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Streit um die Kreditpunkte: ECTS ist tot, es lebe ECTS!

Vor ein paar Tagen haben Hochschulrektoren und Kultusministerkonferenz ihre neue Bologna-Erklärung veröffentlicht, jetzt läuft der Kampf um die Deutungshoheit. Und er treibt seltsame Blüten. Ganz vorn dabei ist der Bielefelder Stefan Kühl, der aus seiner Ablehnung der Kreditpunkte noch nie einen Hehl gemacht hat . Nun liest er das Papier so, dass sich KMK und HRK "vom ECTS-System verabschiedet" hätten. So formulierte Kühl es am Sonnabend, nur einen Tag nach der offiziellen Veröffentlichung des Papiers, im Deutschlandfunk. Heute folgte die Frankfurter Allgemeine Zeitung. HRK und KMK rückten noch weiter ab vom "Leistungspunktdenken" als in ihren früheren Erklärungen, schreibt meine FAZ-Kollegin Heike Schmoll: "Zu einem völligen Ausstieg aus dem ECTS-Denken hatten beide Gremien offenbar nicht den Mut, es wäre das offenkundige Eingeständnis eines politischen Fehlers gewesen." Am erstaunlichsten aber ist die Deutung der taz, ebenfalls von heute: Mastermind hinter dem neuen Papier sei ausgerechnet HRK-Präsident Horst Hippler. "Geht es nach Hippler", schreibt Redakteur Ralf Pauli , "sind Bachelor und Master künftig flexibler. Davon hat er auch fast alle Hochschulen und die KultusministerInnen der Länder überzeugt."

In der KMK reibt man sich über derlei Interpretationen die Augen. Denn man muss dazu erstens ...

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Kommentare

#1 -

Stefan Kühl | Mi., 20.07.2016 - 12:55
Lieber Herr Wiarda, netter Übersetzungsversuche, leider aber falsch. Der Satz der „Maßstab der Anerkennung sind die erworbenen Kompetenzen und kein quantitativer Vergleich der ECTS-Punkte“ in der gemeinsamen Erklärung der Kultusministerkonferenz und der Hochschulrektorenkonferenz bedeutet gerade nicht - wie Sie schreiben - „ Natürlich müssen die ECTS-Punkte stimmen, grundsätzlich aber erwartet Lissabon von euch, dass ihr anderswo erbrachte Studienleistungen im Zweifel anerkennt.“, sondern vielmehr „Die ECTS-Punkte sind egal, wichtig ist bei der Anerkennung von Studienleistungen, dass die gleichen Kompetenzen erworben wurden“. Deutliche kann man nicht sagen, dass das ECTS-System, den Zweck, für den es einmal geschaffen wurden, in keiner Weise erfüllen ...

#2 -

Jan-Martin Wiarda | Mi., 20.07.2016 - 13:05
Lieber Herr Kühl,



vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich habe heute Morgen mit Gewinn auch ihren Beitrag in der FAZ gelesen, steht der eigentlich schon online?



Es ist spannend, wie unterschiedlich man ein paar Sätze interpretieren kann. Noch mehr aber erstaunt mich, dass – sollten Sie Recht haben – Mathias Brodkorb die Erklärung dennoch abgelehnt hat. Ich habe in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt mit Vertretern der KMK und der HRK, und deren Interpretation war unisono so, wie ich sie beschrieben habe: ECTS bleibt eine notwendige Bedingung, aber eben nur notwendig. Hinreichend ist einzig und allein die Befassung mit ...

#3 -

Stefan Kühl | Mi., 20.07.2016 - 14:20
Lieber Herr Wiarda,



es wäre auf alle Fälle eine hochinteressante Wendung in der Debatte, wenn die Kultusministerkonferenz und die Hochschulrektorenkonferenz jetzt erklären würden, dass die ECTS-Punkte zwar nicht mehr als Basis für die Anrechnung von Studienleistungen genutzt werden soll, man aber trotzdem am European Credit Transfer (!) System verpflichtend festhalten möchte. So frei nach dem Motto: "Die Funktion für die wir die ECTS-Punkte eingeführt haben, wird nicht erfüllt, im Gegenteil sie haben sogar kontroproduktive Wirkungen. Wir denken uns jetzt aber mal ein paar neue Funktionen aus, mit denen wir das Festhalten am ECTS rechtfertigen können."



