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Missing the Point: Die Debatte über die Anwesenheitspflicht

Die eigentliche Frage lautet, warum Studierende freiwillig Lehrveranstaltungen verpassen. Von Jeffrey Peck.

Jeffrey Peck. Foto: privat.

"NRW will zurück zur Anwesenheitspflicht in Lehrveranstaltungen", berichtete der Berliner Tagesspiegel am 22. April 2019. Das Berliner Hochschulgesetz überlasse es dagegen den Hochschulen, "eine Anwesenheitspflicht zu verhängen oder nicht."

 

Die Debatte ist nicht nur in Nordrhein-Westfalen wieder aufgeflammt: Sollen Studierende gezwungen werden, an Lehrveranstaltungen teilzunehmen? Ich will ehrlich sein. Als amerikanischer Professor, der in Deutschland und den USA studiert und gelehrt hat, interessiert mich der Streit um die Anwesenheitspflicht nicht besonders. Zumindest nicht die offensichtliche Frage, ob sie nun in NRW eingeführt wird oder nicht. Bemerkenswert finde ich dagegen die Themen, die sich dahinter verbergen, weil sie – wie ich glaube – viel wichtiger sind. Ich rede von der Qualität der Lehre und von der Motivation der Studierenden.

 

Die eigentlich spannende Frage ist doch nicht, ob Anwesenheitspflichten gut sind oder schlecht. Die eigentlich spannende Frage lautet: Warum müssen Studierende überhaupt verpflichtet werden, an Vorlesungen oder Seminaren teilzunehmen? Noch direkter gefragt: Warum wollen sie nicht freiwillig dabei sein, aus "ureigenem Interesse" sozusagen?

 

Sind die Studierenden wirklich, wie eine Anwesenheitspflicht impliziert, uninteressiert, ja faul? Ist das Studium für sie nur eine lästige Pflicht? Oder gibt es andere Gründe, warum Studierende Lehrveranstaltungen fernbleiben?

 

Lohnt es vielleicht den Blick zu weiten – auf den Lehrbetrieb als Ganzes? Inwieweit liegt die beklagte studentische Abwesenheit an Professoren und Dozenten, die ihre Lehrinhalte und Kurse nicht interessant oder herausfordernd genug vermitteln, so dass Studierende sich das für Prüfungen erforderliche Wissen lieber im Selbststudium anzueignen?

 

Keine dieser Fragen ist wirklich neu. Und mir geht es auch nicht um Schuldzuweisungen. Das Problem, auf das ich hinweisen möchte, liegt vielmehr im gesamten System begründet, nicht in der einen oder anderen Person oder Fakultät. Nie ist mir dies so deutlich geworden wie in den Jahren, in denen ich selbst an zwei deutschen Universitäten unterrichtet habe. 

 

Keine so positive Erfahrung. Erstens musste ich akzeptieren, dass sich die Studenten_innen von sich aus sehr oft nicht verpflichtet fühlten, überhaupt dabei zu sein; und zweitens - wenn sie anwesend waren - dass sie die relevanten Texte (die von mir für jede Woche vorgegebene und erwartete Lektüre) nicht oder nur unzureichend gelesen hatten und daher nicht wirklich am Seminar teilnehmen und davon profitieren konnten.


JEFFREY D. PECK war über viele Jahre Wissenschaftsmanager in den USA. Jetzt lebt er in Deutschland und arbeitet als Berater im Hochschulbereich. Über seine Erfahrungen und Einsichten schreibt er einmal im Monat hier im Blog.


Für mich gehören Diskussionen unter Beteiligung aller zu meinem pädagogischen Grundverständnis einer gelungenen Lehrveranstaltung und ja, des Lehr- und Lernprozesses insgesamt. Deshalb ging ich auch zu Beginn meiner ersten Gastprofessur an einer deutschen Universität davon aus, dass die Studierenden vorab die relevanten Texte lesen und eine Motivation mitbringen würden, sich im Seminar mit mir und untereinander in einen Austausch zu begeben. War meine Erwartung zu hoch? Ist es unfair, sich diese Art der Vorbereitung und Teilnahme zu wünschen? War ich - aus einem anderen Bildungssystem kommend und ohne dieses idealisieren zu wollen - ganz einfach verwöhnt?

 

In den USA müssen fast alle Studierenden für ihr Studium bezahlen; fühlen sie sich deshalb vielleicht verantwortlicher, die geforderte Arbeit zu leisten? Schärfer formuliert: Sind sie motivierter, weil sie jobben müssen, um die Kosten ihres Studiums zu bezahlen, statt das Geld für den Semesterurlaub in Sardinien oder Indien zu verdienen?

