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Schluss mit "Up or Out"

Der Wissenschaftsrat präsentiert ein Personalmodell, das Dauerstellen in der Wissenschaft zum Regelfall erklärt. Ein Paukenschlag vor der Novelle des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes – und ein Aufruf an Hochschulen und Politik zu einem echten Kulturwandel. Im Interview sagen Wolfgang Wick und Insa Großkraumbach, was das bedeutet.
Collage aus zwei Portraitfotos von Wolfgang Wick und Insa Grosskraumbach.

Wolfgang Wick ist Neurologe und Vorsitzender des Wissenschaftsrats; Insa Großkraumbach leitet beim Wissenschaftsrat die Abteilung "Tertiäre Bildung". Zum Papier des Wissenschaftsrats geht es hier entlang . Fotos: WR / Ch. Hahn und WR / D. Ausserhofer. 

Herr Wick, Frau Großkraumbach, der Wissenschaftsrat hat sein Positionspapier "Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem" beschlossen, kurz nachdem das Bundesverfassungsgericht die Berliner Regel zur Postdoc-Entfristung als verfassungswidrig verworfen hatte. In den Pausen der Sitzung in Fulda wurde darüber sicher viel diskutiert, im offiziellen Teil auch?

Wolfgang Wick: Im offiziellen Teil nicht. Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts betrifft ja zunächst nicht den Inhalt, sondern nur die Zuständigkeit. Aber die Unsicherheit, die sowohl an den Hochschulen als auch in den Verwaltungen der Ministerien herrscht, zeigt die Dringlichkeit unserer Empfehlungen. Wir haben mit unserem Positionspapier zum ersten Mal einen Rahmen, ein Zielbild entwickelt für transparente und attraktive Personalstrukturen in der deutschen Wissenschaft. Wenn Hochschulen und Forschungsinstitute jetzt anfangen, dieses Zielbild Zug um Zug in die Praxis umzusetzen, bewegt sich das System als Ganzes, dann wird daraus der große Wurf. Wir könnten uns bei den Personalstrukturen endlich aus der Landeszersplitterung befreien und zu verlässlichen, einheitlichen, im besten Fall sogar bundeseinheitlichen Lösungen kommen.

Insa Großkraumbach:   Wir haben uns gefragt: Was muss das Wissenschaftssystem leisten, wie wird es möglichst leistungsstark, und was brauchen die Menschen, die darin arbeiten? Attraktivität und Funktionalität müssen zusammenkommen – für die Wissenschaft und für die Individuen. Wichtig waren uns auch Durchlässigkeit und Mobilität: innerhalb Deutschlands, international und zwischen Wissenschaft und anderen Sektoren. Ebenso zentral ist, was Herr Wick anspricht: Transparenz – über Anforderungen, Perspektiven und Optionen. Gleichstellung und Diversität sind ebenso essenziell, auch weil sie mit Funktionalität und Attraktivität verknüpft sind. Und schließlich etwas, das oft übersehen wird in den Debatten: Ein einheitliches Personalstrukturmodell muss trotzdem Raum für unterschiedliche Fachkulturen lassen, unterschiedliche Arbeitsweisen.

Das Papier spricht von einem "generischen ...

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Kommentare

#1 -

Michael Liebendörfer | Mi., 16.07.2025 - 11:00

"etwa nach zwei bis drei Jahren nach der Promotion, sollen Entscheidungen über den Verbleib und die weitere Entwicklung im Wissenschaftssystem getroffen werden"

Das ist entweder naives Wunschdenken oder strategische Kommunikation der Überzeugung, dass sich nicht viel ändern wird. Wie sollte denn eine Entscheidung gegen den Verbleib aussehen, wenn sie nicht von der betroffenen Person selbst ausgeht? Wenn die 2-Jahres-Postdocstelle ausläuft, folgen eben Projektbefristung, ALG 1, Lehrauftrag, Hochschulwechsel und sachgrundlose Befristung, Vertretungsprofessur, Rat auf Zeit, PostDoc-Stipendium, Ausland, W1 (ohne Tenure Track). Wir müssen mit der Tatsache planen, das Hochschulen und Beschäftigte die Möglichkeiten kreativ und karriereverlängernd handhaben. 

