Direkt zum Inhalt

Kultusministerkonferenz beschließt Reformen mit Sprengkraft

Nach einer externen Evaluation mit erschreckendem Ergebnis beschließen die Kultusministerinnen und -minister der 16 Länder Eckpunkte für eine Reform der Kultusministerkonferenz. Hat der Beschluss das Zeug, aus der KMK eine agile Organisation zu machen, die in der Lage ist, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren?

Bild
Artikelbild: Kultusministerkonferenz beschließt Reformen mit Sprengkraft

Bild: Gerd Altmann / Pixabay.

ALS DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ (KMK) im Herbst 2022 beschloss, sich selbst von einer Unternehmensberatung durchleuchten zu lassen , war die Skepsis groß. "Es gibt genügend Expertise, die seit Jahrzehnten Lösungen vorschlägt", die aber "überhört, ignoriert wird", meinte etwa der bekannte Rostocker Schulpädagogik-Professor Falk Radisch. "Nun ja, dann jetzt also neoliberale Ökonomisierung des Bildungssektors auf dieser Ebene. Traurig."

Als ein Jahr später die Evaluationsergebnisse an die Öffentlichkeit durchsickerten , redete freilich kaum noch einer davon, dass sie von einem Schweizer Wirtschaftsforschungsunternehmen stammten. Zu atemberaubend las sich, was "Prognos" da in seiner schonungslosen Analyse präsentierte: 177 Gremien unter dem Dach der KMK, die 2022 insgesamt fast 600 Mal im Jahr konferierten unter Beteiligung von 1.300 Einzelpersonen.

Doch führte diese Vielzahl kaum zu Synergieeffekten, denn die allermeisten saßen jeweils in nur einem einzigen Gremium, wie "Prognos" außerdem feststellte. Man tagte also nebeneinander her, noch dazu meist ohne Beschlussmacht: 434 der 595 Sitzungen fanden 2022 in den 123 sogenannten AGs statt, die irgendwann einmal zu irgendeinem Zweck eingesetzt wurden.

Für politisch-akute Themen nicht geeignet

Und die Minderzahl der KMK-Gremien, die konkrete Beschlusskompetenzen hatten, brauchten extrem lang dafür. Die "strukturbedingt langen Entscheidungszyklen" führten dazu, dass die Beschlussvorlagen sich vom Beratungsbeginn bis zu ihrer Verabschiedung zwischen den Gremien im Kreis bewegten, worüber üblicherweise mindestens neun Monate vergingen. "Für politisch-akute Themen nicht geeignet", befanden die Evaluatoren.

Es ging allerdings noch krasser: Weitere 59 Sitzungen, mehr als eine pro Woche, entfielen auf 29 weitere AGs, die sich sogar ohne Einsetzungsbeschluss von oben einfach selbst gebildet hatten. Und als sei das nicht genug, kamen neue Gremien beständig hinzu: Allein im Jahr 2022 ein Dutzend.

Ausgerechnet in einem dieser in jüngster Zeit hinzugekommenen Gremien dürften sie angesichts des "Prognos"-Leaks nicht nur unglücklich gewesen sein: die Mitglieder der eigens eingesetzten Strukturkommission II zur ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Falk Radisch | Di., 12.12.2023 - 22:20
Ich fürchte, ich sehe nicht, dass die an sich vielleicht sinnvollen Strukturänderungen wirklich grundlegend etwas ändern werden. Das Grundübel, das auch zu dieser Struktur geführt hat und im Gutachten leider zurückhaltend formuliert ist, bleibt doch weiter bestehen. Was helfen vielleicht schnellere oder klarere Prozesse, Papiere, Empfehlungen, selbstverpflichtende Vereinbarungen und Monitoring, wenn nicht endlich Transparenz einzieht und vor allem die Verbindlichkeit von Beschlüssen erhöht - und mit Konsequenzen der Missachtung verknüpft wird? Aus meiner Sicht wirkt es wie das alt bekannte Rumdoktern an Sympotomen. Ich hoffe sehr, man belehrt mich eines besseren ...

