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Gender-Bias in der Wissenschaft: Warum scheiden so viele Frauen vorzeitig aus Führungspositionen aus?

Zwölf Thesen über Ursachen und Schlussfolgerungen

von Ulrike Beisiegel und Norbert Sack.

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Artikelbild: Gender-Bias in der Wissenschaft: Warum scheiden so viele Frauen vorzeitig aus Führungspositionen aus?

Ulrike Beisiegel war von 2011 bis 2019 Präsidentin der Universität Göttingen. Norbert Sack ist Gründer der Leadership Advisors for Academia, Berlin, einer Personalberatung für oberste Führungskräfte in akademischen Einrichtungen. Fotos: privat.

IM WISSENSCHAFTSSYSTEM sind in den vergangenen Jahren immer wieder Frauen aus Führungspositionen vorzeitig ausgeschieden. Dazu gehören prominente Nicht-Wiederwahlen oder Rücktritte von Frauen in der obersten Führungsebene von Universitäten, aber auch Enthebungen von Leitungspositionen, wie bei der Max-Planck-Gesellschaft. Auch wenn es solche Ereignisse bei männlichen Stelleninhabern ebenfalls gibt, ist da möglicherweise ein Trend, dass Frauen zwar in oberste Führungsämter gewählt werden, sich aber dort zum Teil nur schwer halten können. Diese Beobachtung ist besorgniserregend und es finden sich ähnliche Phänomene in der Wirtschaft und anderen Bereichen der Gesellschaft.

Auch wenn es durch verschiedenste Maßnahmen derzeit gelingt, die Quote von Frauen in Führungspositionen (moderat) zu steigern (beispielsweise an den 50 größten deutschen Universitäten von 22 Prozent im Januar 2019 auf 24 Prozent im Januar 2022), so ist die Gefahr eines Backlash groß, nach dem Motto: "Wir haben ja schon immer gewusst, dass Frauen nicht so gut führen können".

Um diese Situation zu verbessern, müssen wir die möglichen Gründe des Ausscheidens von Frauen aus Spitzenpositionen in der Wissenschaft besser verstehen. Jeder Fall hat andere Elemente und entsteht in verschiedenen Situationen, und sicherlich können persönliche, gender-unabhängige Fehler von Führungskräften zu einer Nicht-Wiederwahl oder einem Rücktritt beitragen. Doch es bleibt die Frage, ob es auch grundsätzliche Gender-Einflüsse gibt, die auf eine systematische Benachteiligung von Frauen in Führungspositionen hinweisen. Sind die Governance-Systeme in der Wissenschaft für Frauen weniger geeignet? Führen Frauen anders?


Warum Frauen scheitern

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Artikelbild: Gender-Bias in der Wissenschaft: Warum scheiden so viele Frauen vorzeitig aus Führungspositionen aus?

Ulrike Beisiegel und Norbert Sack im Gespräch ...

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Kommentare

#1 -

Empirische Soz… | Mo., 27.06.2022 - 10:44
In dem Text finden sich eine Vielzahl von sweeping empirical statements ("dass ihr ungewohnt gradliniger Führungsstil oft die Mitarbeitenden irritiert", "Männer können weibliche Durchsetzungsstärke nicht lesen", "Frauen an der Spitze sind intrinsisch leistungsmotivierter", ...), bei denen ich mich frage, wo die Datenbasis dafür sein soll.



"Vertrauliche Interviews mit betroffenen Führungskräften und Referenzgebern aus ihrem Umfeld" sind dafür völlig unzureichend und klingt aus der Sicht empirischer Sozialforschung wie ein schlechter Scherz...mit so einem Text tut man der Sache einen Bärendienst.

