Blick zurück (3)

Seit 20 Jahren beschäftigte ich mich mit Hochschulen, Bildung und Wissenschaft. Viel ist passiert in dieser Zeit, vieles davon durfte ich als Journalist begleiten. Der Blick zurück zeigt, wie aktuell einige meiner Themen von einst geblieben sind – obwohl sich fast alles verändert hat. Machmal allerdings auch, weil sich fast gar nichts verändert hat. Der dritte Teil einer Serie.

Minsk, Oktober 2005: Polizisten entreißen Mikita Sasim eine weiß-rot-weiße Flagge. Sasim war eine der Leitfiguren der Protestbewegung. Foto: Yuliya Darashkevich.

Weißrussland

Die Jeans-Rebellen

In Weißrussland herrscht der letzte Diktator Europas. Doch seit der manipulierten Wahl im März protestieren die Studenten offen gegen ihn. Sie sind jung, optimistisch – und riskieren viel. Auch wenn sie bisher nur kleine Siege errungen haben: Sie geben nicht auf.

(erschienen in ZEIT Campus 01/2007)

 

GLEICH GIBT ES kein Zurück mehr, dann wird er sie sehen, der Mann im Trainingsanzug. Die Studentin im Halbdunkel zögert, greift nach dem Feuerzeug. Der Mann bemerkt die Flamme schon aus den Augenwinkeln, wirbelt herum, sieht, wie auch das zweite Mädchen etwas anzündet. Er rennt los, schreit in sein Mikro; deutet auf die beiden Gestalten, die allein unter den Marmorsäulen sitzen, auf den Stufen vor dem Palast der Republik – mit brennenden Kerzen in der Hand.

 

Kerzen auf dem Oktoberplatz von Minsk, und das an einem 16. September. So wenig und doch so viel: Es gibt kaum eine größere Provokation in einem Land, dessen Präsident am 16. September vor sieben Jahren zwei der wichtigsten Regimegegner verschwinden ließ. Der im Frühjahr, nach der gefälschten Präsidentschaftswahl, das Protestzeltlager auf dem Oktoberplatz stürmen ließ, wo dann Hunderte von Studenten in Lastwagen verladen und für Tage, manchmal Wochen eingesperrt wurden – von der Geheimpolizei KGB, die ihren Namen aus der Sowjetzeit hinübergerettet hat.

 

Erlaubt ist heute Abend nur eine Art von Licht. Es flackert von der Videowand mit den Handy-Werbeclips hinüber zu der Kette Uniformierter, die langsam vorrücken und die paar Demonstranten wie Schutt vom Platz räumen. Das Licht spiegelt sich in den gelben Buchstaben ihrer Overalls, auf denen in kyrillischer Schrift "Polizei" steht. Die Jacken der Männer mit den Ohrstöpseln bleiben dunkel. Es sind KGB-Agenten, die dafür sorgen, dass im Zentrum der weißrussischen Hauptstadt, der Stadt von Alexander Lukaschenko, kein Demonstrant mehr eine Kerze anzündet.

 

Und dann sitzen sie plötzlich da, die beiden Mädchen um die 20, haben sich irgendwie vorbeigeschlichen an den Polizisten, dorthin, wo im März für vier Tage die Protestzelte standen. Vielleicht denken sie an diesen Frühling, als ein Dutzend kräftiger Männer mit Stöpsel im Ohr sie umringt. Die Mädchen haben vor Angst geweitete Augen, doch zucken sie kaum zusammen, als einer der Männer ausholt und die Kerzen zertritt; auch nicht, als die anderen sie fortzerren. Sie sagen kein Wort, nur ein Lächeln umspielt ihre Lippen: Egal, was jetzt kommt, hier, in diesem Moment, haben sie gewonnen.

 

Nach Jahren der Angst ist etwas in Gang gekommen im kleinen Weißrussland, das zwischen Polen und Russland eingeklemmt ist und über dessen Schicksal alle, nur nie die Weißrussen entschieden haben. Seit vergangenem Jahr zünden die Studenten vom Aktionsbündnis Solidarität 16 am 16. jeden Monats Lichter an und gehen mit den Bildern der Verschwundenen auf die Straße, um gegen den Mann zu demonstrieren, der als Europas letzter Diktator gilt. Seitdem merken die Menschen in Europa, vor allem aber die Menschen in Weißrussland, dass es sie überhaupt gibt in ihrem Land: eine Opposition.

