"Wissenschaftliche Qualität" ist keine Frage der Disziplin

Die DFG hat ihre Statistik zu den ExStra-Antragsskizzen vorgelegt – inklusive Fächerverteilung. Mal sehen, was die Gutachter daraus machen.

Foto: Leo Hidalgo: "Research", CC BY-NC 2.0

DIE EXZELLENZSTRATEGIE IST nicht die Exzellenzinitiative. Wissenschaftspolitisch eine triviale Feststellung, sobald man über Bewerbungsregeln, über Förderperioden (bei der ExStra länger), oder auch die Lebensdauer des neuen Bund-Länder-Programms (Plan: für immer) redet. In anderer Hinsicht dagegen ist es ein Satz, der – trotz vieler Verdiensten der alten Exzellenzinitiative – vor allem eine Hoffnung ausdrückt.

 

Gestern hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mitgeteilt, wie viele Antragsskizzen für ExStra-Exzellenzcluster eingegangen sind, 195, und wie diese sich von ihren thematischen Schwerpunkten her auf vier von der DFG definierte Wissenschaftsgebiete verteilen. Naturwissenschaften, Lebenswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Geistes- bzw. Lebenswissenschaften: Alle vier kommen auf rund ein Viertel. Soweit alles ganz beim Alten. Auch 2010, als die DFG die Antragsskizzen für die zweite Runde der Exini-Cluster vermeldete, stand in der Pressemitteilung, die „großen Wissenschaftsgebiet“ seien „etwa gleich stark vertreten“.

 

Aber dann. Als die DFG 2012 bekanntgab, wie viele der schlussendlich eingereichten Vollanträge erfolgreich waren, las sich die Statistik anders. Von den insgesamt bewilligten 43 Exzellenzclustern stammten 17 aus den Lebenswissenschaften, 11 aus den Naturwissenschaften, 9 aus den Ingenieurwissenschaften und sechs aus den Geistes- und Sozialwissenschaften. 

 

Dass Exini und ExStra nur teilweise vergleichbar seien, war auch gestern aus der DFG-Geschäftsstelle zu hören. Das stimmt. Schon deshalb, weil diesmal auch die Alt-Cluster Skizzen abgeben mussten, während Verlängerungsanträge 2012 direkt in die Hauptauswahl durchsegeln konnten.

 

Doch der Beweis, dass sich die beiden Wettbewerbe nicht nur von den Regeln unterscheiden, sondern auch von ihrem Geist her, der steht noch aus. Man möchte den international besetzten Panels, schon jenen 21, die in den nächsten Monaten die Skizzen nach „wissenschaftlichen Qualitätskriterien“ (DFG-Formulierung) begutachten und die besten zur Vollantragstellung empfehlen, zurufen: Beweist es. Und zwar inhaltlich. Es ist einfach nicht einleuchtend, warum die Lebens- und Naturwissenschaften im Schnitt die höhere wissenschaftliche Qualität haben sollten. Genau hier, in der nach Meinung vieler ungleichen Beurteilung der verschiedenen Wissenschaftsgebiete, lag eine entscheidende Schwäche der alten Exzellenzinitiative – was wiederum ihre Akzeptanz in Teilen der Universitäten schwächte.

 

Die Exzellenzstrategie ist nicht die Exzellenzinitiative: Ob das wirklich stimmt, erfahren wir im September 2018. Dann nämlich wissen wir, welche Cluster das Rennen machen.

 

Dieser Kommentar erschien heute zuerst im ZEITChancen Brief.


Wenige Gemeinschaftsproduktionen, gute Aussichten

Insgesamt haben sich 67 Universitäten aus allen 16 Bundesländern an der Ausschreibung beteiligt. Von den 195 Antragsskizzen wurden nach DFG-Angaben 41 von zwei Universitäten gemeinsam eingereicht, sechs weitere von drei Hochschulen. Wie viele der 67 Universitäten insgesamt an Verbundbewerbungen beteiligt sind, teilte die DFG nicht mit. 

 

Fest steht: Nur 21 Prozent der Skizzen sind universitäre Gemeinschaftsproduktionen, während zwei Drittel die Beteiligung außeruniversitärer Forschungsinstitute vorsehen. Ein frappierender Unterschied, soll doch die ExStra vor allem die universitäre Zusammenarbeit stärken.

 

In den kommenden Monaten begutachten international besetzte Panels die Antragsskizzen. Sie berichten ihre Ergebnisse an das so genannte

„Expertengremium“, bestehend aus 39 größtenteils internationalen Wissenschaftlern, das am 28. September entscheidet, welche Universitäten zu Vollanträgen aufgefordert werden.

 

Diesmal mussten auch die bestehenden Exzellenzcluster, so sie in der ExStra erneut gefördert werden wollen, in die Skizzen-Vorauswahl. Für die neuen Projekte könnte darin eine Chance liegen. 2012 waren von 107 Neuantragsskizzen gerade einmal 12 zu Exzellenclustern erwählt worden. Diesmal stehen die 195 Antragsskizzen geplanten 45 bis 50 ExStra-Clustern gegenüber.

Weitere Details zu den Antragsskizzen und dem weiteren Verfahren finden Sie auf der Website der DFG. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Laubeiter (Donnerstag, 06 April 2017 13:08)

    Ich sehe nicht, dass viele neue Cluster an vielen neuen Standorten Chancen haben, weil der nächste Schritt der Auswahl der Exzellenzuniversitäten seinen Schatten voraus wirft. Krista Sager hatte letztes Jahr im Tagesspiegel diese Rechnung aufgemacht: Wenn in 2019 in der Linie Exzellenzuniversität elf Unis ausgewählt werden sollen aus einem Kreis von Unis, die in 2018 je zwei Cluster erhalten haben werden, dann stehen DFG und WR also vor der Aufgabe, "etwa 30 Cluster auf eine Gruppe von ca. 13-15 Unis so zu fokussieren, dass man elf auswählen kann. Für alle anderen herausragenden Forschungsverbünde an deutschen Universitäten blieben dann nur noch 15 bis 20 Optionen."