Was bei Hanna durcheinandergeht
Sind Befristungen das Grundübel wissenschaftlicher Karrieren? Eine Gegenrede zur "#IchbinHanna"-Debatte von Reinhard Jahn.

Genauer hinschauen: Brauchen wir eine differenziertere Debatte über Befristungen in der Wissenschaft? Foto (Symbolbild): University of Washington Photo .
DIE DISKUSSION über wissenschaftliche Karrierewege hat Fahrt aufgenommen. Unzählige Zeitungsartikel und Social-Media-Beiträge (#IchbinHanna) geißeln den hohen Anteil befristeter Arbeitsverträge. Dabei geht einiges durcheinander, und es ist höchste Zeit, die zunehmend von Partikularinteressen geleitete Debatte auf den Boden der Realität zurückzuholen.
Der erste Schritt in einem akademischen Berufsweg besteht in einer erfolgreichen Promotion. Sie erfordert außergewöhnlichen Einsatz und dauert mehrere Jahre, wobei nur in seltenen Fällen ein volles Akademiker-Gehalt gezahlt wird. Warum wird sie dennoch von vielen angestrebt, die nicht in der Forschung bleiben wollen? Dafür gibt es handfeste Gründe: Man lernt während der Promotion, komplexe Projekte selbständig durchzuführen, und erwirbt Fähigkeiten, die wertvolles Kapital für vielfältige Aufgaben sind und damit für ein breites Berufsspektrum qualifizieren. Eine Promotion verbessert die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und ermöglicht höhere Einstiegsgehälter. In manchen Berufen geht sogar fast nichts ohne den "Doktor" – so in der Chemie, wo fast 90 Prozent aller Studierenden mit der Promotion abschließen.
Die irreführende Rechnung, die zu 90 Prozent Befristungsanteil führt
Dementsprechend verlassen die meisten Promovierten unmittelbar nach der Doktorarbeit die Uni, nur ein kleinerer Anteil verbleibt in der Wissenschaft.
Dauerstellen für alle Promovierende zu fordern ist daher unsinnig. Noch unsinniger ...
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Kommentare
#1 - Das ist eine sehr klare und dingend notwendige Darstellung…
keine "Wünsch-Dir-was"-Sendung.
#2 - ... durcheinander geht.1.) Niemand fordert unbefristete…
1.) Niemand fordert unbefristete Stellen für Doktoranden. Es ist aber trotzdem sinnvoll, die Doktoranden in die Befristungsquoten reinzurechnen, weil so deutlich wird, wie die Universitäten das Sonderbefristungsrecht missbrauchen: Stellen, auf denen Daueraufgaben wahrgenommen werden, werden mit §2(1)-WissZeitVG-Befristungen und in Teilzeit ausgeschrieben, weil Promovierende günstiger sind. Sobald die Universitäten Maßnahmen ergriffen haben, um jede Form von Rechtsmissbrauch (Stipendienmissbrauch, Teilzeitmissbrauch, Befristungsmissbrauch und Arbeitszeitmissbrauch) zu verhindern, können die unpromovierten Mitarbeitenden aus der Statistik rausgenommen werden, weil dann sichergestellt ist, dass diese Gruppe sich tatsächlich vorrangig qualifizieren kann und nicht "halbe Stelle, volle Arbeit" kohortenweise für die Aufrechterhaltung des Hochschulbetriebs und ...
#3 - Eine intensive Beratung zwei bis drei Jahre nach der…
Warum nicht direkt nach der Promotion? Die Universitäten könnten sich selbst verpflichten, befristete PostDoc-Beschäftigungen nur nach einem Beratungsgespräch mit einer externen Person zu vereinbaren, in dem die langfristigen Berufsaussichten besprochen werden.
Ich selbst hatte das ...
#4 - Dieser Beitrag zeigt Mal wieder warum es durchaus kritisch…
#5 - Von einer „Gegenrede“ hätte man sich erwartet, dass…
1) #IchBinHanna sei eine „von Partikularinteressen geleitete Debatte“: Das trifft auf den Machterhaltungsanspruch der Hochschulrektorate sicher nicht weniger zu als auf die Hannas selbst, die sich einfach erlauben, die Systemfrage zu stellen. Wer will in einer Universitätslandschaft arbeiten, die systematisch wissenschaftliches Personal verheizt und es durch Prekarisierung ...
#6 - "Einen Anspruch auf eine permanente Stelle, nur weil man…
Man fragt sich hier schon: Wenn Leistung nicht zur unbefristeten Stelle reicht, widerspricht das doch dem von Jahn betonten Leistungsprinzip?! Denn darüber reden wir hier: Man kann sagen, "fleißig" sein reicht nicht für einen Leitungsposten - geschenkt. Das Problem ist, dass es zur Zeit fast nur Leitungsposten gibt. Folglich wird Entfristung widersinnigerweise im Artikel wieder einmal mit Leitungsposten gleichgesetzt. Jahns Argument sollte eigentlich besser lauten: Fleiß allein begründet keinen Anspruch auf eine Leitungsfunktion.
Wir fordern ...
#7 - Das Erschreckende an dem Beitrag des vollversorgten…
#8 - "Niemand ist gezwungen, sich auf solche Bedingungen…
#9 - Die Spaltung der Forschenden in Narzissten und Teamplayer…
Und ohne Leistungsprinzip (@Felix Schabasian) wird man die wenigen Stellen, die es zu besetzen gibt, wohl auch nicht fair verteilen können. Oder fänden Sie eine Verlosung besser? Hier muss man ja zunächst weniger an die Interessen der Bewerber:innen denken, sondern vor allem an die Interessen der ...