 

Mein Zynismus richtet sich auch auf die USA, wo Studierende genau wie hierzulande ihr Studium immer stärker als Mittel zum Zweck sehen. Es geht ihnen nicht mehr um die Inhalte, sondern nur darum, schnell und mit möglichst wenig Aufwand Karriereziele zu erreichen, sie zeigen immer weniger wirkliches Engagement, obwohl sie zugleich für das Studium immer mehr bezahlen müssen. Aber bei allen berechtigten Klagen: Wir sollten vor allem auch uns, die Professoren und Dozenten, nicht aus der Verantwortung entlassen.

 

Weil wir oft nicht "peppig" genug sind, wie ein Student vom Tagesspiegel zitiert wird. Man mag eine solche Wortwahl mögen oder nicht, fest steht: Zu allererst wir sind verantwortlich, unsere Kurse interessant und lebendig zu gestalten, um unsere Studierenden so zu stimulieren und weiter zu bringen. Eine Vorlesung einfach abzulesen, ist vielleicht einfacher, aber - und das eine Stunde lang - nicht besonders faszinierend.

 

Doch ich möchte an dieser Stelle noch grundsätzlicher werden und über die Wahrnehmung und Bewertung der Lehre reden. Über ein Hochschulsystem, das diesen Bereich nicht ausreichend unterstützt und das deshalb an dieser Stelle neu konzipiert werden sollte. Ich habe diesen Missstand bereits in einem früheren Blogpost ("To Teach or Not to Teach") angesprochen und wiederhole mich aufgrund der Wichtigkeit an dieser Stelle ganz bewusst: Die Lehre ist eine Kernaufgabe der Hochschule.

 

Sogar in den USA, wo teaching weiterhin ein wichtiger und anerkannter Bestandteil des Hochschullebens und -diskurses ist, versuchen viele Professoren, den Anteil ihrer Lehrverpflichtung zu reduzieren, obwohl ihr Lehrdeputat oft schon deutlich geringer als in Deutschland ist. Nichtsdestotrotz hängt in den Staaten der Zugang zu einer Anstellung auf Lebenszeit, das sogenannte tenure, auch von der Leistung in der Lehre und deren Bewertung seitens der Kollegen und Studierenden ab.

 

Ja, es gibt in Deutschland schon seit 2010 den Qualitätspakt Lehre (QPL). Darüber hinaus gibt es Programme für zusätzliche Professorenstellen und allerlei andere Förderungen und Sonderinitiativen. Alles gut und wichtig. Aber vielleicht bin ich ja old-fashioned, wenn für mich die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden – im Alltag heißt das Zeit, Interesse, Fokus, Betreuung – ein Zentralpunkt der Bildung bleibt.

 

Erst dieser persönliche Austausch schafft die ganz besondere Art von pädagogischer Bindung, mit gegenseitiger Anerkennung und Respekt, weil man einander als Menschen, nicht nur als "Funktionen" kennt. Durch so einen Austausch erwächst auch Freude und Spaß aus und an der Lehre. Kein Wunder, dass ein metric, ein relevanter Gradmesser, in der amerikanischen Hochschulbildung die student/faculty ratio ist. Mein Standpunkt hierzu ist ziemlich radikal und zugleich sehr einfach: Nur mit einer spürbaren Reduzierung der Studierendenzahl pro Unterrichtendem wird man auch in Deutschland eine Verbesserung der Lehre erreichen und damit einen neuen, einen besseren pädagogischen Kontext schaffen.

 

Und wenn man unbedingt über Anwesenheit sprechen will, dann bitte über die intellektuelle Präsenz, ein Anwesend-Sein im besten Sinne. Das ist nicht nur ein feiner, sondern auch der grundlegende Unterschied.

 

Im Grunde genommen liegt die Lösung also in einer neuen Wertschätzung und mehr Verantwortungsgefühl für die Lehre bei allen Beteiligten: bei den Professoren/Dozenten, den Studierenden und, nicht zu vergessen, dem "System" der Hochschulverwaltung, einschließlich Gesetzgebung und Finanzierung. Nur dann, in solch einem tragfähigen Kontext, wird ein gemeinsamer Dialog, ein wirklich kollaborativer Austausch von Lehren- und Lernenden möglich sein. Auch ohne formale Anwesenheitspflicht. 

