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Die Verantwortung der Wissenschaft

Wissenschaft ist angewiesen auf demokratische Institutionen und Menschenwürde. Wenn diese durch Massengewalt bedroht werden, darf sie sich nicht auf Neutralität zurückziehen. Ein Gastbeitrag von Hanna Pfeifer. 
Portraitfoto von Hanna Pfeifer vor dunklem Hintergund.

Hanna Pfeifer ist Politikwissenschaftlerin und Forschungsbereichsleiterin am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg. Foto: Felix Matthies.

DIE PROBLEME UNSERER ZEIT wiegen schwer, ja sie sind existentiell. Wie lässt sich die Demokratie retten? Wie kann die Klimakatastrophe gebremst werden? Wie können Krieg und Genozid beendet werden? Und was ist dabei der Beitrag der Wissenschaft? Vor dem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Grenzziehung zwischen Aktivismus und wissenschaftlicher Tätigkeit von Forscherinnen besonders drängend. Sie muss praktisch beantwortet werden – institutionell wie individuell. 



Schon lange wird wissenschaftlich darüber gestritten, wie politisch Wissenschaft ist und sein darf. Eine Einlassung als Wissenschaftlerin jenseits des akademischen Diskurses, etwa in Zeitungen, ist deshalb sowohl fachwissenschaftliche als auch politische Positionierung. Eine verordnete Rollentrennung, wie sie von den Verfechtern einer möglichst wertneutralen Wissenschaft gefordert wird, stößt hier schnell an Grenzen.

Zu diesen Verfechtern zählen Alexander Bogner und Caspar Hirschi. In der FAZ nahmen sie kürzlich unter der Überschrift " Rollentausch von Aktivisten und Antiakademikern " eine Symmetrisierung von "Selbst- und Fremdpolitisierung der Wissenschaft" vor, indem sie beide Phänomene ...

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Kommentare

#1 -

Wolfgang Kühnel | Sa., 04.10.2025 - 22:33

"... die Mitgliedschaft der Israelischen Gesellschaft für Soziologie (ISS) wegen deren unzureichender Distanzierung von der Gewalt des israelischen Militärs in Gaza zu suspendieren."

Wieso in aller Welt soll dieses innerhalb der internationalen Wissenschaft so geschehen, während das globalisierte Business der großen Konzerne sich selbstverständlich um solche Dinge gar nicht kümmert (außer bei staatlichen Sanktionen)? Auch Bertelsmann macht mit China Geschäfte, während die Bertelsmann-Stiftung sich als Gralshüter der Demokratie darstellt. Entsprechend bei anderen Großunternehmen und anderen Diktaturen. Auch Fußballmeisterschaften überlässt man ohne Bedenken Ländern mit sehr zweifelhaften Regierungen. Die FIFA profitiert davon.

Die Wissenschaft jedenfalls ist in Israel hoch entwickelt, besonders ...

#1.1 -

Gast | Di., 14.10.2025 - 17:46

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

Lieber Herr Kühnel, 

Sie schreiben "Wir haben auch nie ungarische Wissenschaftler für Orbans Politik verantwortlich gemacht oder russische für Putins Politik.".

Ich möchte nur anmerken, dass Ihre Aussage nicht der Wahrheit entspricht. Ich habe eng mit russischen Wissenschaftlern zusammen gearbeitet. Kurz nach dem Angriff auf die Ukraine im Feb 2022 wurden Forschungsförderung (DFG, BMBF, EU-Horizon, ...), und auch institutionelle Koorperationen beendet. Die Einstellung der beteiligten Wissenschaftler*innen spielte dabei gar keine Rolle. Ich habe ein paar Links unter eingefügt. 

Freundliche Grüße, Thorsten Warneke

https://www.hrk.de/themen/internationales/auswirkungen-des-krieges-in-der-ukraine/konsequenzen-fuer-die-deutsch-russische-hochschulkooperation/

https://www.kooperation-international.de/aktuelles/nachrichten/detail/info/umfassende-konsequenzen-fuer-die-deutsch-russische-kooperation-einschraenkungen-der-zusammenarbeit-in

https://www.fz-juelich.de/en/zb/news/announcements/2022/zb_va_cooperation_ru_by_consequences_publishing_activities_2022_03_08

https://www.mpq.mpg.de/6700986/02-solidarity-with-people-in-ukraine

 

 

 

 

 

#1.1.1 -

Wolfgang Kühnel | Mi., 15.10.2025 - 21:23

Antwort auf von Gast (nicht überprüft)

Sie sprechen von anderen Dingen als ich. Wenn es offizielle staatliche Sanktionen gegen ein Land gibt, dann hat das die Auswirkungen wie in Ihren Links beschrieben. Diese Maßnahme kommt dann aber von der Regierung und nicht aus der Wissenschaft selbst. Der Artikel handelt aber von Initiativen aus der Wissenschaft selbst, so hatte ich das "WIR  haben ... verantwortlich gemacht"  gemeint. Ich wusste auch, dass russische Kollegen nicht mehr nach Deutschland eingeladen werden durften, das war aber nicht der Wunsch der Institute oder Fachgesellschaften. Immerhin durfte es Vorträge geben, die aus der Ferne rein elektronisch übertragen wurden, also digitale Kontakte. Man ...

#1.2 -

Hendrik Süß | Mi., 15.10.2025 - 15:47

Antwort auf von Wolfgang Kühnel (nicht überprüft)

> Wir haben auch nie ungarische Wissenschaftler für Orbans Politik verantwortlich gemacht oder russische für Putins Politik.

Naja, es wurden von deutscher Seite (fast) alle institutionellen Kontakte mit der russischen Wissenschaft abgebrochen. Zu Ungarn: ein (mutmaßlicher) Völkermord ist schon etwas anderes als eine autoritäre Regierung.

#2 -

Erwin Koslowski | Mo., 06.10.2025 - 11:50

"Die International Association of Genocide Scholars (IAGS) stellte zweitens in einer Resolution fest, dass Israels Gewalt in Gaza die juristischen Tatbestandsmerkmale eines Genozids erfüllt. Ihre Aufgabe sieht sie darin, der Öffentlichkeit wissenschaftliche Expertise zur Verfügung zu stellen und so bei der Verhinderung wie Beendigung von Genoziden mitzuwirken. In beiden Organisationen gingen den Beschlüssen aufwändige Verfahren und kontroverse Debatten voraus."

M.E. zeichnet sich ein wissenschaftliches Vorgehen in erster Linie durch ordentliche Recherche aus. Dieser Artikel z.B. ist schon am 15.09. erschienen:

https://www.juedische-allgemeine.de/politik/voelkermord-experten-fordern-von-selbsternannter-wissenschaftlergruppe-ruecknahme-der-anschuldigungen-gegen-israel/

Hätte - bei aller Berechtigung der Kritik gegen die isrealische Kriegsführung - nichts gekostet, auch kontroverse Stimmen zu diskutieren ...

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