Wenn das wirklich die Haltung ...

#4 -

Jan-Martin Wiarda | Mi., 20.07.2016 - 14:31
Lieber Herr Kühl,



zur Kompetenzorientierung könnten (und sollten wir vielleicht auch) ein anderes Mal diskutieren, das ist in sich spannend und beschäftigt gerade eine ganze Reihe von Hochschulexperten im Land. Da stehen uns einige interessante Stellungnahmen bevor.



Was die Funktion der ECTS-Punkte angeht, liegt, glaube ich, immer noch ein Missverständnis vor: Die Punkte waren von Anfang an gedacht als die quantitative Basis/Voraussetzung für die dann nur inhaltlich zu rechtfertigende Anerkennung von Studienleistungen. Es war nie vorgesehen, dass es hier einen Automatismus auf der Grundlage bloßer Punktezählerei gibt. Genau das hat die Politik jetzt noch einmal bekräftigt und sich insofern eben ...

#5 -

Klaus Diepold | Fr., 22.07.2016 - 11:50
Ich kann hier nur Herrn Wiarda zustimmen. Aus meiner Sicht wurde in das Thema ECTS in einer frühen Phase in Deutschland so viel zusätzlich hineininterpretiert und -diskutiert, was ursprünglich von den Initiatoren niemals intendiert war. Dann hat sich die Diskussion auf diese zusätzliche Interpretationen eingeschossen und darauf aufbauend ECTS torpediert. Diese Interpretationen wurden aus meiner Sicht in der kürzlich veröffentlichten Stellungnahme wieder entfernt und jetzt wird das als Umkehr interpretiert. Ich finde das bizarr.



Wenn ich denk Diskussionsverlauf so beobachte so entsteht der Eindruck, dass "früher" die Anerkennungspraxis, insbesondere über europäische Grenzen hinweg, wunderbar funktioniert habe. Durch ECTS wurde nichts ...

#6 -

Guido Wirtz | Sa., 10.09.2016 - 15:18
Ich kann das immer wiederkehrende ECTS-Gejammere aus meiner praktischen Erfahrung der letzten 20 Jahre absolut nicht nachvollziehen:

1. Studienpläne nach tragbarer Last der Studierenden zu planen (auch wenn hier - wie richtig erwähnt - viel individueller Spielraum besteht) ist ein großer Fortschritt gegenüber Regelungen nach SWS-Lehrbelastung der Dozentenseite.

2. Eine Anerkennungspraxis, die es sich nicht allzu leicht macht, hat nie allein auf ECTS-Basis argumentiert; Vielen kam das aber entgegen, da man über formale Pseudo-Kriterien Anerkennungsentscheidungen vereinfachen und die manchmal dahinter stehende Willkür vertuschen konnte.

3. Wie im vorhergehenden Beitrag schon festgestellt, spielt der Gesamtaufwand eines Moduls auch bei vergleichbarer Themenstellung ...

#7 -

Christian König | Do., 03.11.2016 - 22:06
Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin durch Zufall auf dieser Seite gelandet bei dem Abenteuer (=Recherche) zu verstehen, warum Studenten, die im europäischen Ausland studiert haben, es mitunter unmöglich gemacht wird in gewissen Bundesländern beruflich weiterzukommen.

Zu meinem Fall:

Studium der Psychologie in den Niederlanden - B.Sc und M.Sc.

Ziel: Beginn einer Ausbildung zum Psychologischen Psychotherpeut

Problem: Viele LPAs zücken (darunter z.B. mein Heimat-Bundesland Niedersachsen, aber auch Bremen, Hessen, etc.) sofort den Stempel "Abgelehnt" sobald auf Äquivalenzanträgen im Master keine 120 ECTS vermerkt sind. Aus die Maus. Keine Chance. Tschüss.

Da spielt es keine Rolle, wenn man grundlegende Unterschiede ...

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