 

Noch sind es nur kleine Siege. Die zwei Mädchen bleiben an diesem Abend die Einzigen, die es auf die Stufen vor dem stalinistischen Protzpalast schaffen. Die Polizei drängt den versprengten Rest Jugendlicher Richtung Altstadt zurück, die KGB-Männer patrouillieren über den weiten Platz. Plötzlich knarrt eine Stimme in den Ohrstöpseln. Die Männer stehen still, lauschen. Dann setzen sie sich im Gleichschritt in Bewegung, klettern in die Busse, die am Bordstein warten. Gespenstische Stille senkt sich über den Platz, nur die Polizeikette bleibt noch eine Weile in der feuchtkalten Nacht stehen. Das Regime hat es wieder einmal geschafft. Es ist das Ende einer Woche, die so hoffnungsvoll begann.

 

Rückblick. Am Dienstag, vier Tage vor dem diesjährigen 16. September, steht ein Junge vor dem Plattenbau der Linguistischen Universität: schmal, kurze Haare, Sonnenbrille. Um seinen Hals baumelt ein MP3-Player. Nichts an ihm sieht nach Widerstandskämpfer aus, doch wer ihn treffen möchte, muss zunächst einen Freund kontaktieren. "Nicht übers Handy", raunt der dann, und wenn man Glück hat, ruft jemand von einer Telefonzelle zurück, nennt Treffpunkt und Zeit. Denn Mikita Sasim, 22, der unscheinbare Junge mit der Sonnenbrille, ist die Symbolfigur der Studentenbewegung.

 

Wobei die meisten ihrer Mitglieder streng genommen Exstudenten sind. Sie wurden exmatrikuliert. Ihre Noten seien nicht gut genug gewesen, sagt die Uni-Leitung. Politische Gründe? Ach was, eine Erfindung der Opposition. Diese indirekten Gemeinheiten sind es, mit denen die Regierung die Menschen einschüchtert. "Das ist noch wirkungsvoller, als wenn sie ihre Prügeltrupps losschickt", sagt Mikita. Ein kurzes Hallo, dann schnell weiter, die Straße runter. Mikita weiß: Wenn sie ihn so kurz vor dem heiklen 16. September erwischen, sperren sie ihn wieder ein. In einem Jahr hat Lukaschenko ihn 25-mal verhaften lassen; schließlich hat er den Präsidenten gleich mehrfach blamiert.

 

Das erste Mal im Frühjahr 2004. Da studierte Mikita BWL, war sogar Gruppenführer der staatlichen Jugendorganisation. Das Regime selbst hatte ihm den Posten angeboten, um ihn auf seine Seite zu ziehen. "Ich dachte, ich mache mal eine Weile mit, kann nicht schaden, wenn da ein paar Andersdenkende sind", erzählt Mikita. Er hat Bäume gepflanzt und Partys auf Staatskosten organisiert, ein Jahr lang. Dann wollte die Regierung, dass seine Gruppe Propaganda macht. "Das kam natürlich nicht infrage." Sie haben abgestimmt, er und seine hundert Jugendlichen – und dann traten sie geschlossen zu Zubr über, dem oppositionellen Verband, dessen Aufkleber auf Papierkörben und Straßenschildern klebten, bis die Regierung plötzlich die Mitgliedschaft in solchen "nicht staatlich registrierten Organisationen" für illegal erklärte. Die internationale Presse berichtete, und Mikita flog von der Fachhochschule.

 

Am 16. September 2005 hat der Exstudent den Präsidenten ein zweites Mal bloßgestellt und nebenbei der weißrussischen Revolution, die Gegenstück zur orangefarbenen Revolution in der Ukraine werden will, ihren Namen gegeben: Jeans-Revolution. Als Polizisten auf einer Demo alle rot-weißen Flaggen konfiszierten, zog Mikita sein Jeanshemd aus und befestigte es an einem Fahnenmast. Danach haben ihn KGB-Leute so brutal verprügelt, dass er mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus musste. Das erzählt er jedoch nicht, wenn man ihn nach dem Tag fragt. Mikita sagt: "An dem Abend haben wir Solidarität 16 gegründet."

