Böttinger bleibt, bekommt aber einen Nobelpreisträger an die Seite gestellt

Der BIH-Vorsitzende will seinen Vertrag "weiter erfüllen". Gleichzeitig setzen Bund und Land Expertengruppe zur Zukunft des Instituts ein.

Foto: Screenshot von der BIH-Website
Foto: Screenshot von der BIH-Website

ERWIN BÖTTINGER WILL am Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) bleiben – vorerst zumindest. Nach dem Hin und Her um sein Berufungsverfahren an der Universität Potsdam hat der Mediziner vergangene Woche dem BIH-Aufsichtsrat gegenüber erklärt, seinen laufenden Arbeitsvertrag weiter erfüllen zu wollen. Die weitaus wichtigere Nachricht: Gleichzeitig entschieden Bund und Land Berlin, eine dreiköpfige Expertengruppe zur Zukunft des Instituts einzusetzen.

 

Der BIH-Aufsichtsratsvorsitzende Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), berichtete beide Neuigkeiten heute per Mail an alle Mitglieder des Aufsichtsrats. Man sehe die Umsetzung der Institutsstrategie auf gutem Weg, dieses Momentum gelte es jedoch zu erhalten. Die Einsetzung der Expertengruppe habe er gemeinsam mit mit seinem Berliner Kollegen, Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach, entschieden – in "Abstimmung mit dem Personalausschuss des Aufsichtsrats". Weniger diplomatisch formuliert: Die Politik hat die Faxen am BIH sowie rund um Böttinger langsam dicke.

 

Die Expertengruppe, zu der auch der Nobelpreisträger Thomas Südhof gehört, soll "in den kommenden Wochen die Fortschritte bei der Umsetzung der BIG Strategie 2026" bewerten. So der offizielle Auftrag. Tatsächlich werden die Wissenschaftler, die sich aus Mitgliedern des Aufsichtsrates und des Wissenschaftlichen Beirates rekrutieren, wohl viel grundsätzlicher zu Werke gehen. Die anhaltende Sinnkrise des von Bund und Land gemeinsam getragenen Forschungsinstituts "neuen Typs" beschäftigt Wissenschaft und Politik seit längerem. Die Querelen der vergangenen Wochen um Böttingers Zukunft und die Debatten um ein so genanntes Doppelpackverfahren sind, da waren sich auch die meisten Aufsichtsratsmitglieder einig, lediglich Symptome eines viel grundsätzlicheren Problems. Doch scheinen erst die jüngsten Ereignisse für die Politik Anlass genug zu sein, die Flucht nach vorn zu ergreifen. Eine gute, eine überfällige Entscheidung.

 

Ob Böttinger auf Dauer eine Zukunft am BIH hat, ist mit der heutigen Mitteilung keineswegs ausgemacht, im Gegenteil: Erstens ist das Berufungsverfahren in Potsdam noch nicht abgeschlossen, offenbar schielt Böttinger weiter in Richtung Potsdam. Sein Pochen auf dem BIH-Vertrag wäre insofern eher unter taktischem Spielchen einzuordnen. In seiner Mail an den Aufsichtsrat jedenfalls spricht BMBF-Staatssekretär Schütte von einem "schwebenden Verfahren".

 

Zweitens wird sich erst in den kommenden Wochen und Monaten zeigen, ob und wie der entstandene Vertrauensschaden zwischen Böttinger und der Politik zu reparieren sein wird. Der weiter anhaltende Schwebezustand jedenfalls hilft in der aktuellen BIH-Krise nicht weiter. Die heutige Einsetzung der – so Schütte – "international ausgewiesenen" Experten kann insofern getrost als Ansage an Böttinger und als Zwischenschritt vor einem weiterführenden BIH-Umbaus betrachtet werden. Schließlich, so heißt es bereits in der Mail, sollen sie auch "die internationale Ausstrahlung" des BIH "eng begleiten und bewerten."

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