Gute Idee und dickes Aber

Die German U15 haben einen Brandbrief an Johanna Wanka geschrieben: Sie fürchten, die geplanten Max Planck Schools könnten das Promotionsrecht aushöhlen – und der Zeitplan sei "illusorisch". Jetzt reagiert die Max-Planck-Gesellschaft.

Foto: Max-Planck-Generalverwaltung in München
Foto: Max-Planck-Generalverwaltung in München

DIE ANSAGE DER Ministerin war deutlich. „Max Planck hat international die größte Strahlkraft", sagte Johanna Wanka (CDU), als sie im März hier im Blog die Gründung von drei neuartigen Max Planck Schools ankündigte. "Das müssen alle akzeptieren.“ Das mit dem Akzeptierenmüssen ist allerdings so eine Sache. Viele Hochschulrektoren stören sich nicht nur an dem Namen, sie fürchten auch den Druck, den die neuen Schools auf ihre eigenen Promotionsprogramme ausüben könnten. 

 

Worum es im Kern geht: Schon 2015 hatte Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, bei deren Jahresversammlung vorgeschlagen, MPG-Direktoren und herausragende Universitätsprofessoren sollten sich in überregionalen Max Planck Schools zusammentun, nicht zu verwechseln mit den 60 thematisch fokussierten International Max Planck Research Schools (IMPRS), die es seit Jahren gibt, die aber immer lokal organisiert sind. Die größeren, nach Fächern organisierten Max Planck Schools sollten demgegenüber "besonders talentierten Bachelor- und Masterabsolventen“ aus aller Welt „die Gelegenheit zu geben, sich mit jüngstem Wissen von der vordersten Front der Wissenschaft auseinanderzusetzen." Die neuen Schools würden auf den IMPRS "aufsetzen", als eine Art Dachstruktur – so stellte sich das Stratmann 2015 vor. Doch im März erklärte Ministerin Wanka: Dabei werde es nicht bleiben. Nicht nur Max Planck soll mit den Unis kooperieren, sondern die anderen außeruniversitären Forschungsorganisationen auch. Und zwar alle auf "Augenhöhe". >>

Foto: Das Ambiente an einer International Max Planck Research School laut deren Website
Foto: Das Ambiente an einer International Max Planck Research School laut deren Website

>> Genau diese Augenhöhe vermissen viele Hochschulrektoren. Die Chefs der in der "German U15" organisierten Universitäten haben daher am 2. Mai einen Brandbrief an die Wanka geschrieben, in der sie auf drei Seiten ihre Kritikpunkte auflisteten und die Ministerin um ein Gespräch baten. Die Promotion sei Angelegenheit der Universitäten und müsse es bleiben. "Der Name einer Struktur, in der die Forschungsuniversitäten und die AUF (außeruniversitären Forschungseinrichtungen) junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam zur Promotion führen, muss diese zentrale Stellung der Universitäten klar zum Ausdruck bringen." So steht es in dem Schreiben, das mittlerweile überall in der Hochschulszene kursiert. 

 

Von "großer Skepsis" sprechen allerdings nicht nur die in der U15 organisierte Hochschulrektoren. Im Vorfeld der Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) haben einige Mitgliedshochschulen spekuliert, man könne sich ja mit einer offiziellen Entschließung öffentlich zu den Schools äußern. Tatsächlich meldete sich die HRK aus Bielefeld mit gleich mehreren Stellungnahmen zu Wort – zu dem Max Planck Schools aber schwieg sie. 