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Kommentare: 9
  • #1

    McFischer (Dienstag, 07 Mai 2019 09:53)

    Mit eigener Lern- und Lehrerfahrung in Deutschland, Irland und den USA kann ich der Beschreibung im Blog-Beitrag voll zustimmen. Mein Eindruck war, dass es im Anglo-Amerikanischen Hochschulraum einfach als persönlicher Affront angesehen wird, zu einer Veranstaltung - insbesondere im eher kleineren Rahmen, also Seminare etc. - nicht zu kommen. An deutschen Universitäten kommt man oder auch nicht, liest vorher was oder auch nicht, beteiligt sich oder auch nicht...
    Die Gründe mögen unterschiedlicher Art sein - im Ergebnis waren die Veranstaltungen im Ausland allein durch die intensive Mitarbeit für mich weit, weit ertragreicher, als die erlebten und gegebenen in Deutschland. (Auch hier gilt: in der Summe, denn natürlich habe ich auch in D tolle, engagierte Studierende erlebt).
    Letztlich ist es für mich eine gegenseitige Verpflichtung: Lehre und Studierende sollten Lehre und Studium ernst nehmen. Wenn sich Lehrende gut vorbereiten, engagiert sind - dann sollten auch Studierende das würdigen.

  • #2

    tutnichtszursache (Dienstag, 07 Mai 2019 14:04)

    Vorweg: Folgendes ist kein Studenten-Bashing! Im Gegenteil nehme ich die Heterogenität und Diversität der Studierendenschaft äußerst ernst; eine empirische Realität ist sie ohnehin.
    Zu dieser Realität gehört, dass sehr viele Studierende engagiert, intelligent und motiviert sind. Aber eben auch, dass gleichermaßen sehr viele dies nicht sind. Um diese Teilmenge geht es im Folgenden. Diese Menschen haben sich eingeschrieben, weil man das so macht, weil es so einfach ist, weil man ein Recht darauf hat (Hochschul"zugangsberechtigung"), weil es nichts kostet, weil man ein Semesterticket bekommt und ggf. weitere Sozialleistungen, weil man irgendeinen gesellschaftlichen Status braucht. Manchen von diesen fehlen auch die intellektuellen Voraussetzungen für ein Studium - ein eher schlechtes Abi aus eher wenig leistungsorientierten Bundesländern stellt diese Zugangsvoraussetzung nicht sicher.
    Solange es diese (in sich wiederum sehr heterogene) Gruppe an Studierenden in großer Zahl gibt (und die Politik macht leider keine Anstalten, daran etwas zu ändern), bedarf es der Anwesenheitspflicht in gewissem Umfang, um zumindest basale Lernfortschritte zu sichern und einen Mindestmaß an Respekt den Lehrenden gegenüber herzustellen.
    Traurig - aber gefühlt ein Drittel der Studierenden (in der Medizin weniger, in den großen geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern deutlich mehr) ist nicht an Wissenschaft interessiert und gehört an sich nicht an die Hochschule.

  • #3

    Klaus Diepold (so viel Name soll sein) (Dienstag, 07 Mai 2019 15:09)

    Lieber Herr Peck,

    vielen Dank für den Beitrag den ich persönlich sehr "on the spot" sehe.

    Ein Aspekt, der mich in diesem Zusammenhang oft beschäftigt ist die Frage nach der Haltung der Lehrenden gegenüber den Lernenden. Ich sehe darin einen wesentlichen Punkt, der weitreichenden Einfluß auf das Engagement und die Präsenz der Studierenden hat.

    In welchem Umfang betrachten die Lehrenden die Studierenden als Erwachsene, als mündige und selbstverantwortliche Bürger, als ernstzunehmende Gesprächspartner? Wie oft begegnen Studierende einem Lehrpersonal dem es gelingt die Geringschätzung gegenüber den Studierenden, den Nichtswissenden, den Empfangenden spürbar zu machen?

    Die Lehre ist die Hauptaufgabe der Hochschulen. Die Berufsbezeichnung für Professoren heisst "Hochschullehrer" und nicht "Hochschulforscher". Daran sollten wir uns alle regelmäßig erinnern und prüfen mit welcher inneren Haltung wir im Hörsaal den Studierenden begegnen.

