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Und schon wieder grüßt die Hochschuleingangsprüfung

Wer die Coronakrise zur Entwertung des Abiturs nutzen will, verleugnet die Empirie: Die Abiturnote ist immer noch der beste Prädiktor für den Studienerfolg. Ein Gastbeitrag von Susanne Lin-Klitzing.

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Artikelbild: Und schon wieder grüßt die Hochschuleingangsprüfung

Foto: Wokandapix/Pixabay.

AM MONTAG DIESER WOCHE schrieb Jan-Martin Wiarda unter der Überschrift: " Aufnahmeprüfung statt Abiturnote ?": "Fallen die Abiturklausuren Corona zum Opfer? Eine Chance, Neues beim Hochschuleingang zu wagen".

Sollte ich dem eine aus meiner Sicht passendere Überschrift entgegenstellen, fiele meine Wahl auf eine Variante von "Und täglich grüßt das Murmeltier", nämlich auf: "Und schon wieder grüßt die Hochschuleingangsprüfung". Denn: Der Vorschlag ist mitnichten neu, sondern wird immer wieder gegen die Hochschulzugangsberechtigung durch das Abitur und die Abiturnote bei zulassungsbeschränkten Studiengängen ins Spiel gebracht. Er ist aber – aus meiner Perspektive – zu Zeiten von Corona noch unangebrachter als sonst.


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Artikelbild: Und schon wieder grüßt die Hochschuleingangsprüfung

Susanne Lin-Klitzing ist seit 2017 Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes. Seit 2007 ist sie Professorin für Schulpädagogik für die gymnasiale Lehrerbildung Universität Marburg. Foto: privat.


Der von mir gleichwohl sehr geschätzte Jan-Martin Wiarda verweist dazu auf den FAZ -Beitrag Jürgen Kaubes ("begrenzt informative Abiturnoten") und das Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2017 zur Hochschulzulassung Medizin, das dies höchstrichterlich bestätigt habe; "{s}eitdem mühten sich die Kultusminister um mehr bundesweite Harmonisierung durch den ...

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Kommentare

#1 -

Kathrin Wiencek | Fr., 27.03.2020 - 21:18
Das Abitur als Hochschulzugangsberechtigung ist ein hohes Gut. Es sorgt eben auch für Chancengerechtigkeit. Denn wer es besteht, hat das Recht zu studieren. Wenn es Hochschulzugangsprüfungen gibt, sind wieder Diejenigen im Vorteil, die sich eine intensive Vorbereitung und Präparierung im wahrsten Sinne des Wortes leisten können, egal wie gut sie vorher in der Schule waren.

#2 -

Malte Blümke | Fr., 27.03.2020 - 22:19
Hochschuleingangsprüfungen bringen nicht mehr Gerechtigkeit, sondern eindeutig weniger. Es ist ohnenhin schon schwierig genug, die Schulen in Deutschland einigermaßen auf ein einheitliches Abiturniveau zu verpflichten, wie die Ereignisse um die Verschiebung und Aussetzung der diesjährigen Abiturprüfungen gezeigt haben. Wer glaubt, dass die Hochschulen dies besser machen können, glaubt wahrscheinlich auch an den Osterhasen. Oder an Jörg Dräger von der Bertelsmann Stiftung, der glaubt, in einer halben Stunde mit Computertests potentiell erfolgreiche Hochschulviten voraussagen zu können. Die Abiturnote ist und das ist durch Studien belegt, immer noch der beste Indikator für ein erfolgreiches Hochschulstudium.

#4 -

Thomas Gaube | Sa., 28.03.2020 - 08:43
Die erneute Frage nach einer, das Abitur ersetzenden Hochschuleingangsprüfung als Zugangsberechtigung für ein Hochschulstudium ist in Corona-Zeiten keine wirklich seriöse Frage sondern eher eine erneuter, schlechter Vorschlag zur unpassendsten Zeit. Gerade kämpfen Schulen um einen möglichst gerechten Abschluss der 12 Jahrgangstufe , um den Abiturienten einen vergleichbaren Abschluss zu sichern und Hochschulen fahren im "Krisenmodus" eigene Prüfungsverfahren herunter, wollen aber gleichzeitig neue Hochschuleingangsprüfungen besser, fairer und vor allem vergleichbarer gestalten. Die Stärke der Abiturnote, nämlich 2/3 der Leitungen aus einem zweijährigen, bundesweit recht vergleichbaren Lern- und Arbeitsprozess und nur 1/3 tagesaktueller Prüfungsleitung zu beinhalten, zeigt sich gerade in den heutigen ...

