Zwei Kapitäne, ein Boot

Johanna Wanka und Peter Strohschneider: Was ihre besondere Beziehung über unser Wissenschaftssystem aussagt.

ES WAR EINER dieser Texte, mit denen man lange unterwegs ist, bevor man auch nur ein Wort aufgeschrieben hat. Ich habe ihn vor mir hergeschoben, weil mir klar war: In dem Artikel muss wirklich jeder Satz sitzen. Nicht nur, weil ich zwei Menschen und ihren Verdiensten gerecht werden wollte, sondern auch, weil ihr Verhältnis zueinander so zentral ist für die deutsche Wissenschaftspolitik.

 

Dass ich über Johanna Wanka, Peter Strohschneider und ihre lange gemeinsame Geschichte schreiben wollte, wusste ich schon, bevor ich von Helmholtz in den Journalismus zurückgekehrt war. Kein Wunder. In meinem Job gehören sie seit mehr als zehn Jahren zu meinen wichtigsten Gesprächspartnern: Wanka erst als langjährige Landeswissenschaftsministerin, dann als Bundesministerin für Bildung und Forschung. Peter Strohschneider als Vorsitzender des Wissenschaftsrats und später als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die beiden sind über so viele Ebenen in Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschränkt, sie sind so oft verschiedener Meinung gewesen und haben doch gemeinsam eine Menge erreicht, dass man ohne die beiden und ihr Wirken nicht verstehen kann, warum die deutsche Wissenschaftslandschaft heute aussieht, wie sie ist.

 

An der Ministerin und dem Forschungsmanager kann man ihn gut beobachten, den großen Konflikt der deutschen Forschungsszene: Wie stark darf die Politik sich einmischen? Darf der Staat, der Milliarden in die Wissenschaft pumpt, auch bestimmen, was mit ihnen passiert?

 

Das feinziselierte Geflecht zwischen Grundlagen- und Programmforschung, zwischen Grundfinanzierung und Drittmitteln, zwischen Länderhoheit und Bundesinitiativen dreht sich eigentlich immerzu um diese eine Frage. Es gibt Stimmen, die einen stärkeren Einfluss der Politik auf die Forschungsagenda fordern, und wenn sie laut werden, dauert es nicht lange, bis die Gegenrede ertönt. Oft genug stammt letztere von Strohschneiders DFG. Und so, wie es nachvollziehbar ist, dass die Politik mit ihren sich wandelnden Erwartungen die Wissenschaft nicht in Ruhe lässt, muss es Organisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft geben, die diese Ansinnen abpuffern, die als Scharnier dienen kann zwischen politischen Wünschen und der erkenntnisgeleiteten Forschung.

 

Wanka und Strohschneider reden viel miteinander. Sie reden aber auch gern übereinander. Gelegentlich arbeiten sie sich eher aneinander ab als miteinander. Dann wieder, wenn es darauf ankommt, können sie sich aufeinander verlassen. Sagen sie zumindest beide voneinander, und ich glaube, das stimmt auch.

 

Jetzt ist mein Artikel über die Mathematikerin und den Mediävisten erschienen, und zwar in der ZEIT. „Zwei Kapitäne, ein Boot“, so heißt er. Vielleicht haben Sie die Gelegenheit, ihn an den freien Tagen zu lesen. Ob mit oder ohne Lektüre: Ich wünsche frohe Ostern. 

 

Fotos: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung/Steffen Kugler – DFG/David Ausserhofer

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Kommentare: 1
  • #1

    Th. Klein (Dienstag, 18 April 2017 17:57)

    Es ist interessant, welche Bedeutung im ZEIT-Beitrag der FH/Uni-Kontroverse zukommt. Es ist beschämend, dass diese Lagerbildung in der Hochschulpolitik immer noch eine so große Bedeutung hat.

    Was die Forschung an Fachhochschulen betrifft, so ist diese in der Breite freilich nicht auf dem gleichen Niveau wie an den Universitäten. Aber beide Organisationen unter den gleichen Bedingungen zu bewerten und durch einen gemeinsamen Topf zu fördern, ist aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen schlicht unfair. Die Ausstattung (an Material und wiss. Personal) ist an den FHs wesentlich schlechter und das Lehrdeputat doppelt so hoch. Trotzdem gibt es sehr gute WissenschaftlerInnen an den FHs, die mit nur etwas mehr Mitteln, sehr große Schritte machen könnten. Wenn die DFG nur 10% der Mittel für die „Allgemeine Forschungsförderung“ (also ohne SFBs, ExStra etc.) für die FHs reservieren würde, könnte die Forschung an den FHs mit ca. 130 Mio. Euro p.a. gefördert werden. Der Effekt wäre immens und sicherlich viel größer als die gleiche Summe an den Universitäten, denen immer noch insgesamt (inkl. der nicht angetasteten Töpfe für SFBs, ExStra etc.) über 2,5 Mrd. Euro p.a. bleiben würden. Wovor haben die Universitäten und die DFG bei einem solchen Größenverhältnis eigentlich Angst?

    Was die Umsetzung und die Durchsetzung dieser 10% bei der DFG betrifft, so sollte man – wenn es die Politik ernst meint – ein stärkeres Engagement von Frau Wanka und ihren KollegInnen in den entsprechenden Gremien erwarten. Immerhin sind alle Länder und verschiedene Ministerien des Bundes im Hauptausschuss der DFG vertreten (von der GWK als Zuwendungsgeber mal ganz zu schweigen).