#2 -

Jennifer Schevardo | Mo., 27.06.2022 - 21:08
Danke für die sehr differenzierte und absolut überzeugende Analyse dieses sehr komplexen Problems. Es zeigt v.a. dass die strukturelle Schlechter-Beurteilung weiblicher Führungskräfte ein Symptom ist für die durchweg ambivalente Organisationskultur in der Wissenschaft: vordergründig die Freiheit (der Forschung) hochhalten und eigentlich dominiert eine blinde Verehrung für "exzellente", überwiegend männliche Machtopersönlichkeiten.

Die Lösung kann nur bei den jüngeren Mitarbeitenden liegen, die klare Forderungen an eine neue, diverse Arbeitskultur stellen. Wenn den Wissenschaftsorganisationen dieser Kulturwandel nicht gelingt, werden sie ganze Kohorten herausragender Menschen verlieren und damit ihre eigene Zukunft.

#3 -

Müder Ruheständler | Mo., 27.06.2022 - 23:08
@Jennifer Schevardo:
Die Analyse mag "sehr differenziert" sein, ist aber nicht zwingend "absolut überzeugend". Ihre Antwort variiert hier leider nur die "Ich-bin-Hanna"-Position. Die Lösung wird gewiß die jüngeren Mitarbeitenden" brauchen, aber die real existierenden älteren Mitarbeitenden sind mitnichten nur "überwiegend männliche Macho-Persönlichkeiten". Seien Sie
mal etwas großzügiger mit dem existierenden Personal.

#4 -

David J. Green | Di., 28.06.2022 - 00:31
Auf jedem Fall bin ich dankbar an Herrn Wiarda für die Gelegenheit, zu hören, was bekannte Persönlichkeiten wie Frau Beisiegel und Herr Sack zu diesem hochaktuellen Thema zu sagen haben. Vieles war mir mindestens teilweise bereits bekannt, der größte Informationswert für mich hatte die Beobachtung (8,11), dass klare Zielvorgaben für faktische Erfolge einer Amtszeit oft fehlen, mit dem Ergebnis, dass Hochschulräte sich bei der Beurteilung alleine auf das pauschale Wohlgefühl ausrichten. Schade, dass ich diesen Punkt nicht bei der Liste der anzugehenden Dinge finden konnte – vielleicht habe ich ihn aber einfach übersehen denn einige anzugehende Dinge sind für mein ...

#5 -

Ruth Himmelreich | Di., 28.06.2022 - 12:11
Eine Hochschulleitung kommt einem politischen Amt ziemlich nahe. Es tut gut, sich das vor Augen zu halten. Da gibt es nämlich Wähler*innengruppen, die zufriedengestellt werden müssen, sonst kracht der Laden. Die Gruppen sind von unterschiedlicher Bedeutung und in sich nicht homogen, aber wenn man zuviele davon gleichzeitig gegen sich aufbringt, hat die Hochschulleitung ein großes Problem. Statt "Netzwerken" kann man auch einmal das altmodische "Zuhören" als Asset nennen. Es geht nicht immer um die Sache an sich, sondern auch um das Zusammenspiel von Menschengruppen. Wenn man sich nur an Sachthemen orientiert und die politische Dimension außen vorlässt, wird es schwierig. ...

#6 -

Dr. rer. nat. JUDITH | Mi., 29.06.2022 - 01:17
1) Stimme der empirischen Sozialforscherin zu. Manches wirkt sehr undifferenziert und wiederholt "Vorurteile".



2) Bin jetzt Führungskraft ausserhalb des Systems und immer noch Netzwerkerin - ganz natürlich. Also wer eine Organisation übernimmt ist für mich auch automatisch für die Vision und die Zielsetzung selbst verantwortlich. Vielleicht handelt es sich auch hier mehr um eine Frage des Vertrauens und der Machtübergabe, als um eine Notwendigkeit zur klaren strategischen Zielvorgaben? Oder ist es generell eine fehlende Offenheit sich eben auch auf solche einzulassen?



3) @Jennifer Schevardo: Ja genau Machokultur, die weder den Menschen im System noch den Studenten noch der Wissenschaft selbst ...

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