Direkt zum Inhalt

Geschlechterforschung: BMBF widerspricht Alice Weidel

Die AfD-Kanzlerkandidatin will die Gender Studies aus den Hochschulen vertreiben und alle Profs "rausschmeißen". Das Forschungsministerium stellt klar: Das dürfte der Bund gar nicht – und betont die wissenschaftliche Bedeutung der Geschlechterforschung.

WENIGE TAGE vor der Bundestagswahl bezieht das BMBF auf Anfrage Stellung zu Alice Weidels Wahlkampf-Ankündigung, eine Regierung unter ihrer Führung werde alle Einrichtungen der Gender Studies schließen. "Wir schmeißen alle diese Professoren raus", hatte die AfD-Kanzlerkandidatin Mitte Januar 2025 beim Parteitag in Riesa gesagt.

"In Deutschland gilt die Hochschulautonomie", sagte eine Pressesprecherin des Ministeriums dem Wiarda-Blog. "Der Bund hat keine Kompetenz, Lehrstühle zu schließen."

Gleichzeitig betonte das BMBF die wissenschaftlich Bedeutung von Gender Studies und Geschlechterforschung. Die Erkenntnisse aus diesem interdisziplinären Forschungsfeld bildeten "eine wichtige Grundlage für gesellschaftlichen Fortschritt und für eine Forschung, deren Ergebnisse allen Menschen zu Gute kommen". Für viele wissenschaftliche und gesellschaftliche Bereiche seien Fragen des Geschlechts hochrelevant und trügen zur Exzellenz von Forschungsergebnissen bei. "Die Themen der Geschlechterforschung reichen von sozialwissenschaftlichen Untersuchungen zum Gender Pay Gap oder zur Verteilung von Care-Arbeit, medizinischer Forschung zu lebenswichtigen Geschlechterunterschieden bei Herzerkrankungen oder Geschlechteraspekten in der Arzneimittelforschung über rechtswissenschaftliche Untersuchungen zum Femizid, Forschungen zu Geschlechteraspekten in der Mensch-Computer-Interaktion bis hin zu historischen Untersuchungen ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Roland Kreilhoff | Fr., 21.02.2025 - 14:30
Die Gendersprache mag ich persönlich auch nicht, aber die Linie der AgD gegen die Autonomie der Wissenschaft ist einfach unsäglich. Die Sprache von Frau Weidel ist derart
wissenschaftsfeindlich, daß sie einfach unwählbar ist für einen intelligenten Menschen.

#2 -

Django | Fr., 21.02.2025 - 16:48
Frau Weidel ist hier dem Trump-Virus zum Opfer gefallen (am ersten Amtstag tausende Dekrete raushauen). Aber damit ist sie nicht allein. Ein gewisser Herr Merz hat vor einer Weile verkündet, dass er am 1. Tag im Kanzleramt an Grundgesetz und Europarecht vorbei ein "Einreiseverbot" für "irreguläre" Ausländer verkünden würde.

#3 -

Wolfgang Kühnel | Fr., 21.02.2025 - 23:04
"Wie viele Lehrstühle gibt es für Genderforschung?

Im Sommersemester 2023 gab es laut einem Bericht des Wissenschaftsrats insgesamt 173 Professuren an deutschen Hochschulen mit Voll- oder Teildenomination in der Frauen- und/oder Geschlechterforschung. Mehr als ein Dutzend Hochschulen bieten v. a. auf Masterniveau Studiengänge in Gender Studies an." (sagt Google)



Zu #1: Hier steht, dass das BMBF sehr wohl Genderprofessuren finanziell gefördert hat:



https://www.bundestag.de/resource/blob/536708/f920fd8afc4c784a7bd0ce05801097bd/wd-8-043-17-pdf-data.pdf



Also greift der Bund durchaus ein in die Autonomie der Hochschulen. Er finanziert Professuren für 5 Jahre und für bestimmte Gebiete (oder nur für Frauen), die Hochschulen müssen sie dann fortsetzen. Und das angesichts knapper Mittel. Das ...

#4 -

#IchBinTina | Sa., 22.02.2025 - 10:03
Die Gefahr kann nicht allein dadurch gebannt werden, dass die AfD nicht an der Regierung beteiligt wird & so auch keine Verordnungen (das deutsche Gegenstück zu den US-amerikanischen Executive Orders) erlassen kann. Tatsächlich kann sie dieses Ziel auch "hintenrum", über den Haushalt, erreichen - und das auch aus der Opposition heraus, insbesondere dann, wenn auch das BSW in den Bundestag kommt.



Zur Veranschaulichung: Seit einiger Zeit versucht die AfD "Haushaltsuntreue" zum eigenen Straftatbestand zu machen (https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw23-de-haushaltsuntreue-556632). Das ist populistisch gut zu vermitteln, weil dadurch "Steuergeldverschwendung" strafbar würde. Sie hat dabei z.B. die Unterstützung des Bunds der Steuerzahlers.



Praktisch würde das ...

#5 -

McFischer | So., 23.02.2025 - 20:18
@#3
Forschungsförderung als "Eingriff in die Autonomie der Hochschulen" zu bezeichnen, ist schon etwas gewagt.
In der Konsequenz dürfte es damit keinerlei Forschungsförderung mehr geben, weder EU, Deutschland, Bundesländer, öffentliche und private Stiftungen.
So eine Forderung ist theoretisch möglich, wäre aber praktisch das Aus für jegliche Forschung.

