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Kostbare Medizin

Wenn sich die KMK-Amtschefs diese Woche treffen, werden sie ausführlich über Geld reden – und den Preis für die Reform der Medizinerausbildung. Dazu liegen Kostenschätzungen vor.

DIESE WOCHE bereiten die Amtschefs der Kultusministerien die Sitzung ihrer Chefs im Oktober fest. Neben der versprochenen Reform der Kultusministerkonferenz (KMK) stehen weitere brisante Themen auf der Tagesordnung.

 

Neue Approbationsordnung macht
Zahnarzt-Ausbildung teurer

 

Zum Beispiel die Novelle der Approbationsordnung für Zahnärzte, die eine Erhöhung der Semesterwochenstundenzahl auf 295 erforderlich macht – und damit die Kosten pro Studienplatz um gut 26.000 Euro nach oben treiben würde. So hat es der Medizinische Fakultätentag (MFT) im Auftrag der KMK errechnet, wobei es noch teurer ginge – die 26.000 Euro ist die vom MFT empfohlene Mindestversion. Die Kultusminister wollen den Mehraufwand für die Lehre nämlich in möglichst vertretbaren Grenzen halten. Schon so beziffert der MFT die Mehrausgaben für die rund 2100 Zahnmedizin-Studenten auf 54,6 Millionen Euro. Auf Dauer. Die KMK will deshalb zur Finanzierung unbedingt den Bund ins Boot holen. 

 

Mindestens eine Viertelmilliarde mehr
für den Masterplan "Medizinstudium 2020" – pro Jahr

 

Noch teurer wird die Reform der Humanmedizin-Studiengänge, wie sie von Bund und Ländern mit dem "Masterplan Medizinstudium 2020" beschlossen wurde. Auch hierzu hat der MFT eine Kostenschätzung vorgelegt, die, so betonen die Experten, allerdings bislang nur näherungsweise möglich sei. Zu den einmaligen Transformationskosten von rund 130 Millionen Euro ergeben sich demnach dauerhaft Mehrkosten von 22.000 bis 28.000 Euro pro Erstsemester-Studienplatz und Jahr, wobei der MFT nur für den höheren Wert eine wirtschaftlich ausreichende Deckung für die Lehrpraxen und damit die Lehre sichergestellt sieht. Hochgerechnet auf die Gesamt-Studentenzahl lägen die Mehrkosten bei rund einer Viertelmilliarde Euro pro Jahr, zusätzlich erforderliche Investitionen nicht eingerechnet. Auch hier drohen langwierige Verhandlungen mit dem Bund und speziell dem Bundesgesundheitsministerium. 

 

Systempauschale für
die Universitätsklinika?

 

Das Thema Medizin und Geld bleibt auch sonst für die Wissenschaftsseite in der KMK beherrschend. Nicht nur weil mittelfristig unter anderem die Finanzierung von Hebammenstudiengängen, der Reform der Psychotherapeutenausbildung und allgemein die Akademisierung der Gesundheitsberufe gesichert werden muss. Darüber hinaus sind Experten eigentlich schon lange der Meinung, dass die rund 11.000 Medizin-Studienplätze nicht ausreichen werden. Doch es gibt einen noch größeren Brocken, den die Amtschefsrunde debattieren will: die Finanzierung der Universitätskliniken – eine besonders kontroverse Frage. Als universitäre Maximalversorger seien nur Universitätskliniken in der Lage, überdurchschnittlich häufig schwere und seltene Erkrankungen zu behandeln, auch böten sie "ein vollständiges und umfassendes medizinisches Behandlungsspektrum an, das nicht mit anderen Krankenhäusern zu vergleichen ist", heißt es in der KMK-Vorlage. Diese "Sonderrolle" der Unikliniken im deutschen Gesundheitswesen erfordere einen sogenannten "Systemzuschlag" durch die Gesundheitspolitik – was das Bundesgesundheitsministerium in der Vergangenheit abgelehnt hatte. Doch seither getroffene Maßnahmen hätten nicht ausgereicht, argumentiert der KMK-Text nun, daher gebe es Überlegungen in einzelnen Ländern, im Bundesrat eine neue Initiative für eine bessere Finanzierung der Universitätskliniken zu ergreifen. Allerdings müsste man davon zunächst auch die Landesgesundheitsminister überzeugen – und genau darüber wollen die Amtschefs reden. Das Thema ist für die Wissenschaftspolitik virulent: Geld, das sie in die Patentienversorgung an den Unikliniken schießen müssen, fehlt wiederum in der Förderung von Forschung und Lehre. Ein Milliarden-Ringen deutet sich an. 


Spannend ist auch, wie es mit der Reform der Studienplatzvergabe in der Medizin weitergeht. Hier deutet sich eine Verlängerung des Provisoriums an – noch bevor es begonnen hat. Den Artikel mit den Hintergründen finden Sie hier.

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Kommentare: 1
  • #1

    Victor Ehrlich (Sonntag, 22 September 2019 13:56)

    Bei der Diskussion um die Studienplatzkosten im Fach Humanmedizin sollte man im Hinterkopf behalten, dass derzeit ein Teil der ausschließlich für Forschung und Lehre vorgesehenen Budgetmittel für kurative Tätigkeiten in den Unikliniken zweckentfremdet wird. Das Geld kommt nie bei den Studierenden an und dementsprechend schlecht ist die Ausbildung. Wer sich mit Ärzten, Vorstandsreferenten und den Zuarbeitern der Kaufmännischen Geschäftsführer unterhält, erfährt vieles. Leider begeben sich nicht viele Journalisten in diese Gefilde und so bleibt es bei der rechtswidrigen Bezuschussung medizinischer Leistungen, für die eigentlich Krankenkassen und in zweiter Linie der Staat aufkommen müssten.