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"Unter Niveau"

Der SPD-Wissenschaftsexperte Ernst Dieter Rossmann nimmt Helmholtz & Co gegen die heftige Kritik aus FDP und Union in Schutz und warnt vor "einseitigen Schlachtrufen".

DIE VIER AUSSERUNIVERSITÄREN Forschungsorganisationen von Helmholtz bis Max Planck mussten sich zuletzt heftige Kritik aus dem Bundestag anhören. Sie seien "zu ganz schön fetten Katzen geworden“, befand der FDP- Wissenschaftspolitiker Thomas Sattelberger. Was die drei Prozent Budgetplus, die die Außeruniversitären jedes Jahr garantiert erhielten, "für Forschung und Gesellschaft insgesamt bringen, ist unklar." 

 

Wenig später hatte sich auch der forschungspolitische Sprecher der CDU-/CSU-Fraktion im Bundestag zu Wort gemeldet. Die bisherigen Leistungen der Forschungsorganisationen in Sachen Wissenstransfer "haben uns nicht überzeugt", sagte Albert Rupprecht. Es sei beispielsweise "alles andere als ein Erfolg, wenn die Helmholtz-Gemeinschaft im Jahr 2017 bei 38.000 Mitarbeitern gerade einmal 19 Ausgründungen vorweisen kann."

 

Jetzt reagiert Ernst Dieter Rossmann, der dem zuständigen Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung vorsitzt – und nimmt die Wissenschaftsorganisationen in Schutz. Diese als "ganz schön fette Katzen" abzuqualifizieren, sei "unter Niveau", sagt der SPD-Wissenschaftsexperte. "Sinnvolle Innovation lässt sich nicht mit Konfrontation vorantreiben." Pauschalisierungen seien falsch, Differenzierungen dagegen hilfreich. "Wer im Ausland mit der exzellenten Leistungsfähigkeit unserer Wissenschaftsorganisationen und unserer Hochschulen wirbt, kann diese im Inland nicht madig machen." 

 

Die Max-Planck- und die Fraunhofer-Gesellschaft, die Leibniz- und die Helmholtz-Gemeinschaft erbrächten hervorragende Leistungen mit weltweiter Bedeutung in der Wissenschaft, betont Rossmann: "von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung." Ein Output in Richtung Wirtschaft und Gesellschaft dürfe nicht einseitig nur an Anwendung und Dienstleistung festgemacht werden. "Transfer und Translation gehören dazu, aber sie sind nicht der alleinige Maßstab für exzellente Wissenschaft und Forschung. Deshalb: Planzahlen werden der Sache nicht gerecht."

 

Das mit den Planzahlen ist ein direkter Seitenhieb auf Rossmanns CSU-Kollegen Rupprecht, der für die Neuauflage des Pakts für Forschung und Innovation (PFI) verlangt hatte, "neue ehrgeizige und überprüfbare Zielvorgaben zu entwickeln, die sich an dem Output der internationalen Innovationshotspots ausrichten." Rossmann spricht demgegenüber von "Förderkonzepten und Förderperspektiven zur Ausgründung und Anwendung", die "können und müssen die Sache voranbringen."

 

Der PFI, über den Bund und Länder gemeinsam das regelmäßige Budgetplus für die Außeruniversitären finanzieren, steht zur Verlängerung an und wird in den nächsten Monaten zusammen mit sechs weiteren Pakten in der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) verhandelt. Der größte Brocken neben dem PFI ist der Hochschulpakt, über den zurzeit rund zwei Milliarden Euro Bundesgelder pro Jahr an die Hochschulen fließen, bislang vorrangig zum Aufbau zusätzlicher Studienplätze.  

 

Künftig wird allerdings eher mit stagnierenden oder sogar fallenden Studierendenzahlen gerechnet, weswegen Bund und Länder über eine Neuorientierung des Hochschulpakts nach 2020 diskutieren – dessen Entfristung die Große Koalition in ihrem Vertrag zugesagt hatte. Für die Mittelvergabe nach 2020 müsse die Devise "Qualität, Qualität, Qualität" gelten, hatte Unionssprecher Rupprecht hervorgehoben: "Das Geld soll dort ankommen, wo es den größten Mehrwert für eine qualitativ gute Ausbildung unseres Nachwuchses hat. Hierbei halten wir die Verbesserung der Betreuungsrelation für die wesentliche Weichenstellung."

