Direkt zum Inhalt

Sträflich versagt

HPI-Chef Christoph Meinel über Kultusminister, die ihre Schulen im Stich lassen, den leichtfertigen Umgang mit persönlichen Daten – und die heftige Kritik an der HPI-Schul-Cloud.

Bild
Artikelbild: Sträflich versagt

Der Informatikprofessor Christoph Meinel , 66, ist Institutsdirektor und CEO des Hasso-Plattner-Instituts. Seit das HPI zur Universität Potsdam gehört, ist er zugleich Dekan der Digital Engineering Fakultät. Foto: HPI/Kay Herschelmann.

Herr Meinel, herrscht an vielen Schulen gerade Wildwest in Sachen Datenschutz ?

Persönlich würde ich es so sicher nicht formulieren, aber inhaltlich beschreiben Sie die Zustände damit recht gut. Zum Glück gibt es eine große Zahl von Lehrkräften, die sich auch durch die widrigsten technischen Voraussetzungen nicht davon hat abhalten lassen, für ihre Schülerinnen und Schüler nach digitalen Lerngelegenheiten zu forsten. Die Not in Zeiten der Schulschließungen ist allerdings so groß, dass viele sich dabei keine Gedanken machen, ob die Apps und Inhalte auch datenschutzkonform oder rechtswidrig eingesetzt werden.

Werfen Sie das den Lehrern vor?

Das werfe ich nicht den Lehrkräften vor, sondern den Schulbehörden. In einem Unternehmen muss der Arbeitgeber für den Arbeitsschutz sorgen, und im Bereich der Schule gehört dazu, dass ich im Unterricht Lehrkräften einen rechtskonformen Umgang mit digitalen Inhalten ermögliche. Da haben viele Bundesländer und Schulbehörden sträflich versagt und lassen ihre Lehrkräfte und Schüler sehenden Auges rechtswidrig agieren.

Mit welchen Folgen?

Die Debatten über den Datenschutz bewegen sich in Deutschland abstrakt immer auf einem enorm hohen Niveau, doch wenn man sich anschaut, wie die Menschen sich dann im Netz bewegen, ist von diesem Anspruch nichts zu spüren. Womöglich liegt das an der großen Unkenntnis über das, was etwa moderne Lernsysteme an Daten abgreifen. Ich rede nicht vom Download eines PDF, eines Videos oder einer Landkarte. Aber sobald Sie ein Lernprogramm öffnen, das interaktiv mit Ihnen Englischvokabeln trainiert, merkt sich das System genau, an welcher Stelle Sie gescheitert sind – und speichert diese Informationen bis zum nächsten Mal, wenn Sie sich anmelden. Um Ihnen dann Aufgaben zu stellen, die gezielt Ihre Schwächen adressieren. Wo liegen Ihre Nutzerdaten bis dahin? Wer verwaltet sie? Wer hat Zugriff darauf? Die meisten Leute fragen sich das nicht einmal. Und da sind Lehrkräfte und ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

scheppler | Mo., 20.04.2020 - 18:52
Teil 1:

Es ist schon beachtlich, dass das HPI seine Lösung als die einzig datenschutzkonforme anpreist:

"Wenn Sie das aber machen, stehen Sie wieder vor dem Dilemma, dass personenbezogenen Daten unrechtmäßig verarbeitet werden."



Auf welcher Grundlage nach Artikel 6 DSGVO verarbeitet denn das HPI bzw. die im Sinne der DSGVO verantwortlichen Schulen dort die personenbezogenen Daten? Nach eigenen Angaben (https://blog.schul-cloud.org/einwilligungskonzept-der-hpi-schul-cloud/) geschieht das über Einwilligungen nach Absatz 1, lit. a. Mit Verlaub: Das kann auch jeder andere Anbieter auf dem Markt - bis hin zu Moodle als vollwertige OpenSource-Alternative zur HPI-Cloud. Und man mag sich gar nicht vorstellen, wie bereits existierende ...

