Irgendwann kommen nur noch die Graubärte rein
Morgen entscheidet das Bundesverfassungsgericht über die Zukunft des Numerus Clausus. Ein totaler Systemwechsel ist möglich – aber unwahrscheinlich.

WER ARZT WERDEN will und keine 1,2 (besser eine 1,0) im Abi anpeilt, sollte viel Zeit mitbringen. Bis zu 15 Semester müssen Schulabgänger warten, um einen Medizin-Studienplatz zu ergattern. „Irgendwann kommen nur noch die Graubärte rein“, sagt Ferdinand Kirchhof.
Schon dass jemand wie Kirchhof einen solchen Satz sagt, lässt aufhorchen. Er ist Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, und das befasst sich seit Oktober mit den Folgen seiner eigenen Rechtsprechung. An einem Sommertag im Jahr 1972 entschieden Kirchhofs Vorgänger: Weil das Grundgesetz die freie Berufswahl garantiert, muss jeder Mensch, der die Fähigkeiten dazu hat, auch studieren können, was er oder sie will. Der Staat müsse dafür sorgen, indem er die Plätze schafft und, wenn sie einmal zu knapp werden, ihre faire Verteilung organisiert. Der „Numerus Clausus“ (NC) war geboren, und die Argumentation der damaligen Verfassungsrichter zeigt: Eigentlich sollte er die große Ausnahme bleiben.
Tatsächlich wurde aus dem Notbehelf der Normalfall. Derzeit konkurrieren 62.000 Bewerber um 11.000 Plätze, ein Verhältnis von fast 6 zu 1. In den Neunzigern lag es bei 2 zu 1. Und so ...
Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels
Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.
Neuen Kommentar hinzufügen