#5 -

Danke | Sa., 28.03.2020 - 10:05
Vielen Dank für diesen durchdachten Beitrag, der Forschungsergebnisse und sachliche Überlegungen gegen die immer vorgebrachten „Argumente“ für eine Auswahl auf Basis von vermeintlich objektiven “Tests” und Gesprächen darstellt.

#6 -

Frederik O. | Sa., 28.03.2020 - 16:06
1. Von Kritikern des Abiturs wird häufig dessen fehlende Vergleichbarkeit ins Feld geführt. Ohne Frage gibt hier Nachholbedarf (der KMK). Nur: Wer sagt denn, dass von den Hochschulen organisierte Hochschuleingangsprüfungen vergleichbarer sind? Die Hochschulen und Unis haben kein Interesse an bundesweit-standardisierten Prüfungen.

2. Das Abitur weist - bei aller berechtigten Kritik - eben doch bereits jetzt ein hohes Maß an Standardisierung, Vergleichbarkeit und vor allem Nachvollziehbarkeit der Note auf. Ich bezweifle, dass unsere Unis und FHs das auch nur annähernd ähnlich hinkriegen. Wer von einem gemeinsamen Vorgehen aller tertiären Bildungseinrichtungen träumt, verdrängt wohl das förderalistische und häufig egoistische Theater der ...

#7 -

Dr. Carsten Hammer | So., 29.03.2020 - 19:16
Die aktuelle Forschung (u.a. Heublein et al.) bestätigt eindeutig die bekannte Tatsache, dass keine Schulform so viele Schülerinnen und Schüler so gut auf ein Hochschulstudium vorbereitet wie das Gymnasium mit seiner gymnasialen Oberstufe.

Wenn ich meinen Schülerinnen und Schüler ihr Abiturzeugnis übergebe, gratuliere ich Ihnen zum bestandenen Abitur und zur Erlangung der „Allgemeine Hochschulreife“.

Meine Schülerinnen und Schüler bestätigen mir immer wieder, wie ihr Erfolg oder auch Misserfolg im Studium von Ihren Abiturnoten vorbestimmt war.

Die Leistungen aus zwei Schuljahren (vier Semestern!) Oberstufe und die sich daran anschließenden Abiturprüfungen geben ein sehr genaues Bild über die „Studierfähigkeit“ unserer Schülerinnen und ...

#8 -

Gabriela Kasigkeit | Mo., 30.03.2020 - 01:24
Jeder Bildungsgang hat seinen Abschluss, der dazu befähigt, die nächste Etappe zu beginnen. Das ist in unserer Gesellschaft eine verlässliche Regelung und gut durchdacht.

Wie wichtig und wertvoll das Abitur ist, wird besonders in diesen Tagen sichtbar. Die Kursphase ist abgeschlossen oder wird es bald sein. Dabei gibt es gewisse Unterschiede in den einzelnen Ländern, die unterm Strich jedoch eine auf Standards basierte verlässliche Bewertung ermöglichen, die durchaus vergleichbar ist. Die abschließende Prüfungen machen das Abitur komplett und bestätigen in weiten Teilen die Leistungen der Abiturient* innen, welche sie bis dahin in der Sekundarstufe II erworben haben. Das Abiturzeugnis zeigt, ...

#9 -

Heike Schimke | Mo., 30.03.2020 - 13:34
Die Hochschuleingangsprüfung ist eine Momentaufnahme.
Das Abiturzeugnis zeigt dagegen eine Querleistung der letzten zwei Jahre.
Was ist das für eine unseriöse Diskussion!
Wer die Hochschuleingangsprüfung gegen das Abiturzeugnis eintauschen möchte, der lässt zu, dass sich Leute mit viel Geld bestens für solche Prüfungen "trainieren" lassen können und diejenigen, denen dies nicht möglich ist, in "die Röhre schauen". So kann Chancengerechtigkeit wohl nicht aussehen.

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