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Die Schwäche der Extremisten

Gibt es eine Woche vor der Bundestagswahl Gründe für Optimismus? Oh ja. Und man muss nicht einmal lange nach ihnen suchen. Ein Essay.

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Artikelbild: Die Schwäche der Extremisten

Foto: Kamyq / Pixabay.

AM VORABEND der Bundestagswahl geht es Ihnen womöglich wie mir. Die liberale Demokratie, an die ich mit Herz und Kopf glaube, steht unter gewaltigem Druck. Die Lichter der Aufklärung – die Achtung von Menschenrechten und Menschenwürde um jeden Preis – flackern, weil selbst Demokraten sie, getrieben von den eigenen Emotionen und dem Geschrei von Rechts, zu relativieren, in einen Zusammenhang zu stellen beginnen.

Und das alles vor dem Hintergrund der Serie schrecklicher Anschläge, über die so viel Überlegtes zu sagen wäre, doch bevor dazu Zeit und Gelegenheit ist, wurde schon so viel Unüberlegtes gesagt, das jede Debatte unmöglich macht. Begleitet wird dieses unheimliche Szenario vom Soundtrack des amerikanischen Staatsstreiches , der zwar zu erwarten stand, in seiner real existierenden Monstrosität nun aber doch bei vielen den ebenfalls zu erwarteten Reflex auslöst, ihn in Systematik und Auswirkungen kleinzureden. Die für Deutschland und Europa spürbarste Auswirkung derzeit ist die Selbstverständlichkeit der Rhetorik eines J.D. Vance, wenn er die demokratischen Regierungen von EU-Staaten als gefährlicher bezeichnet als China oder Russland.

Gibt es da überhaupt noch Gründe für Optimismus, zum Hoffen, zum Muthaben? Womöglich überrascht Sie die Antwort: Oh ja. Und man muss noch nicht einmal ...

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Kommentare

#1 -

Franka Listersen | Mo., 17.02.2025 - 09:35
Auch hier wird also der neue Singsang von den "demokratischen Parteien" angestimmt, die mutig den Populististen? Radikalen? Extremisten? (die Bezeichnungen wechseln beliebig) geeint gegenüberstehen. Also genau in dem "Wir gegen Die" der Polarisierung, die AfD und BSW vorgeworfen wird.



Blicken wir ins europäische Ausland, so sind Flügelparteien rechts und links reichlich normal. Da sie - wie auch die AfD und das BSW - den demokratischen Prozess und die Verfassungsordnung gar nicht infrage stellen (wohl aber die bisherige Politik), sind sie genauso "demokratisch" wie die anderen, nur eben nicht "unseredemokratisch".



Würde man AfD und BSW als politischen Konkurrenten wie andere auch ...

#2 -

Martin S | Mo., 17.02.2025 - 13:16
Danke. Danke! für diese klaren Worte, auch im Nachtrag.

Ich bin leider weniger optimistisch. Auch wenn die Welt und unsere Gesellschaft eine ganz andere sind als vor 100 Jahren, sehe ich spätestens seit 2001 grundlegende, systematische und andauernde Parallelen.

Es ist gerade September 1928. Und wenn es so weitergeht wie in den letzten 10, 20 Jahren, dann wird sich jede und jeder von uns in zehn oder fünfzehn Jahren fragen lassen müssen: Wie habe *ich* mich eigentlich verhalten, damals, in den Jahren ab Pandemie und Ukraine-Krieg?

#3 -

Frank Reichwein | Di., 18.02.2025 - 19:40
@2: Ja, man kommt durchaus auf seltsame Gedanken, wenn man die Zeiten vergleicht. Aber ich denke, daß sich die Geschichte nicht so einfach wiederholt.
@1: Die AgD und das BSW sind m.E. unterschiedliche Dinge.
Das letztere wird sich nach dem Senkrechtstart in 2024 wohl selbst erledigen. Die AgD ist leider ein unsäglicher Verein und viel gefährlicher. Wer Hitler für einen Linken hält und darüber mit Musk schwadroniert, disqualifiziert sich für die Politik.

#5 -

Steffen Prowe | Mi., 19.02.2025 - 20:21
Danke für diese positive Sicht und die klare Haltung auch gegenüber denjenigen, die keine echte Freiheit der Wissenschaft und der Bildung mögen. Weil dann deren simplifizierenden Populisten nicht mehr so gut verfangen.

Und was hat eine freiheitliche Demokratie mit Wissenschaft und diesem Blog zu tun? Ja alles. Denn Wissenschaft in Unfreiheit wird NIE echte Innovation und Diskurse um (nicht erwünschte) Ergebnisse zulassen wollen.

Und rechtsradikale AfD als auch die Egoshooter-Putinfreunde-Partei BSW fürchten eben das: denkende, reflektierende, offene, kritische Menschen. Die Wissenschaft eben gerade benötigt! Danke Herr Wiarda!

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