tun, die neue Vielfalt der Studienanfänger nicht als Ausrede zu missbrauchen, zeigen ausgerechnet die Fortschritte in einer Fächergruppe, die noch vor wenigen Jahren am meisten gescholten wurde: die Ingenieurwissenschaften. Vor vier Jahren ermittelte das DZHW für den Uni-Bachelor eine Abbrecherquote von indiskutablen 48 Prozent, in einigen Fächern wie Maschinenbau lag der Wert sogar jenseits der 50 Prozent. Ob politischer Druck oder tiefere Einsicht: Die Ingenieure haben umgedacht, gerade die Studieneingangsphase neu gestaltet und die Abbruchrate auf 32 Prozent gedrückt. Zumindest die Ingenieure an den Unis. An den Fachhochschulen das umgekehrte Bild: Vor vier Jahren gaben 30 Prozent der Studenten auf, jetzt sind es 33.

 

Dramatisch schlecht ist die Situation mittlerweile in der FH-Informatik: Hier schnellte die Abbrecherquote von 27 über 34 auf jetzt 41 Prozent hoch. Die Uni-Informatiker haben den Anteil zumindest bei 45 Prozent nahezu stabil halten können. Für beide Hochschularten: beschämende Werte. Welcher politische Druck sich in den kommenden Jahren auf die Informatiker entladen wird, ist absehbar angesichts der allgegenwärtigen Digitalisierungsrhetorik. Was für die künftigen Studenten nur gut sein kann.

 

Glaubt man den Berichten vieler Hochschulen, hat die stark gestiegene, aber immer noch verhältnismäßig niedrige Abbrecherquote bei den Masterstudenten übrigens einen eher undramatischen Grund und zeigt eine neue Gewohnheit vieler Bachelorabsolventen: erstmal einen Master-Studienplatz besorgen, dann einen Job suchen. Und wenn man was findet, abbrechen.

Fest steht: Die Ergebnisse der DZHW-Abbrecherstudie werden Debatten auslösen. Wobei es hilfreich wäre, wenn sie offiziell veröffentlicht würde und die Forscher ihre Ergebnisse frei kommentieren könnten. 

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Kommentare: 3
  • #1

    René Krempkow (Freitag, 02 Dezember 2016 11:58)

    da sprechen Sie ein für das Hochschulsystem sehr wichtiges Thema an; lag doch in der Lehre der FH bislang nach allgemeiner Wahrnehmung eine ihrer Stärken!
    Dies wäre, wenn sich die Zahlen bestätigen, aber m.E. nicht allein ein Qualitätsproblem der FH. Vielmehr dürfte das Problem auch in den (teilweise impliziten) Fehl-Anreizmechanismen des Hochschulsystems liegen: Die Hochschulen werden in den Leistungs- bzw. belastungsbezogenen Finanzierungsanteilen oft noch nach den Studierendenzahlen (in den ersten Semestern) finanziert. Nur in wenigen Bundesländern geschieht dies auch nach Absolventenzahlen bzw. -quoten (m.E. nur Berlin und NRW); dies ist lobens- und unterstützenswert, genügt aber nicht.
    Denn die Crux liegt auch darin, dass eine stärkere Finanzierung nach Absolventenzahlen bzw. -quoten allein noch nicht ausreichen dürfte, um die Hochschulen für eine deutlich stärkere Berücksichtigung der Studierendenzusammensetzung zu motivieren (soweit sie es nicht schon tun). Denn es zeigt sich bereits länger, dass – wie Sie ja auch beschrieben – Merkmale einer Studierendenkohorte und Absolventenquoten zusammenhängen. Und dies gilt auch unter Berücksichtigung der Lehrqualität, wie empirische Analysen anhand der Hochschulen eines größeren Bundeslandes zeigen (siehe Link 1). Demnach hängt die Höhe der Absolventenquote in Studiengängen empirisch am stärksten mit der Anzahl der Studienanfänger und der Studenten (Kohortenstärke oder auch -anonymität), mit der Bewertung des Lehrangebotes bzw. der Kompetenzförderung zusammen (Lehrqualitätsaspekte und mit der Hochschulart (Uni vs. FH) ); sowie – signifikant aber nur innerhalb der Universitäten (siehe Link 2) – mit dem Anteil der Frauen und der Nichtakademikerkinder. Keine signifikanten Zusammenhänge gibt es dagegen mit Abiturnoten als Indikator für „Studierfähigkeit“. Dies gilt jedenfalls auf der Analyse-Ebene der Studiengänge unter empirischer Kontrolle auch der Lehrqualität und Studienbedingungen. Mit anderen Worten heißt das: Wenn Lehrqualität und Studienbedingungen stimmen, ist die durchschnittliche Abiturnote in den Studiengängen für deren Absolventenquote nicht mehr so wichtig. Die Hochschulen schaffen in diesem Fall einen „Mehrwert“, wenn sie trotz (für hohe Absolventenquoten) „ungünstiger“ Studierendenzusammensetzung überdurchschnittliche Absolventenquoten erzielen. Diese Argumentation gilt grundsätzlich auch für den Anteil der Nichtakademikerkinder. Aber empirisch bleibt hierzu an den Universitäten bislang auch unter Berücksichtigung der Lehrqualität immer noch ein Herkunftseffekt.
    Die Studierendenzusammensetzung weist auch bundesweit deutliche Differenzen zwischen FH und Universitäten auf. So differiert der Anteil der Nichtakademikerkinder zwischen FH und Universitäten nach der letzten Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes um 17 Prozentpunkte. Dies trifft ähnlich allerdings auch innerhalb derselben Hochschulart zu, z.B. bei Universitäten zwischen „Elite“- und „Normal“-Universitäten, ausführlicher siehe Link 2. Dies gilt insbesondere für die Bildungsherkunft (Differenz 13 Prozentpunkte bei Nichtakademikerkindern) und die Erwerbstätigkeit als Grund für eine Verlängerung der Studienzeit (8 Prozentpunkte), in nicht ganz so hohem Maße auch für andere Aspekte. Bundesweite empirische Analysen zu Zusammenhängen mit der Absolventenquote sind aber leider bislang nicht verfügbar, daher bin ich auch auf die Ihnen vorliegende unveröffentlichte Studie gespannt.
    Da aber auch so bundesweit davon auszugehen ist, dass sich die Unterschiede in der Zusammensetzung der Studierendenschaft in unterschiedlichen Absolventenquoten niederschlagen, ist Folgendes zu erwarten: Ihre Berücksichtigung (und damit ein Eingehen auf Heterogenität und eine höhere Attraktivität z.B. für Nichtakademikerkinder) seitens der Hochschulen dürfte und kann längerfristig nur dann in ihrem Interesse sein, wenn dies nicht zusätzlich noch mit finanziellen Nachteilen durch zu erwartende schlechtere Absolventenquoten einhergeht. Dem kann zwar durch eine stärkere Investition in eine heterogenitätsorientierrte Lehre entgegengewirkt werden. Aber hier ist auch das bekannte Reputationsgefälle zwischen Forschung und Lehre hinderlich, was stärkere Argumente als bisher für dauerhafte Investitionen in Lehre erfordert. Andernfalls ist es naheliegend, dass – wie oft bereits angemerkt wurde – viele Hochschulen versuchen, sich (weiter) in Richtung forschungsorientierte Universitäten zu entwickeln.
    Ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma wäre, die u.a. mit dem Qualitätspakt Lehre unternommenen Anstrengungen mit einer Weiterentwicklung auch der Anreize im Hochschulsystem zu flankieren – nicht nur finanziell, aber auch (s. Link 3).
    Link 1: www.hof.uni-halle.de/journal/texte/08_1/Krempkow_Studienerfolg.pdf
    Link 2: www.researchgate.net/publication/273101419
    Link 3: http://scilogs.spektrum.de/wissenschaftssystem/added-value/