 

Studenten wie Mikita meint Alexander Milinkewitsch, der 58 Jahre alte Expräsidentschaftskandidat, wenn er behauptet: "Die Opposition wird von der Jugend getragen, und die Jugend hat keine Angst vor Lukaschenko, Lukaschenko hat Angst vor der Jugend." Darum muss Mikita immer auf der Hut sein. "Ich habe eine Wohnung", sagt er und grinst, "aber wo die ist, das weiß nur ich." Es ist kein verbittertes Grinsen, sondern ein verschmitztes, und als er seine Sonnenbrille hochschiebt, sieht man, dass die Augen mitlachen. Auch das ist für ihn einer dieser kleinen Siege: zu wissen, dass die Staatsmacht ihn nicht hat brechen können, auch nicht in den drei Monaten Gefängnis, die er zwischen März und Juni wegen angeblicher Wehrdienstverweigerung abgesessen hat. "Am Tag nach der Entlassung habe ich Flugblätter verteilt", sagt Mikita, der coole Aktivist, den nichts schockieren kann. Würde er sich nicht eine Zigarette nach der anderen anstecken; wären da nicht seine Augen, die am Display seines dauerklingelnden Handys hängen.

 

Sein Name ist die weißrussische Version von Nikita. Der Widerstand beginnt beim Vornamen, wenn man einen Präsidenten hat, der Englisch und Russisch als die einzigen großen Sprachen lobt und sagt, auf Weißrussisch lasse sich "nichts Großartiges" formulieren. Lukaschenko hat die traditionelle rot-weiße Fahne verboten und die Flagge der Sowjetrepublik wieder eingeführt. Klar, dass der Button mit der Aufschrift "Für Freiheit" auf Mikitas Jeanshemd rot-weiß ist. Klar, dass er Weißrussisch spricht. Patriotismus ist gleich Opposition in Weißrussland.

 

Irgendwann setzt er sich auf eine Bierbank vor einem geschlossenen Café, starrt auf die Straße, grübelt. Seit Wochen planen sie das "Big Jeans Festival", ein Popkonzert, das am Samstag vor der abendlichen Demonstration am Oktoberplatz stattfinden soll. Und was macht die Stadtregierung von Minsk? Erteilt eine offizielle Erlaubnis. Diese Großzügigkeit passt nicht. Mikita knabbert auf seiner Unterlippe. "Wahrscheinlich stellen sie uns mittendrin den Strom ab, damit wir mit ein paar tausend enttäuschten Jugendlichen dastehen", sagt er schließlich und hebt die Achseln. Sollen sie doch, heißt das wohl. Sein Blick fällt auf einen Papierkorb, an dem ein verblichener Aufkleber hängt: ein schwarzer Bison auf weißem Grund. Das weißrussische Wort für Bison ist zubr. Mikita grinst. Er habe seine Angst verloren, sagt er einmal mehr, einmal zu oft, und erzählt von konspirativen Treffen, bei denen sie das Festival vorbereiten, in Cafés, zu zweit oder zu dritt, nur nicht zu viele an einem Ort. Als sein Handy wieder klingelt, hat er es plötzlich eilig. "Wir sehen uns Samstag", sagt er, schiebt sich die Sonnenbrille ins Gesicht und rennt die Stufen zur U-Bahn hinunter.

 

Ein paar hundert Meter von der Linguistischen Universität entfernt ist die Sowjetunion noch nicht zusammengebrochen. Dort ragt ein gewaltiger Obelisk in den Himmel, davor brennt ein ewiges Feuer. Das ist der Siegesplatz. Laternenmasten mit roten Sternen säumen den Kreisverkehr, eine Ehrenwache marschiert im Stechschritt; hier hält Lukaschenko noch heute gerne seine Paraden ab. Als Viachaslau Koran am Mittwoch, drei Tage vor dem 16. September, über den breiten Boulevard Richtung Obelisk geht, drehen sich die Leute nach ihm um. Sie kennen ihn irgendwoher, den in Schwarz gekleideten Mann, mit den langen Haaren, dem faltigen Gesicht und dem kupfernen Halbmond-Ohrring.