#10 - „ Einen Anspruch auf eine permanente Stelle, nur weil man…
#11 - "Es gehören immer zwei dazu. Niemand ist gezwungen, sich…
Hört hört liebe lohnabhängig Beschäftigten. So einfach ist das mit den guten Arbeitsbedingungen!
#12 - Liebe Leserinnen und Leser,aus gegebenem Anlass der…
aus gegebenem Anlass der Hinweis: Bitte hart in der Sache argumentieren, aber respektvoll im Ton, okay?
An Studi: Ich schalte Ihren Kommentar frei, habe aber den ersten Satz entfernt.
Besten Dank!
Ihr J-M Wiarda
#13 - "Die Spaltung der Forschenden in Narzissten und Teamplayer…
Bislang ist es tatsächlich so, dass das System als vermeintlich meritokratischer Ausleseprozess Teamplayer bestraft und antisoziales Verhalten befördert, ohne dass man das verabsolutieren muss: Jmd, der/die sich stärker in Lehre und Selbstverwaltung engagiert hat, hat schlechtere Aussichten auf eine Professur, als jmd, der/die die eigene Publikationsliste ...
#14 - Mir ist die Grundstimmung der meisten Argumente zu negativ.…
#15 - @Nr. 2: Natürlich kenne ich Fehlbesetzungen aus leidvoller…
#16 - "Und wie würden Sie dann die Narzist:innen ausfiltern?…
Ich würde die Narzisst:innen gar nicht ausfiltern, sondern in erster Linie den Anteil der Dauerstellen für Post-Docs erhöhen. Wahrscheinlich wegen Trump bewerten wir Narzissmus jetzt sehr negativ, aber die Geschichte ist ja bekanntermaßen voll von Menschen, die ihre eigene Agenda verfolgt haben und dabei gleichzeitig Großes geschaffen haben. Nur können diese Menschen eben auch Organisationen sprengen, speziell dann, wenn es ausgeprägte Machtgefälle gibt, so dass sich ihnen niemand in den Weg stellen kann. Deswegen halte ich die Balance für wichtig: Eine ...
#17 - Und, Nachtrag, weil hier ja auch auf die Fächerverteilung…
#18 - @lN2 (#14) - Da Sie nach konkreten Vorschlägen fragen:…
#19 - Ich finde, Herr Jahn hat das klar ausdifferenziert.Was…
Was würde denn "eine Dauerstelle für jeden PostDoc" bedeuten?
Rechnen wir doch mal: Wenn nur pro Fakultät alle 2 Jahre ein PostDoc eine Dauerstelle bekäme und vorausgesetzt die meisten bleiben bis zur Rente, was in bestimmten Konstellationen nicht ganz unwahrscheinlich ist- absolvieren also ca. 30 Arbeitsjahre, dann wären das pro Fakultät irgendwann 15 Dauerstellen, die bereitgehalten werden müssten, aber auch ziemlich lange "blockiert" wären. Interessant, das pro Professur mal für eine ganze Uni hochzurechnen. Welche Universität macht das? Wo sind die Konzepte, wie diese Stellen besetzt werden und was sie für die ...
#20 - Es ist schon putzig, wie ein pensionierter Molekularbiologe…
#21 - @Dr.Seltsam: Heißt das im Ernst, Sie würden das…
Die NGAWiss-Modelle sind insofern spannend (danke @Literaturwissenschaftlerin für die Erinnerung daran), weil sie schon verdeutlichen, inwieweit dann Innovationspotential verloren geht:
Im NGAWiss-Modellinstitut nehmen beim Status Quo jährlich 4,8 Personen eine Promotionsstelle auf. In ...
#22 - Ich argumentiere allein arbeits- (und…
#23 - ... und die Frage nach der rechtlichen Gestaltung ist ja…
Dazu sagt leider auch das NGAWiss-Papier nichts. Sollen z.B. Promovierte nur noch unbefristet beschäftigt werden dürfen? Damit das wie im Modell funktioniert müssten dann auch alle gewöhnlichen Befristungsgründe unzulässig sein, also keine sachgrundlose Befristung, Elternzeitvertretung, Finanzierung aus Mitteln einer Stiftung, Vertretungsprofessur, usw.
Über solche konkreten Änderungen der Rechtslage müssen wir diskutieren, wenn #IchBinHanna nicht versanden soll!
#24 - Man hat bei einigen Protagonisten dieser Diskussion…
Eindruck, als ob dieser Staat beliebig viel Geld zu vergeben hat. Das klingt fast so, als wenn BK-Kandidat O. Scholz mal
wieder Milliarden verteilt. Es wird wohl Zeit, daß man hier mal auf den Boden der Tatsachen kommt. Für die neue Regierung kommt dann der finanzielle Offenbarungseid.
#25 - @Ralf Wunderlich. Was bei Ihnen durcheinandergeht: Es wird…
#26 - Der Text geht mMn an den eigentlichen Problemen vorbei. Es…
#27 - @Ex-Physiker:Was meinen Sie mit dem "Missbrauch der…
Was meinen Sie mit dem "Missbrauch der befristeten Angestellten für die Lehre"? Sollen Promotionsstellen von Lehrverpflichtung freigestellt werden? Sofern Leuten ein Lehrauftrag aufgedrängt wird, würde ich zustimmen. Dass man auf Landesstellen aber beides hat, kann Vorteile haben. Beispielsweise kann weiten Gelder, die vorrangig aufgrund erweiterten Leberbedarfs kommen, die Forschungsmöglichkeiten aus .
Der Artikel hat jedenfalls schon angedeutet, man könnte für gute Lehre einen eigenen Karriereweg einrichten, und greift Ihren Punkt so auf, oder?
#28 - "Sind Befristungen das Grundübel wissenschaftlicher…
Ja.
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