#3 -

Eric Thies | Mi., 13.12.2023 - 10:59
Dazu fallen mir drei Dinge ein:



1. Der Rostocker Schulpädagoge hat vielleicht ungewollt Recht: Was wir sehen, sind die Ergebnisse eines demokratischen, ko-kreativen Bottom-Up-Prozesses. Allein der Ruf nach längeren KMK-Präsidentschaften ist ja schon ein Schrei nach mehr Strategie und "Führerschaft".



2. Die GWK als Vorbild heranzuziehen, ist ein wenig Augenwischerei. Die GWK ist ein verfassungsmäßiges Bund-Länder-Gremium. Hier wird nur entschieden (manchmal das, was vorher im Wissenschaftsrat lange beraten wurde).



3. Der Ruf nach dem Ende des Bildungsföderalismus ist ein wenig wohlfeil. Man schaue sich die Gesundheitspolitik an: Die ist in Bundeskompetenz und dennoch sind keineswegs alle glücklich.

#4 -

Frank Wesalsky | Fr., 15.12.2023 - 15:49
@ Eric Thies:

Zum 3. Punkt und den Vergleich mit der Gesundheitspolitik und dem Hinweis, dass nicht alle glücklich sind, ist es doch eher eine parteipolitische als eine gesellschaftspolitische Einstufung.

Der Bürgerin und dem Bürger steht bundesweit eine einheitliche Gesundheitsversorgung zur Verfügung und er/sie kann sich überall gleich behandeln lassen - egal ob Facharzt oder Zahnarzt (wenn man einen Termin bekommt!).

Eine Schülerin aus MV, die nach BY wechseln möchte, hat massive Probleme genauso, wie die Lehrerin die gerne in NDS arbeiten möchte, aber ihre Grundschulausbildung leider in Brandenburg gemacht hat. Durchlässigkeit hier Fehlanzeige, weil der Föderalismus greift! Das können ...

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Vorherige Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Das geht anders

Das geht anders

Die Lehrerbildung befindet sich inmitten des größten Umbruchs seit vielen Jahren. Aber schaffen es die Kultusminister, ihren Reformen eine stimmige und gemeinsame Richtung zu geben? Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der KMK präsentiert dazu ihr lange erwartetes Gutachten.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Lust auf Neues

Die Kultusministerkonferenz berät über ihre eigene Zukunft. Was dabei herauskommen könnte und warum die Wissenschaftsminister es möglicherweise besonders eilig haben.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Ablenkung Schuldenbremse

Würde mehr Geld in die Zukunft unserer Gesellschaft investiert, wenn nur die Schuldenbremse weg wäre? Warum ich da so meine Zweifel habe. Ein Essay über Priorisierung, Depriorisierung und den Stellenwert der jungen Generation.


Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Friedrich Merz und ich ziehen da an einem Strang

Friedrich Merz und ich ziehen da an einem Strang

Karin Prien ist Bildungsministerin von Schleswig-Holstein und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende. Nach den miesen PISA-Ergebnissen fordert sie Deutschlands Umbau zum "sozialen Bildungsstaat", will eine neue Rolle für die Kultusministerkonferenz, kritisiert Bundesbildungsministerin Stark-Watzinger – und sieht einen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik ihrer Partei.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Ampel-Haushaltseinigung: Kommt das BMBF glimpflich davon?

Die Koalitionsfraktionen sortieren gerade noch die Details nach den nächtlichen Beschlüssen, aber es hätte offenbar schlimmer kommen können.


  • allgemeines Artikelbild - Der Wiarda Blog

Abgeordnete: Keine größeren Verwerfungen im BMBF-Haushalt

Die Regierungsfraktionen warten aber noch auf die Details der Ampel-Einigung, der Bundeshaushalt 2024 soll jetzt erst Anfang Februar beschlossen werden.