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"BAföG? Doch nicht für mich!"

Die Hälfte der Studierenden mit BAföG-Anspruch stellt keinen Antrag. Wie kann das sein? Und wie ließe sich das ändern?  Sascha Strobl und Sebastian Riedmiller über Unwissenheit, Vorurteile, falsche Rechenbeispiele – und eine Lösungsidee.
Collage aus zwei Porträtfotos von Sascha Strobl und Sebastian Riedmiller.

Sascha Strobl (links) ist Volkswirt und promoviert am Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT zu Gründen, warum die Leute kein BAföG beantragen. Seit 2023 entwickelt er KI-Chatbots und erforscht ihre Grenzen. Sebastian Riedmiller (rechts) ist Postdoktorand am Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn und forscht an verhaltensökonomischen Fragestellungen mit Fokus auf evidenzbasierte Maßnahmenentwicklung. Fotos: privat.

Herr Riedmiller, Herr Strobl, nur ein Siebtel aller Studierenden bezieht BAföG. Als Hauptursache gelten zu niedrige Freibeträge und Fördersätze. Sie haben jetzt 22.000 Studierende befragt – und kommen zu einem erstaunlichen Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Berechtigten stellt gar keinen Antrag.

Sebastian Riedmiller:  Wir haben in mehreren Studien ausschließlich bereits eingeschriebene Studierende befragt. Bewusst keine Schüler. Wir wollten von ihnen wissen, ob sie glauben, BAföG-berechtigt zu sein. Außerdem haben wir ihre sozioökonomischen Daten erhoben, darunter auch das Elterneinkommen. Aus diesen Informationen konnten wir schätzen, wie viele der Befragten tatsächlich berechtigt wären – unabhängig davon, ob sie BAföG tatsächlich bezogen oder nicht. Unsere an sich nicht repräsentativen Daten haben wir statistisch gewichtet, um eine hochgerechnete Aussage für ganz Deutschland treffen zu können.

Und die lautet?

Riedmiller: Unsere konservative Schätzung ergibt: Würden alle Anspruchsberechtigten einen Antrag stellen, läge die Quote der BAföG-Empfänger bei 27 bis 34 Prozent – nicht bei den offiziell bezogenen 12 bis 15.

"Von denen, die trotz Berechtigung keinen Antrag stellen, 

glauben 82 Prozent, sie seien nicht berechtigt."

Wie kann das sein?

Sascha Strobl: Dass so viele Studierenden, die antragsberechtigt wären, keinen Antrag stellen, ist gar nicht so neu. Frühere ...

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Kommentare

#1 -

Dr. med. Wurst | Do., 03.07.2025 - 10:02

Ich muss mich schämen. Über  20 Jahre war ich in der Studierendenverwaltung großer Hochschulen bzw. Universitäten tätig. (Auch) ich habe bis heute die völlig falsche Einschätzung  gehegt - und leider kommuniziert - dass BAföG in der Realität nur etwas für die wirklich Armen sei. Dabei habe ich erst neulich noch für jemanden recherchiert. 

Ich denke hier muss man politisch ansetzen, nicht bei der diskutierten weiteren Erhöhung von Regelsätzen oder Freigrenzen. Der Artikel gibt auch, natürlich und zu Recht nicht völlig uneigennützige, Anregungen wie es gehen könnte. 

Nebenbei ein schönes , aber trauriges Lehrbeispiel  für das Auseinanderklaffen von Realität und dem, ...

#2 -

JBR | Do., 03.07.2025 - 11:01

Danke für diesen augenöffenenden Beitrag. Freut mich sehr!

#3 -

Christiane | Fr., 04.07.2025 - 18:07

Danke für diesen Beitrag! Ich habe lange in der Beratung gearbeitet und auch ein Orientierungstool entwickelt. Solche Dinge, und somit auch dieses neue Tool, finde ich enorm wichtig. So viele Menschen scheitern einfach daran, dass sie keinen Zugang zu den relevanten Informationen haben oder diese nicht zielgruppenorientiert aufbereitet sind. Was mich hier überrascht, ist, dass zumindest ich mit einer kurzen Google-Anfrage zu einer wirklich sehr übersichtlichen Info-Seite gelange, die auch einen einfachen BAföG-Check anbietet. Daher stellt sich mir erstens die Frage, ob Google-Suchen wirklich so schwer sind, gerade für Personen, die studieren wollen. Das Problem wird sich auch mit dem ...

#4 -

Volker Bley | Mi., 09.07.2025 - 11:21

Financial Aid / BAföG zum Teil des Zulassungsverfahrens machen: Die Prüfung des BAföG Anspruchs könnte direkt an die potentiellen Studierenden herangetragen werden. Die Hochschulen könnten im Zusammenwirken mit den für die Bewilligung von BAföG zuständigen Studierendenwerken im Zusammenhang mit der Zulassung und der Immatrikulation zum Studium eine Option zur Prüfung der BAföG Berechtigung und im positiven Fall die Freigabe einer (halbautomatisierten) Antragstellung anbieten. 

#5 -

denise | Mi., 08.04.2026 - 23:42

Bafög kann man sich auch sparen. Die Wartezeiten auf die Antragsbearbeitung liegen teilweise bei 11 Monaten. Das ganze System ist ein Witz!

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