 

Im Gegensatz zu den U15. In dem vom Freiburger Rektor und U15-Vorsitzenden Hans-Jochen Schiewer unterzeichneten Schreiben heißt es, die Mitglieder begrüßten "grundsätzlich" den Vorschlag einer themengebundenen Vernetzung von Wissenschaftlern führender Forschungsuniversitäten und der außeruniversitären Forschungsorganisationen, um internationale Spitzenabsolventen für das deutsche Wissenschaftssystem zu gewinnen. In seiner aktuellen Form berge das Konzept der Max Planck Schools jedoch die Gefahr, "dass das Promotionsrecht der Universitäten und ihr Einfluss auf die Entwicklung der Promotion schleichend ausgehöhlt werden." Statt auf die bewährten Strukturen der in der Exzelleninitiative geförderten Graduiertenschulen aufzusetzen, solle "ein völlig neuer, bislang nicht erprobter Ansatz" verfolgt werden, der demgegenüber "keine signifikanten Vorteile" erkennen lasse. 

 

Der Brief sei in der MPG-Generalverwaltung "wie eine Bombe eingeschlagen", berichten Insider. Die U15 listen darin zahlreiche weitere Kritikpunkte auf. Unter anderem lösten die konzeptionellen Überlegungen "in ihrer aktuellen Fassung die Spannung zwischen einer notwendigen Anbindung von Doktorandinnen und Doktoranden an einen bestimmten Standort und der standortübergreifend angelegten Struktur nicht auf."

 

Wankas Ministerium will das Schreiben "wie in der Regel alle Briefe" öffentlich nicht kommentieren. Der zuständige MPG-Vizepräsident Ferdi Schüth, frisch zurückgekehrt von einer Klausur des MPG-Präsidiums zu den Schools, tut es dafür im Interview umso ausführlicher. Inhaltlich habe ihn die Kritik nicht überrascht, "dass die Rektoren ihren Brief gleich an die Ministerin geschickt haben, schon eher."

 

Die Bedenken stammen übrigens nicht aus Universitäten. Auch die außeruniversitären Forschungsorganisationen stören sich am Namen und an der aus ihrer Sicht nur oberflächlich ausgewogenen Governance der neuen Schools. "So droht das am Ende doch eine Max-Planck-Nummer zu werden", sagt ein Präsident. "Das ist okay und kann gut werden, aber dann wohl doch eher ohne uns."

 

Einige Wissenschaftsminister wiederum äußern sich irritiert, dass sie bislang gerade einmal in einem Kamingespräch mit Bundesministerin inoffiziell über das Konzept informiert wurden, offizielle Gespräche bislang: Fehlanzeige. "Das ist bemerkenswert, wenn man sich überlegt, dass die Universitäten zum Kernbereich der Länder gehören", sagt eine Ministerin. Ein Staatssekretär fürchtet, dass durch die "bisherige schräge Kommunikation seitens des Bundes und der MPG" eine gute Idee am Ende Schiffbruch erleiden könnte. Solche kaum verhohlenen Warnungen scheinen mittlerweile angekommen zu sein: Diese Woche soll es in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) ein Gespräch über die Schools geben. 

 

Ulrike Beisiegel ist Präsidentin der Universität Göttingen, die ebenfalls zu den U15 gehört. Beisiegel sagt, die Schools seien eine gute Idee "mit dem womöglich falschen Namen." Doch der Zeitplan sei verfehlt. "Wenn wir Zeit kriegen, das gemeinsam konzeptionell aufzustellen, dann wird das ein Erfolg." 

 

Apropos Zeitplan: Ursprünglich sollte heute die Deadline für die Ausschreibung auslaufen. "Völlig überhastet und unverständlich" sei dieser Zeitdruck, kommentierten Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen (außer MPG) und Landeswissenschaftsminister einmütig. Auch diese Botschaft ist angekommen. Wie Schüth im Interview mitteilt, wurde die Deadline um sechs Wochen auf Anfang Juli verschoben. Etwas mehr Zeit, immerhin. Mehr Aufschub allerdings wird es wohl nicht geben. Oder wie der MPG-Vize es formuliert: "Es kommt der Tag, da will die Säge sägen."

 

Bildnachweise: Michael Förtsch/Zufallsfaktor: "Max Planck Gesellschaft", CC BY-NC 2.0./Sceenshot der Website der IMPRS "Mathematics in the Sciences": https://www.imprs-mis.mpg.de/index.html

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