#1.1 -

Berliner Uni | Mi., 23.07.2025 - 14:17

Antwort auf von Michael Liebendörfer (nicht überprüft)

 

ich würde das eher andersherum sehen - wenn die Uni einem PostDoc nach 2 Jahren eben keine Stelle anbieen, die auf eine Entfristung hinarbeitet, ist es an genau dieser Person, das auch zu akzeptieren. Wer sich dann weiter auf alles bewirbt, was passen kann, und jedem Strohhalm hinterherläuft, der muss dafür auch selber Verantwortung unternehmen. Eine Uni B kann ja eine EInstellung nicht verweigern, weil eine Uni A keine Entfristungsoption geboten.

Niemand wird zu "rojektbefristung, ALG 1, Lehrauftrag, Hochschulwechsel und sachgrundlose Befristung, Vertretungsprofessur, Rat auf Zeit, PostDoc-Stipendium, Ausland, W1 (ohne Tenure Track)" gezwungen. Das sind alles erwachsene Menschen, die ...

#1.1.1 -

Kaktus | Mi., 20.08.2025 - 14:15

Antwort auf von Berliner Uni (nicht überprüft)

„Die Arbeitslosigkeit unter Akademikern liegt bei unter 3 % – es gibt also genügend Alternativen. Warum braucht es dann noch verbeamtete Professoren? Sie sind für den Steuerzahler übermäßig teuer. Ein reguläres Angestelltenverhältnis würde vollkommen ausreichen – zumal man ohnehin weich fällt.

#2 -

Nachwuchs  | Mi., 16.07.2025 - 23:05

Entgegen der Einschätzung von #IchbinHannah: jemand in S2 hätte korrekterweise 3 Jahre Befristung als Post-doc und 6 Jahre bis zur entfristung auf einer tenure track Stelle. Aber angesichts der sehr hohen Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Evaluierung und somit entfristung, weit über 90%, erscheint dies zumutbar. Es wäre also richtig zu sagen man hat 3 Jahre in denen man nicht weiß wie es weitergeht, und dann 6 bis die Sache endgültig klar ist. Ja es bleibt ein Restrisiko, aber angesichts der hohen Freiheit in der Wissenschaft könnte dieses Risiko ein angemessener Tausch für eine entfristung sein, da das Ziel der planbarkeit weitgehend ...

#3 -

Professor | Do., 17.07.2025 - 10:04

Insgesamt sind die Ausführungen des Wissenschaftsrats zu begrüßen, allerdings gehen sie aus meiner Sicht teilweise an der Realität vorbei. Ja, Qualifikationsstellen werden befristet vergeben und auch Dauerstellen werden vielleicht nicht immer dauerhaft vergeben. Ein großer Teil der Stellen im Wissenschaftsbetrieb sind aber doch Drittmittelstellen, die eben aufgrund der befristeten Geldquelle befristet sind. Und auch weiterhin befristet bleiben werden. 

Wäre es nicht viel sinnvoller über mehr Grundmittel statt befristete Drittmittel zu reden? Meine Vermutung: wenn mehr Geld dauerhaft da ist, wird es auch mehr unbefristete Beschäftigung geben.

#4 -

Tobias Denskus | Mi., 20.08.2025 - 11:05

Die eigentliche Sensation ist doch, dass Lehrstühle abgeschafft werden, oder? ODER?!? Oder arbeiten S1-S3 dann doch bei S4 "am Lehrstuhl"? Wenn ja, ist der Vorschlag quasi wertlos, wenn nein kommt ganz schnell wieder die Diskussion um "nackte Lehrstühle" für S4. Aber nur wenn gerade S2-S4 kollegial neben einander arbeiten und man befördert werden kann macht das System Sinn-ich bezweifle stark, dass die meisten Profs da mitgehen werden wenn ihr "Ausstattung" aus zwei S3-Personen besteht die unbefristet und selbstständig arbeiten können...

#5 -

Kaktus | Mi., 20.08.2025 - 14:08

Wenn die deutsche Wissenschaft so sehr auf befristete Drittmittel setzt, warum sind Professuren nicht ebenfalls überwiegend drittmittelgebunden? In anderen Ländern trägt die Universität nicht 100 % des Professorengehalts; auch dort müssen sie sich im Wettbewerb behaupten.

Wenn ihnen das nicht gelingt, führt dies zu Unzufriedenheit unter den Professorenkollegen. Niemand möchte dauerhaft andere mit seinen eigenen Drittmitteln mitfinanzieren. Dies hat zur Folge, dass Professoren in die Industrie wechseln und so in angemessener Zeit Raum für neue Wissenschaftler entsteht.



Zudem sind verbeamtete Professoren für den Staat besonders teuer.



Angesichts der großen Zahl befristet Beschäftigter wirkt der klassische Professorentitel in Deutschland wenig zeitgemäß, ...

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