 

Früher war Koran, 49, einer der bekanntesten Rockmusiker von Weißrussland, seine Band Ulis hat den Titelsong für Radio Free Europe produziert. Doch seit Koran in Weißrussland nicht mehr auftreten darf, seit seine Platten nicht mehr in den Läden stehen, sind es nur noch die über 20-Jährigen, die sich nach ihm umdrehen. "Die jungen Leute kennen unsere Musik nicht mehr", sagt er. "Sie hören nur die offizielle Rockmusik, all das, was aus Russland kommt. Und vergessen ihre weißrussische Kultur." Um zu überleben, jobbt Koran mal hier, mal da, seine Songs vertreibt er über das Internet. Viele seiner Kollegen, die wie er keine Chance haben in den Radiosendern des Landes, verdienen Geld in den wenigen Plattenläden der Opposition. Vor kurzem konnte Koran mal wieder auftreten, die US-Botschaft hat ein Konzert für regimekritische Musiker veranstaltet, 200 Leute waren da. "200 Leute", sagt Koran hilflos. Das ist so, als würde man die Toten Hosen in der Eckkneipe auftreten lassen. Sein alter Produzent hat ihm versprochen, zu seinem 50. Geburtstag werde er hier in Minsk auftreten, in einem großen Theater, doch Koran glaubt nicht mehr daran. "Das System funktioniert genau wie zu Sowjetzeiten, nur noch besser." Er hebt den Blick zur Spitze des Obelisken. "Das Schlimmste ist: Den Menschen ist es egal."

 

Vielleicht ist das die große Stärke der jungen Regimegegner: Sie haben die Sowjetunion nicht mehr erlebt, sie haben nicht wie Koran ein Leben des Widerstands hinter sich, der immer wiederkehrenden Enttäuschungen. Sie glauben an die kleinen Siege und daran, dass Weißrussland sich ändern kann. "Spätestens nächstes Jahr ist Lukaschenko weg", sagt Alena, 21, die Vorsitzende des verbotenen Weißrussischen Studentenverbandes. "Der Wandel ist nicht aufzuhalten", sagt auch Tatsiana, 22, die auf ihrer Internet-Seiteadukacyja.info Studenten, die nicht weiterstudieren dürfen, Tipps gibt. Deutschland hat allein 70 Studenten der einzigen privaten Hochschule Weißrusslands, der Europäischen Humanistischen Universität, aufgenommen, als Lukaschenko sie 2004 schließen ließ. Viele von ihnen sind längst zurück, weil auch sie glauben, dass Lukaschenkos Zeit abläuft. Bis dahin allerdings, sagt Tatsiana, wird das Regime nicht müde werden, sich Schikanen auszudenken. Die nächsten, da ist sie sicher, am Samstag, beim Jeans-Festival: "Das erlauben die nicht einfach so." Die ganze Woche über liegt eine seltsame Spannung über der Stadt. Hinter vorgehaltener Hand diskutieren die Studenten in den Hörsälen und auf dem Rasen vor der Staatlichen Universität die Frage, die sich auch Mikita stellt: "Was passiert am Wochenende?"

 

Samstag, der 16. September. Der Tag beginnt mit einer Enttäuschung. Die Polizei zerschlägt einen Protestmarsch vor der Akademie der Wissenschaften und verhaftet zehn Studenten. Geheimpolizisten riegeln den nahen U-Bahnhof ab, verscheuchen die Menschen und erzählen mit drohender Stimme, die Rolltreppen seien ausgefallen. Dabei hat der Bahnhof gar keine Rolltreppen. Das war es dann wohl, denkt Irina Khalip da schon, die blonde Journalistin, die zusammen mit Mikita Solidarität 16 gegründet hat. Doch als sie Stunden später auf die Bühne im Park klettert, strahlt die Sonne vom Himmel und die Lautsprecheranlage steht unter Strom. Ein paar Sekunden blinzelt Irina ungläubig, starrt auf Tausende von Jugendlichen mit rot-weißen Fahnen, Jeanshemden und Solidarität-16-Shirts, die von allen Seiten in den Park strömen und dabei die Männer in den Gebüschen ignorieren, die Stöpsel in den Ohren haben.