  • #4

    Steffen P (Dienstag, 07 Mai 2019 21:46)

    Dear Jef,
    dieser Ansatz BEIDE an der Lehrveranstaltung in die Verantwortung zu nehmen ist sehr richtig! Aktive Studierende zu fördern durch heraus-fordern halte ich für den guten Ansatz beide Beteiligte positiver aus einer Lehrveranstaltung gehen zu lassen. Dafür braucht es in D Zeit, aber auch den Mut diesen Paradigmenwechsel einzufordern. Dem stelle ich mich gerne! Viele Grüße Steffen

  • #5

    Fakten tun immer was zur Sache (Mittwoch, 08 Mai 2019 21:51)

    Bei aller Berechtigung zu Kritik an Studierenden - bei der Wahrheit sollte man bleiben, weshalb mich obiger Beitrag sehr ärgert: "Diese Menschen haben sich eingeschrieben, weil man das so macht, [...], weil man ein Semesterticket bekommt und ggf. weitere Sozialleistungen [...]"

    In dieser Aufzählung mag Vieles stimmen, aber wem es darum geht sich Sozialleistungen zu erschleichen, der geht nicht an die Uni. BaFöG ist (in aller Regel) an Bedürftigkeit und (immer) an Studienerfolge geknüpft, weder auf Arbeitslosengeld noch Hartz IV kann man als Studierender allgemein Anspruch erheben. Auch ein Semesterticket will bezahlt sein, und ohne den richtigen NC ist es "so einfach" eben nicht, sich für sein Wunschfach zu immatrikulieren - sonst würden weit weniger Studierende sich zunächst für wenig geliebte Fächer einschreiben in der Hoffnung, später wechseln zu können.

    Wer chillen will und Bier trinken, der geht zum Amt, nicht zur Uni. So viel Korrektheit in der Debatte muss sein.

  • #6

    Madita Heubach (Donnerstag, 09 Mai 2019 09:42)

    Als Student hat man in vielen Studiengängen das Problem, dass man zu viel "Stoff" und zu kurzer Zeit schaffen soll. Wenn man sich nachhaltig mit den Inhalten auseinandersetzen möchte, muss man zwangsläufig "selektieren", welche Texte in welcher Woche "wichtiger" sind für den Studienerfolg. Wenn man innerhalb einer Woche mehr als sechs Veranstaltungen besuchen muss und jede Veranstaltung schon 30 Seiten Text pro Woche verlangt: Wann soll man das schaffen? Schließlich habe ich als Lernender auch den Anspruch, die Texte nicht nur zu lesen, sondern auch zu verstehen. Man muss die grundsätzlichen Strukturen der Hochschullehre ändern.

  • #7

    Michael Craanen (Donnerstag, 09 Mai 2019 11:00)

    Ich habe vor ein paar Jahren eine kleine interne explorative Studie am KIT zur Anwesenheit von Studierenden in Pflichtveranstaltungen mit Klausuren durchgeführt. Da ich damals zuständig für den Aufbau und Betrieb einer fakultätsübergreifenden Lehrveranstaltungsevalation am KIT war, wollte ich v.a. überprüfen, ob es sich bei der Nichtanwesenheit von Studierenden in Pflichtveranstaltungen um eine "Abstimmung mit den Füssen" aufgrund der mangelnden Qualität von einzelnen Veranstaltungen handelt.

    Daraus habe ich Hypothesen gebildet, die deutlich komplexere Ursachen aufzeigen, als ein einfaches Qualitätsproblem von Veranstaltungen. Zur Anregung der Diskussion hier die Ergebnisse:


    Hypothesen zur Anwesenheit von Studierenden in Pflichtveranstaltungen mit Klausuren

    1. Die Anzahl der Pflichtveranstaltungen in einem Semester beeinflusst die Teilnehmerzahl einzelner Veranstaltungen. Je mehr Veranstaltungen besucht werden müssen, desto mehr werden Strategien entwickelt, um die Belastung (bzw. empfundene Überlastung) zu reduzieren. Anhand von selbst gesetzten Prioritätenlisten, welche Veranstaltungen unbedingt zur Erfüllung der Semesteranforderungen besucht werden müssen, werden Auswahlen getroffen.

    2. Werden ergänzend zu einer Veranstaltung Tutorien angeboten, sinkt die Bereitschaft zur Teilnahme an der Vorlesung. Die Motivation sinkt weiter, wenn in den Tutorien der Vorlesungsstoff ausführlich wiederholt wird und das Tutorium geeignet ist, die Vorlesung zu ersetzen und nicht nur zu ergänzen.

