Momente der Wahrheit auf Schwanenwerder
Nach deprimierenden Schülerleistungen ringen Bund und Länder um gemeinsame Bildungsziele. Eine lang vorbereitete Klausur muss jetzt zum Wendepunkt werden.

Foto: Wirestock / freepik.
WENN AM DONNERSTAGNACHMITTAG Bayerns Bildungsministerin Anna Stolz (Freie Wähler) offiziell die Präsidentschaft der Bildungsministerkonferenz übernimmt, wird die Führungsriege der Bildungspolitik in der Bayerischen Landesvertretung versammelt sein. In Reden wird man Problembewusstsein signalisieren angesichts historisch schwacher Schülerleistungen, zugleich die Bereitschaft zum Handeln betonen – und all dies kombinieren mit den üblichen Schwüren auf den Bildungsföderalismus.
Das weitaus wichtigere Treffen für dessen Zukunft findet jedoch eine knappe Woche später statt, rund 20 Kilometer weiter südlich auf der Wannsee-Insel Schwanenwerder. Dort, in der Evangelischen Bildungsstätte, haben sich die Staatssekretäre und Amtschefs ab Mittwoch zu einer zweitägigen Klausur eingemietet unter der Überschrift: "Gemeinsamer Arbeitsprozess von Bund und Ländern anlässlich des IQB-Bildungstrends 2024". So sperrig das klingt: Es könnte die größte bildungspolitische Chance seit Jahren sein – der Moment, in dem sich entscheidet, ob der Bildungsföderalismus zu neuer Stärke findet.
Bruch mit Routinen
Rückblick. Es ist Anfang Oktober, als plötzlich aus dem Kreis der Bildungsministerkonferenz zu hören ist, die Veröffentlichung des IQB-Bildungstrends 2024 solle kurzfristig verschoben werden . Hinter dem Bildungstrend steht das vor 20 Jahren von der KMK eigens gegründete Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen. Dessen Direktorin Petra Stanat bestätigt auf Anfrage eine entsprechende Ansage der Politik. Die Überlegung habe sie "überrascht", da dies "vom eingespielten Prozedere abweichen würde".
Als die Ergebnisse dann doch zum geplanten Zeitpunkt publik gemacht werden , erklärt sich die nervöse ...
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