#2 -

scheppler | Mo., 20.04.2020 - 18:53
Teil 2:

Wenn man aber mal versucht etwas Transparenz in z.B. die Förderanträge zu bekommen (keine einfache Sache, da das HPI zumindest meine Transparenzanfrage dahingehend zurückgewiesen hat und keine Einsicht gewährt hat) und sich die Präsentationen des HPI anschaut, sieht man dann doch, wo die möglichen Alleinstellungsmerkmale liegen könnten:



- Marktschaffung: Das HPI setzt mit seiner Plattform nicht unwesentlich darauf, einen Vermarkungskanal für Unterrichtsmaterialien zu schaffen. Verlagen, Startups, kommerziellen Dritten allgemein gesprochen soll es ermöglicht werden, über die HPI-Schulcloud direkten Zugang in Schule, zu Lehrer*innen und/oder Schüler*innen zu erhalten. Dieser „Marktplatz“ soll auch für OER (Open Educational Ressources) zur Verfügung ...

#3 -

Jörg Ludwig, I… | Mo., 20.04.2020 - 20:37
Hier werden leider unwahre Behauptungen verbreitet.



Selbstverständlich ist der IServ Schulserver vollständig datenschutzkonform. Wir arbeiten bereits seit Anfang 2013 eng mit dem ULD Schleswig-Holstein zusammen. DSGVO war für uns nur noch Formsache, da unsere Software schon vorher alle Vorgaben erfüllt hat. Falls der Server lokal in der Schule betrieben wird und der Kunde keine Fernwartung wünscht, ist nicht mal ein AV-Vertrag erforderlich.



Auch Angebote von Drittanbietern können bei IServ problemlos per OpenID / OAuth integriert werden, seit Oktober 2017 auch pseudonym.

#5 -

DigiOnline Gmb… | Mi., 22.04.2020 - 13:59
Wir widersprechen der Behauptung, dass einzig die HPI Schulcloud den Schutz personenbezogener Daten voll gewährleiste.

WebWeaver wird seit vielen Jahren als Schulcloud/Lernplattform von zahlreichen Schulen, Schulträgern und Ländern genutzt bzw. selbst betrieben - selbstverständlich unter Einhaltung der Vorgaben der DSGVO.

https://www.webweaver.de/datenschutz_schule
https://www.webweaver.de/school

#6 -

Bergander | Do., 23.04.2020 - 13:05
Ich verstehe, offen gesagt, die Aufregung hier nicht ganz: Die Regierung als Auftraggeber sorgt doch bei der Schul-Cloud dafür, dass alle Beteiligten diskriminierungsfrei Zugang zu digitalen Bildungsmedien haben, durch Pseudonymisierungs- und De-Pseudonymisierungs-Techniken die entsprechenden Grundsätze des Datenschutzes gewahrt bleiben und möglichst wenige Schülerdaten gesammelt werden. Das sichert die Bildungshoheit und digitale Souveränität.

Und wenn ich das Interview richtig gelesen habe, spricht der Entwicklungschef der Schul-Cloud ja gar keinem Produkt ab, datenschutzkonform zu sein. Er betont vielmehr, dass durch die Pseudonymisierungs-Technik beliebige Lernsoftware aus dem Internet datenschutzkonform über die Schul-Cloud genutzt werden kann. Hier scheint mir der Knackpunkt zu liegen, bei ...

#7 -

Bernd | Mo., 27.04.2020 - 16:52
"Und dieser gesetzeskonforme Einsatz ist, so gut deren Produkte auch sein mögen, bei Google oder Microsoft nicht gegeben." Genau so ist das. Ich mag mir gar nicht vorstellen, dass Aufsätze von Schulkindern, deren Lernprofile, Stärken, Defizite, oder Beurteilungen von Lehrkräften, bei US Konzernen landen. Das geht überhaupt gar nicht. Wollen wir zudem unsere gesamte schulische Bildung abhängig machen vom Good Will einer US-Administration, die vor nicht mal einem halben Jahr erst bewiesen hat, wie schnell man in der Lage ist einem ganzen Land einfach mal komplett die Kreativwirtschaft abzuschalten, indem man ADOBE verpflichtet, seine Cloud für gesamt Venezuela einzustellen. Die ...