  • #2

    Jan-Martin Wiarda (Freitag, 16 Dezember 2016 08:37)

    Dieser Kommentar erreichte mich von Dieter Höpfel von der Hochschule Karlsruhe. Mit seinem Einverständnis stelle ich ihn hier ebenfalls ein:

    Lieber Herr Wiarda,

    ich möchte ich Ihnen gerne ein paar Anmerkungen aus der Hochschulpraxis senden.

    Diese Anmerkungen beziehen sich in erster Linie auf Baden- Württemberg, in anderen Bundesländern mag dies u. U. etwas anders sein, im Prinzip aber wohl doch zumindest ähnlich.

    1. In Baden- Württemberg wurde in den letzten Jahren die verbindliche Schulempfehlung gestrichen. Die Folge davon ist, dass inzwischen in den Städten über 60 % der Schülerinnen und Schüler auf das Gymnasium gehen (in manchen Stadtteilen bis zu 80 %). Da sich das Gymnasium damit zur Volksschule „weiter entwickelt“ sollte es niemand wundern, wenn das Niveau sinkt. Es schwören zwar alle, dass dies nicht der Fall sein sollte, aber die Realität ist anders, denn auch den Gymnasien wird es umgehend vorgeworfen, wenn ein hoher Prozentsatz das Gymnasium wegen schlechter Leistungen wieder verlassen muss. Insbesondere die Eltern beschweren sich sofort, wenn es den Lehrkräften nicht gelingt, Ihren Kindern trotz deren Leistungsverweigerung etwas beizubringen. Der Druck der Politik wird dann über die Rektorate an die Lehrer/innen weiter gegeben.
    Ein deutliches Zeichen in dieser Richtung ist die Noteninflation in den Schulen (Radio SWR 1 letzte Woche: in Berlin ist in den letzten zehn Jahren die Anzahl der Absolventen von Gymnasien mit einer Durchschnittsnote von 1,0 um den Faktor 14 ! gestiegen).