 

Auch an dieser Stelle widerspricht SPD-Politiker Rossmann seinem Koalitionspartner deutlich. "Qualität, Qualität, Qualität als Schlachtruf für die Stärkung der Hochschulen in Lehre und Forschung wird der Sache nicht gerecht", sagt der Ausschussvorsitzende. Die Forderung von Rupprecht sei insofern einseitig. "Wir brauchen beides, nämlich die Sicherung der Quantität und des offenen Zugangs zu den Hochschulen und gleichzeitig die Förderung von Lehre und Forschung an den Hochschulen." Alle Verhandlungspartner, so Rossmann, sollten sich darauf einstellen, dass ein Kriterium allein zur Verteilung von zweistelligen Milliardenbeträgen nicht ausreichen werde, um "die Stärkung der allgemeinen Grundfinanzierung und die Impulse für gezielte Innovation zusammenzubringen."

 

Was Rossmann dann sagt, klingt wie eine Mahnung an Bundespolitiker wie Sattelberger und Rupprecht: "Verhandlungen funktionieren nicht als Diktat, sondern nur im Interessenausgleich und bei möglichst viel Übereinstimmung in den Zielen." Es gehe um ein gemeinsames, faires Ergebnis von Bund und Ländern, erst recht angesichts des knappen Zeitrahmens von zehn Monaten: Im April 2019 will die GWK die Pakte beschließen. "Mit einseitigen harten Ansagen“, sagt Rossmann, „können große gemeinsame Aufgaben auch schnell gegen die Wand gefahren werden."

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Kommentare: 4
  • #1

    Laubeiter (Montag, 02 Juli 2018 14:20)

    Rossmann spricht von den exzellenten Leistungen. Stimmt das im internationalen Vergleich?
    (1) Die Anteile begutachteter versus pauschaler Zuweisungenen für Forschung an /MPG, HGF, WGL, FHG/ und Universitäten: Die Außeruniversitären erhalten hohe Zuweisungen ohne Begutachtung. Die Universitäten beantraten ihr Geld bei der DFG, die nach Begutachtung vergibt. Wieso kein höherer Anteil begutachteter Mittel an /MPG, HGF, WGL, FHG/?
    2 Das System im D im Vergleich mit Systemen im Ausland - Wenn die Leistung des Systems Wissenschaft definiert wird als Veröffentlichungen pro Euro, liegt GB vor D in jeder Art von Metrik. Dies galt 1997 im Science paper von Robert May "Scientific Wealth of Nations", und es galt 2014 im Aufsatz "Potemkinsche Projekte" von Caspar Hirschi. Hirschi beschreibt, dass in GB Geld gemäss past merit an die fliesst, die veröffentlicht haben, während in Deutschland Geld gemäss bold announcements an die fliesst, die ankündigen zu forschen und zu veröffentlichen. Es steht dem BMBF frei, ihre Vergabe an /MPG, HGF, WGL, FHG/ umzustellen von pauschal auf past merit.

  • #2

    König (Dienstag, 03 Juli 2018 12:48)

    @Laubeiter: was Sie schreiben, ist zum Teil nicht richtig. Zumindest was die FhG anbelangt, wird die Höhe der Grundfinanzierung am Ertrag aus der Wirtschaft bemessen. Eine besseren Indikator für den Transfer in die Wirtschaft kann es nicht geben, in jedem Fall besser als die Anzahl der Ausgründungen.
    Sie verweisen auf die Hochschulen, die sich scheinbar stärker im Wettbewerb befinden als die außeruniversitären Einrichtungen. Auch das ist nicht ganz korrekt. Fraunhofer muss sich genauso um Drittmittel bewerben wie die Hochschulen, wobei Fraunhofer DFG- Mittel mehr oder weniger verwehrt so nd.
    Hochschulen haben halt eine komplett andere Kostenstruktur und verfügen ebenfalls über Grundfinanzierung aus Steuermitteln. Als Belohnugssystem Veröffentlichungszahlen zu nutzen ist bereits gängige Praxis und geht ebenso in die Auslastungsrechnung von Lehrstühlen ein wie Vorlesungen und betreute Abschlussarbeiten.

  • #3

    Laubeiter (Dienstag, 03 Juli 2018 14:17)

    @König: Es geht mir nicht im Indikatoren für Transfer in die Wirtschaft, den die FHG sicher leistet, sondern um das, was Rossmann Output in Richtung Wirtschaft und Gesellschaft nennt. Output kann man in begutachteten papers messen, oder? Ich weise darauf hin, dass die Universitäten, anders als /MPG, HGF, WGL, FHG/, keine automatischen Etats für Forschung erhalten sondern diese durch begutachtete Mittel der DFG finanzieren, und deshalb sehe ich sie in stärkerem Wettbewerb als die genannten Außeruniversitären. Meinen Sie vielleicht, dass FHG Institute untereinander in einem internen Wettbewerb um ihren Anteil am Bundesanteil der FHG stehen?

  • #4

    Schneider (Mittwoch, 04 Juli 2018 18:12)

    @Laubeiter: kommen Sie mal in München bei der FhG vorbei, die lachen sie nur aus! Publikationen sind doch kein moderner Maßstab!