    3. Die Möglichkeit, sich über ein Selbststudium auf die Klausuren vorbereiten zu können, senkt die Teilnehmerzahlen erheblich. Die Motivation an einer Pflichtveranstaltung teilzunehmen wird dabei insbesondere durch folgende Aspekte beeinflusst, die die Möglichkeiten des Selbststudiums verbessern:

    3.1 Die Qualität des Skripts: je besser das Skript auf die Klausuren vorbereitet, desto weniger Studierende gehen in die Veranstaltung.

    3.2 Durch ergänzende eLearning-Angebote: je besser die Online-Materialien aufbereitet sind und auf die Klausuren vorbereiten, desto weniger Studierende gehen in die Veranstaltung. Insbesondere online zugängliche klausurähnliche Übungsaufgaben inklusive Lösungen senken die Motivation zur persönlichen Teilnahme.

    3.3 Der Grad der Standardisierung der Veranstaltungsinhalte: je höher der Grad der inhaltlichen Standardisierung des Themas ist, desto mehr werden von den Studierenden allgemeine Fachbücher und Veranstaltungsmaterialien (z.B. externe Skripte, Vorlesungsvideos) zum selben Thema aus anderen (internationalen) Universitäten eingesetzt, um sich auf die Klausur vorzubereiten und desto weniger Studierende gehen in die Veranstaltung.

    4. Die Anwesenheit von Studierenden ist abhängig vom Semester. Studierende in der Studieneingangsphase trauen sich noch nicht, einer Pflichtveranstaltung fern zu bleiben. Ab dem zweiten Semester steigt die Bereitschaft zum Fernbleiben erheblich.

    5. Wenn ausreichend Möglichkeiten zum Selbststudium vorhanden sind, die das Bestehen der Klausuren ohne den Besuch der Veranstaltung ermöglichen, wird die Höhe der Teilnehmerzahl bei Studierenden ab dem 2. Semester durch folgende Aspekte beeinflusst:

    5.1 Sympathische/r Lehrende: Lehrende, die eine hohe Sympathie bei den Studierenden genießen, haben höhere Teilnehmerzahlen in Ihren Veranstaltungen.

    5.2. Didaktische Kompetenz: Lehrende, mit einer hohen didaktischen Kompetenz, haben höhere Teilnehmerzahlen in Ihren Veranstaltungen.

    5.3 Grad der Abstraktion der Inhalte der Veranstaltung: Veranstaltungen mit abstrakten Inhalten haben niedrigere Teilnehmerzahlen (In Frontalvorlesungen lassen sich sehr abstrakte Inhalten den Studierenden nur schwer vermitteln. Individuelle Verständnisprobleme bestehen an sehr unterschiedlichen Stellen und erschweren das Schritthalten mit dem Tempo der Veranstaltung. Die Frustration darüber senkt die Motivation zur Teilnahme).

    5.4 Veranstaltungen mit aktuellen Bezügen (Forschung, Politik, neue Entwicklungen) haben höhere Teilnehmerzahlen.

    5.5 Tag und Uhrzeit der Veranstaltung: a) Veranstaltungen, die nach oder vor freien Tagen (Montag und Freitag) stattfinden haben niedrigere Teilnehmerzahlen. b) Beginnt die Veranstaltung früh morgens, hat sie deutlich niedrigere Teilnehmerzahlen. c) Beginnt die Veranstaltung spät nachmittags, hat sie niedrigere Teilnehmerzahlen. Wird a) mit b) oder c) kombiniert, sinkt die Teilnehmerzahl weiter.

  • #8

    Mannheimer Studi (Montag, 13 Mai 2019 14:11)

    „Solange es diese (in sich wiederum sehr heterogene) Gruppe an Studierenden in großer Zahl gibt (und die Politik macht leider keine Anstalten, daran etwas zu ändern), bedarf es der Anwesenheitspflicht in gewissem Umfang, um zumindest basale Lernfortschritte zu sichern und einen Mindestmaß an Respekt den Lehrenden gegenüber herzustellen.“

    Interessante Perspektive. Ich hätte ja gedacht, dass die angesprochenen „Problemstudis“ diejenigen sind die nicht hingehen. So kommt die gewünschte Selektion dann eben hintenrum. Und die soll jetzt mit einer Pflicht aufgehoben werden?
    So ganz durchdacht scheint mir diese Argumentation nicht zu sein.

  • #9

    Mathias Magdowski (Montag, 13 Mai 2019 15:05)

    Ich sage gern, dass gute Lehre genau dann passiert, wenn Lernende und Lehrende aus ihrer jeweiligen "Komfortzone" herauskommen.