#8 -

Kay Gollhardt | Mi., 29.04.2020 - 01:17
Am Ende muss sich der Staat doch fragen, ob Bildungsclouds gezielt unter die staatliche Hoheit fallen sollen oder ob privatwirtschaftliche Anbieter das Feld übernehmen können. Ich meine der Staat sollte hier präsent sein, er muss aber auch die enormen Anforderung stemmen können. Die Länder haben viele Jahre versucht Plattformen und Clouds zu etablieren und waren damit fast überall überfordert. Viele halbfertige Lösungen, mit mäßiger Usability und kaum Nutzeraufkommen. Es ist ja auch Irrsinn das Rad 16 mal erfinden zu wollen. Eine Verschwendung von Geld und Zeit. Auch Know How lässt sich so kaum konzentrieren und weiter ausbauen. Dass nun der ...

#9 -

Marcus | Do., 11.06.2020 - 18:28
Die HPI Cloud hat viele Vorteile. Ja ich bin bekennender Fan der HPI Cloud!

In der Corona Krise haben wir diese in unserer Schule eingeführt und waren echt begeistert über die intuitive Bedienung. Selbst nicht ganz so technikaffine Kolleg*innen konnten mitgenommen werden.

Außerdem ist es hier endlich mal eine Lösung ohne, dass der IT Beauftragte ständig herumfrickeln muss und Ressourcen verschwendet! Diese kommen nun bei den Schüler*innen an! Der Support ist einfach ein Traum.



Wir schlagen uns als Schule seit 20 Jahren mit halbgaren Lösungen rum die außer Geld und Zeit zu kosten nichts gebracht haben. Die HPI Schulcloud hingegen ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Noch 'ne Idee

Noch 'ne Idee

Kürzere Sommerferien? Gleiche digitale Endgeräte für alle Schüler? Täglich produziert die Corona-Bildungsdebatte neue Vorschläge. Nicht alle sind wirklich zu Ende gedacht.


  • Garantiert coronafrei

Garantiert coronafrei

Das letzte halbe Jahr hatten sie Schule auf See und sind durch die Welt gereist. Jetzt kehren ein paar Dutzend Teenager in die Heimat zurück. Doch die ist nicht mehr die alte. Ein Interview mit ihrer Lehrerin Miriam Frank. Unterricht an Bord der Pelican. Fotos: Ocean College. Frau Frank, Sie betreiben eine der wenigen deutschsprachigen Schulen auf der Welt, die trotz Corona noch offen sind.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Bundesbildungsministerium öffnet HPI-Schul-Cloud für alle Schulen in Deutschland

Karliczek: Schulen, denen kein Alternativangebot zur Verfügung steht, sind berechtigt. Öffnung bleibt auf die Dauer der Krise beschränkt.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Hervorragende Nachricht, viele Fragezeichen

Hervorragende Nachricht, viele Fragezeichen

Die Große Koalition will arme Schüler bei der Anschaffung digitaler Endgeräte für den Unterricht unterstützen, das dazu gehörende Sofortprogramm ist 500 Millionen Euro schwer. Aber wie genau kommt das Geld bei den Schülern an? Und was passiert nach der Krise?


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Sachsens Öffnungspläne stoßen auf Widerstand

Vom heutigen Montag an sollen alle Kinder im Freistaat wieder in die Kitas und Grundschulen gehen können – doch nach einem Gerichtsbeschluss hebt Kultusminister Piwarz jetzt die Schulbesuchspflicht auf. DIE ÜBERSCHRIFT klingt trotzig. "Schulen und Kitas starten am Montag", steht über dem Artikel, den Sachsens Kultusministerium am Samstag im ministeriumseigenen Blog veröffentlichte.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Einzigartig peinlich

Ausgerechnet die vom BMBF so hochgepriesene HPI-Schul-Cloud wies offenbar massive Sicherheitsmängel auf.