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Zu müde, um erschüttert zu sein?

Deutschlands Neuntklässler erreichen bei der neuen PISA-Studie historisch niedrige Testwerte. Was das bedeutet – und warum ein neuer PISA-Schock vermutlich trotzdem ausbleiben wird.

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Artikelbild: Zu müde, um erschüttert zu sein?

Illustration: Venita Oberholster / Pixabay.

ERINNERT SICH noch jemand an die Aufregung nach der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie 2000? Sie war so außerordentlich und so nachhaltig, dass das Narrativ vom "PISA-Schock" prägend wurde für die deutsche Bildungsdebatte der Nullerjahre. Und einen ungeahnten Bildungsaufbruch markierte.

22 Jahre später ist es passiert. Nach einem langsamen, mühsamen, aber bemerkenswerten Aufstieg bei den Schülerleistungen bis Mitte der Zehnerjahre folgte der umso rasantere Abstieg. Und jetzt, bei den am Dienstagvormittag veröffentlichten Ergebnissen der achten Pisa-Studie, haben Deutschlands Neuntklässler in zwei von drei getesteten Kompetenzbereichen mit der historisch schlechtesten Punktzahlen abgeschnitten, schlechter noch als bei PISA 2000, und im dritten nur knapp über den damaligen Werten.

Das bedeutet, dass die heute 15-Jährigen im Schnitt maximal so lesen, rechnen und naturwissenschaftliche Probleme bearbeiten können wie ihre Altersgenossen vor zwei Jahrzehnten. Was damals, siehe oben, einen enormen bildungspolitischen Veränderungsdruck erzeugte. Und heute? Dazu später mehr. Zunächst die wichtigsten Ergebnisse von PISA 2022 im Überblick

o In Mathematik erreichten Deutschlands 15-Jährige 475 PISA-Punkte, satte 25 weniger als vor vier Jahren. 30 Punkte entsprechen Bildungsforschern zufolge etwa dem Lernstoff eines Schuljahres. Damit liegt Deutschland nur noch drei Punkte über dem OECD-Schnitt, was im Gegensatz zu 2018 statistisch nicht mehr bedeutsam ist. Von den erreichten Höchstwerten Mitte der Zehnerjahre haben sich die Schüler inzwischen rund 40 PISA-Punkte entfernt. Jungen schneiden im Mittel etwas besser ab als Mädchen. Mit Ausnahme von Japan verschlechterte sich die überwiegende Mehrheit der OECD-Staaten gegenüber 2018. International auf den vorderen Plätzen: Japan (536), Korea (527), Estland (510), Schweiz (508), Kanada (497).


Wer hat mitgemacht? Wer hat getestet?

In Deutschland haben 6116 Schüler:innen an 257 Schulen aller Schularten an dem "Programme for International Student Assessment", kurz PISA, teilgenommen, womit die ermittelten Kompetenzniveaus für die Bundesrepublik insgesamt statistisch repräsentativ sind. Wegen der Corona-Pandemie wurde die turunusmäßige Erhebung um ein Jahr nach hinten geschoben, und es waren nur halb so viele Schüler bei den Tests dabei wie 2018.

Gleichzeitig wurden ...

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Kommentare

#1 -

Laubeiter | Di., 05.12.2023 - 12:49
Vielen Dank für diesen Kommentar. Ich kenne mich mit Schule nur so aus, wie ich es von meinen Kindern mitkriege. Ein Kind ist in Kl. 9 und in Mathe unterdurchschnittlich. Ich finde diesen blog deshalb gut, weil er sowohl Hochschule als auch Schule einschließt. Wenn die Schulen lückenhaft beschulen, sind die Hochschulen schlechter in der Lage, tertiär zu bilden. Daher vielen Dank für diesen blog.

#2 -

tutnichtszursache | Di., 05.12.2023 - 17:40
Vielen Dank für diesen Beitrag!

"Zu müde" - ja, vielleicht, wobei womöglich auch eher ein Gefühl der Vergeblichkeit. Es nutzt ja sowieso nichts, sich aufzuregen, denn großen Teilen von Politik (von Linker bis weit in die Union), Gesellschaft und eben auch den Mit-Eltern sind die Schülerleistungen letztlich egal, wenn man sich nicht sogar aktiv gegen jede Leistungs- und Defizitfeststellung einsetzt. Gegen diese Gleichgültigkeit anzugehen, hat sich als vergeblich erwiesen.

Trotzdem hoffe ich wider besseres Wissen, dass Ihr Vorschlag - es "sollte ... überall in Deutschland eine Vorschulpflicht schon für Fünfjährige geben, die in Deutschtests Defizite aufweisen" - umgesetzt wird!