    2. Beim Übergang vom neun- zum achtjährigen Gymnasium wurden insbesondere im Bereich Mathematik und Naturwissenschaften Stunden gestrichen (insgesamt von 44 auf 32 Stunden). Meist werden Themen nur angerissen, nicht geübt und dadurch wieder schnell vergessen. Ich lasse seit vier Semestern in den ersten Vorlesungsstunden einen Mathematiktest durchführen um den Leistungsstand der Erstsemester zu ermitteln. Der Stoff ist dabei im Wesentlichen aus der Sekundarstufe (Bruchrechnen, Gleichung umstellen, Trigonometrie…). Von 25 Aufgaben sollen mindestens 15 gelöst werden. In den vier Semestern hatten wir ein fast identisches Ergebnis: ca. 70 % schaffen diesen Test nicht, der eigentlich den Mindestvoraussetzungen entspricht, die wir bisher (bis vor ca. 10 Jahren) erwarten konnten. Denken Sie daran, dass an den Fachhochschulen (in BW jetzt Hochschulen für Angewandte Wissenschaften) hauptsächlich Ingenieurstudiengänge angeboten werden, in denen Mathematik nun mal essentiell ist.

    3. Inzwischen haben mehr als 60 % der Schulabgänger eine Hochschulzugangsberechtigung, mehr als 50 % aller Schulabgänger beginnen mit einem Studium. M. E. sind viele davon überfordert und wollen es oft auch gar nicht, teilweise aber ihre Eltern. Auf der anderen Seite sagen die IHK’s, dass zwischen vier und acht Mal mehr Facharbeiter fehlen als Ingenieure, wobei letztere nicht im Ruf stehen, im Überfluss für den Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Wäre es an dieser Stelle nicht sinnvoll einmal darüber nachzudenken, was braucht eine Volkswirtschaft, wie werde ich den Bedürfnissen und tatsächlichen Fähigkeiten der jungen Leute gerecht. Die stereotype Behauptung, mit einem Studium (egal welches) ist die Gefahr der Arbeitslosigkeit prinzipiell geringer als mit einer Facharbeiterausbildung, ist schlicht falsch. Wenn auf Ausschreibungen für eine Sekretariatsstelle sich teilweise mehr als 70 Personen bewerben, viele davon sind Akademiker (Biologen, Historiker…), muss man sich schon fragen, welchen Sinn es gibt so viele Akademiker in diesen Fachrichtungen auszubilden, die anschließend mit einer hohen Wahrscheinlichkeit keinen Arbeitsplatz bekommen. Sicher kommen viele Akademiker auch in anderen Bereichen unter, aber viele andere eben nicht wie das erwähnte Beispiel zeigt und den jungen Leuten tut man damit gewiss keinen Gefallen.

    ...

  • #3

    Jan-Martin Wiarda (Freitag, 16 Dezember 2016 08:38)

    ...

    4. Man muss also m. E. nicht nur auf Zahlen (wie groß ist die Dropout- Quote) achten, sondern auch auf die Qualität der Ausbildung, die sicher bereits in der Schule beginnt. Mit sehr großem Aufwand versuchen wir (ebenso wie die Universitäten, dass sich die Dropout- Quoten nun angleichen, ist daher auch nicht verwunderlich) jetzt die Versäumnisse der Schulen insbesondere in den für uns wichtigen Naturwissenschaften auszugleichen, was mit Sicherheit sehr viel mehr kostet als eine gute Schulausbildung im Vergleich hierzu. In einigen Bundesländern werden die finanziellen Ressourcen bereits mehr oder weniger stark an die Dropout- Quote gebunden (Anzahl Studierende, Anzahl Absolventen in der Regelstudienzeit…). Alle schwören, dass dies unter Beibehaltung der Qualität erfolgt, die Praxis zeigt aber, dass dies nicht der Realität entspricht. Die grundsätzliche Frage ist daher: wollen wie Qualität oder Quantität? M. E. kann sich ein Industrieland wie Deutschland auf die Dauer nicht leisten, überwiegend nur noch mittelmäßig ausgebildete Ingenieure auszubilden. Wir leben zu einem großen Teil von den Innovationen, die eine fundierte und hervorragende Ausbildung an den Hochschulen voraussetzt. In den Schulen sehen wir bereits den Trend, dass Eltern ihre Kinder in Privatschulen schicken, wenn sie es sich leisten können. Wenn es so weiter geht, werden wir auch an den Hochschulen solche Verhältnisse bekommen ähnlich wie in den USA: es gibt einige Eliteuniversitäten mit entsprechend hohen Studiengebühren, die sich dann wieder nur Studierende mit reichen Eltern leisten können oder aber mit sehr guten schulischen Leistungen (an ebenfalls privaten Schulen). Dies mag jetzt etwas zu pessimistisch klingen und wird sicher nicht in den nächsten 10 Jahren so stattfinden. Wir sollten aber darauf hinwirken, dass es gar nicht so weit kommt. Ich bitte Sie deshalb, auch solche Aspekte zu berücksichtigen und nicht nur die Zahlen von Studienabbrechern im Auge zu haben. Wenn Sie eine Schulklasse einen 100 m Lauf durchführen lassen würden Sie sich auch nicht wundern, dass bei einer Klasse mit 40 Schüler/innen mehr ein Limit von z. B. 12 Sekunden nicht schaffen als in einer Klasse mit 20 Schüler/innen.

    Beste Grüße aus Karlsruhe, Ihr
    Dieter Höpfel