 

"Ich weiß, dass wir das Regime besiegen werden, denn es ist schwach, dumm und ekelhaft!", schreit Irina ins Mikrofon. Hinter ihr hängen die Fotos der Verschwundenen, neben ihr steht ein blaues Zelt, das ein paar Studenten unter tosendem Applaus auf die Bühne geworfen haben. Eines der Zelte, in denen sie im Frühling auf dem Oktoberplatz übernachtet haben. Irina ist stellvertretende Chefredakteurin der Oppositionszeitung Delovaya Gazeta; in Deutschland wurde die 37-Jährige vergangenes Jahr mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnet, der damalige Außenminister Joschka Fischer hat ihr die Hand geschüttelt und eine flammende Rede für die Pressefreiheit gehalten. An die denkt sie, wenn sie wieder eine Nacht auf der Polizeistation verbringt.

 

Es ist eine unwirkliche Szene mit all den jubelnden Jugendlichen und Irina auf der Bühne; eine Szene, die noch unwirklicher wird, als Mikita auftaucht, mit schwarzer Jeans, grauer Jeansjacke und Sonnenbrille. Er greift sich das Mikro, die Menge kreischt wie bei einem Popstar, und Mikita sagt mit ruhiger Stimme: "Im Gefängnis habe ich erfahren, welch eine Macht Solidarität sein kann. Es ist die Solidarität, welche die Freiheit nach Weißrussland bringen wird!" Ein paar Meter hinter ihm steht Irina. "Jedes Land, das um seine Freiheit kämpft, braucht junge Menschen wie Mikita, die bereit sind, ihre Zukunft aufs Spiel zu setzen", sagt sie leise. Doch sie ahnt: Während Mikita und seine Freunde Lukaschenko ihre kleinen Siege abtrotzen, machen andere brav ihren Uni-Abschluss. Und wenn eines Tages Lukaschenko stürzt, werden die Angepassten die guten Posten besetzen, während junge Regimegegner wie Mikita ohne Abschluss dastehen.

 

Die Sonne senkt sich allmählich. Die Reden sind vorbei, die erste Band stürmt die Bühne und füllt den Park mit vibrierenden Bässen. Es ist zehn Minuten nach sieben, als sie verstummen. Stromausfall. "Auf die Regierung ist doch Verlass", sagt Mikita. Natürlich haben sie sich darauf eingestellt. Kerzen werden angezündet, Feuerwerksraketen zischen zum Himmel. Die Menge singt auch ohne Musik weiter. Noch so ein kleiner Sieg. "Und nächsten Monat ist wieder ein Sechzehnter", sagt Mikita.


Info: Weißrussland

Der Zehn-Millionen-Einwohner-Staat östlich von Polen wird seit 1994 von Alexander Lukaschenko zunehmend autoritär regiert. Er unterdrückt die Opposition und bindet das Land eng an Russland. Den letzten Anschein von Demokratie

 hat er mit einer Verfassungsänderung aufgegeben: Damit kann er nach Ablauf seiner zweiten Amtszeit Präsident bleiben. Populär ist Lukaschenko vor allem bei der Landbevölkerung. 



Nachtrag vom 08. August 2017

Zehn Jahre nach meinem Artikel ist Lukaschenko immer noch im Amt, seit mittlerweile fast einem Vierteljahrhundert. Zubr hat im Gegensatz dazu nicht lange offiziell existiert, doch viele seiner ehemaligen Mitglieder sind weiter in der weißrussischen Opposition aktiv. Was aus Mikita Sasim selbst geworden ist, konnte ich nicht ermitteln. Man kann nachlesen, dass er im Herbst 2007 aus dem Gefängnis heraus zum Militärdienst einberufen wurde, statt dessen jedoch wenig später das Land verließ. Irina Khalip kämpft weiter gegen das Regime, wurde mehrfach festgenommen. 2012 zeichnete sie das PEN-Zentrum Deutschland mit dem Hermann-Kesten-Preis für besondere Dienste um verfolgte Autoren aus. 

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