#6 -

Wolfgang Kühnel | Mo., 24.02.2025 - 22:18
Zu #3: Es war bei #1 eigentlich von "Autonomie der Wissenschaft" die Rede, die es aber natürlich nie geben kann, weil über die Finanzierung ja irgendwer entscheiden muss. Die normale "Forschungsförderung" bezieht sich ja hauptsächlich auf Drittmittel und außeruniversitäre An-Institute, das steht hier gar nicht zur Debatte.



Was ich meinte, ist der Trick vom BMBF oder auch privaten Geldgebern, Geld für scheinbar zusätzliche Professuren mit sehr spezieller Widmung zur Verfügung zustellen (man spricht auch von Stiftungsprofessuren), aber nur für 5 Jahre. Die betreffende Hochschule muss dann diese Professur weiter unterhalten. In den allermeisten Fällen muss sie eine andere Professur, die ...

#7 -

Michael Weber | Di., 25.02.2025 - 10:54
@Wolfgang Kühnel, #6:
Soweit ich weiß, stellt die jeweilige Hochschule den Antrag auf Förderung und nicht der oder die Prof. Sie ist damit auch die Empfängerin der Bundeszuwendung. Aus meiner Sicht gehört zu einem Antrag auf zeitlich begrenzte Zuwendung dazu zu überlegen, was nach der Zeit kommt. Zuwendungen sind für den Bund ein Mittel, bestimmte Entwicklungen anzuschieben und entsprechende förderpolitische Ziele zu verfolgen. Wer die Ziele nicht teilt, kann andere verfolgen.

#8 -

Wolfgang Kühnel | Mi., 26.02.2025 - 11:05
Zu #7: Natürlich stellen die Hochschulen die Anträge, aber was sollen sie denn anderes machen angesichts gekürzter Festzuweisungen, begleitet von Sonderprogrammen aus dem BMBF ? Das ist doch die "Erpressung", die ich meinte.

Zum Vergleich: Erst werden die Karpfen im Teich ausgehungert, und dann schüttet jemand von der Regierung spezielles Futter hinein und deutet es als großen Erfolg für sein neu konzipiertes Futter, wenn alle Karpfen angeschwommen kommen.



Vor Jahren gab es ein Programm "Professuren für Frauen", da bewarb sich auch meine Uni. Bei der Ausschreibung durfte das aber so gar nicht stehen, also haben sich zahlreiche Männer beworben. Die ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Folgt der Wissenschaft, nicht den Länderfürsten

Folgt der Wissenschaft, nicht den Länderfürsten

Wofür soll der Bund seine absehbar knappen Investitionsmittel in der Wissenschaft ausgeben? Für die Beantwortung dieser Frage gibt es wissenschaftsgeleitete Verfahren – eines davon droht in den anstehenden Koalitionsverhandlungen unterlaufen zu werden.


  • Artikelbild: Wir dürfen die EU-Forschungsförderung nicht den Wettbewerbspolitikern überlassen

Wir dürfen die EU-Forschungsförderung nicht den Wettbewerbspolitikern überlassen

Kaum ein Wissenschaftsmanager ist national wie international so gut vernetzt wie Georg Schütte. Ein Interview über Sorgen um das nächste Forschungsrahmenprogramm, Emmanuel Macrons KI-Vorstoß, Europas Innovationsrückstand – und Prioritäten für die nächste Bundesregierung.


  • Amerikanische Lektionen

Amerikanische Lektionen

So besorgniserregend Fördermittelkürzungen oder Listen mit unliebsamen Forschungsthemen sind: In einer Demokratie gibt es Gerichte, um im Bedarfsfall die Rechtmäßigkeit von Regierungshandeln überprüfen zu lassen. Doch was, wenn eine Regierung anfängt, Gerichtsurteile nicht mehr zu befolgen? Eine jedenfalls schaut der Trump-Regierung garantiert gerade sehr interessiert zu: Alice Weidel.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Auf eine Regierung Weidel hätte die deutsche Wissenschaft keine Antwort

Auf eine Regierung Weidel hätte die deutsche Wissenschaft keine Antwort

Deutschland bekommt wieder eine demokratische Regierung, doch die Gefahr für die Demokratie ist nicht gebannt. Die USA zeigen, wie hilflos Hochschulen und Forschungseinrichtungen auf den Angriff der Trump-Autokraten reagieren. Die Wahrheit ist: Die deutschen Wissenschaftsinstitutionen wären im Moment nicht besser vorbereitet.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Sparflucht nach vorn

DAAD und DFG verkünden Kürzungen in ihren Programmen und senden so eine Warnung an die kommende Bundesregierung. Vorboten eines noch größeren Spardrucks unter Schwarz-Rot? Derweil droht jetzt auch Nordrhein-Westfalens Hochschulen der Rotstift.


  • Massive Investitionen oder Deindustrialisierung: Noch haben wir die Wahl

Massive Investitionen oder Deindustrialisierung: Noch haben wir die Wahl

Die Strategie war richtig, die Umsetzung eine Katastrophe: Uwe Cantner, der Vorsitzende der EFI-Wissenschaftsweisen, über die Innovationspolitik der Ampel, drei verlorene Jahre – und das wissenschaftspolitische Commitment der neuen Regierung, von dem jetzt alles abhängen wird. Bild: Gerd Altmann / Pixabay.