#3 -

LeibnizButterkeks | Di., 05.12.2023 - 21:30
Symptome lassen erkennen, wie ernst unsere Bildungspolitik die Ergebnisse nimmt - die Ministerin hatte bei der Vorstellung Wichtigeres zu tun.

Und wir werden wieder unzählige wortreiche Erklärungen und Gründe hören, warum Deutschland so schlecht abschneiden musste. Hier verdienen wir die glatte 1. Und wie sieht es mit dem Transfer unserer Bildungsforscher-Ergebnisse in die Praxis aus - Versagen auf ganzer Linie.

Nur das Erreichte zählt und nicht das Erzählte reicht, wie ein prominenter Unternehmensvertreter es einst treffend ausdrückte. Meine laienhafte Empfehlung: sofortige Kopie des Bildungssystems aus Estland, schlechter kann es nicht werden.

#4 -

Ein Kommentar | Mi., 06.12.2023 - 12:55
Folgende Aussage im Text ist m.E. nicht korrekt, zumindest nicht ausreichend differenziert: „Deutschlands Einwandererkinder ziehen die PISA-Ergebnisse merklich runter. Sie erreichen in Mathe 59 Kompetenzpunkte weniger als Gleichaltrige ohne Zuwanderungsgeschichte, das entspricht zwei Schuljahren.“

Untersuchungen aus 2019 zeigen hier sogar das Gegenteil. Zu einer geeigneten Problemlösung benötigt man auch eine adäquate, differenzierte Problemanalyse.

Hierzu ein Ausschnitt zu einem Artikel über Migrantenkinder: „In den bisherigen Pisa-Studien wurden Migrantenkinder in Ostdeutschland nicht als eigene Gruppe ausgewiesen, weil sie weniger als zehn Prozent der Schüler ausmachen, wie die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg, Karin Weiss, der AP sagte. Weiss hat daher eine Studie zum ...

#5 -

Ruth Himmelreich | Do., 07.12.2023 - 11:34
Warum es keinen Schock gibt? Im Jahr 2000 waren wir noch etwas homogener aufgestellt, die schlechten Ergebnisse der ersten Studie betrafen gefühlt alle. Und nun? Hier ein Zitat aus der Zusammenfassung der aktuellen Ergebnisse:



"Insbesondere an nicht gymnasialen Schularten ist der Anteil leseschwacher Fünfzehnjähriger mit 35 Prozent besonders groß und seit dem Jahr 2018 signifikant gewachsen (um 6 Prozentpunkte). Zudem

hat sich die Gruppe leseschwacher Schüler*innen an den Gymnasien im Vergleich zu PISA 2018 (1.8 %) in PISA 2022 fast verdoppelt (3.8 %)."



3,8 Prozent an den Gymnasien ist zwar nicht "nichts", aber immer noch wenig im Vergleich zu den ...

#6 -

FrauLang | Di., 26.12.2023 - 09:03
Guter Beitrag, aber an einer zentralen Stellen undifferenziert. Englischunterricht mit Deutschunterricht zu vergleichen, ist wie Äpfel mit Birnen... Englisch wird als Fremdsprache unterrichtet, Deutsch aber als muttersprachlicher Unterricht in Literatur und Sprachbetrachtung. Es ist kein Fach, in dem die Sprache systematisch gelernt wird. Ein Fach Deutsch als Fremdsprache (Daf/Daz) existiert regulär an Schulen nicht. (Das ist auch in den meisten anderen Ländern so). Man kann da also keine Methodik übernehmen. Es braucht ein anderes/zusätzliches Fach für die Deutschlerner. Eine Sprache zu lernen funktioniert nicht nebenbei (vor allem nicht bei älteren Kindern) .

Länder, in denen Englisch die von Zuwanderern zu ...

#7 -

Freigeist | Di., 23.01.2024 - 05:37
Während meines PostDoc Jahres in den USA waren wir als Familie mit vier Kindern in einer kleinen Universitätsstadt an der Ostküste. Zwei unserer Kinder haben dort die reguläre (staatliche) Schule besucht, in der dritten und fünften Klasse. Sie wurden morgens mit dem Schulbus vor dem Haus abgeholt und kamen nachmittags (dank unserer schriftlichen Erlaubnis) zu Fuß nach Hause.



Wir hatten bewusst davon abgesehen, vor unserer Reise in die USA Englisch mit ihnen zu üben. Bei der Anmeldung in der Schule war somit klar, dass sie kein Englisch sprechen würden. Sie erhielten dann täglich zusammen mit anderen Kindern, die aus dem ...

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