Kultusministerkonferenz beschließt Reformen mit Sprengkraft
Nach einer externen Evaluation mit erschreckendem Ergebnis beschließen die Kultusministerinnen und -minister der 16 Länder Eckpunkte für eine Reform der Kultusministerkonferenz. Hat der Beschluss das Zeug, aus der KMK eine agile Organisation zu machen, die in der Lage ist, auf aktuelle Herausforderungen zu reagieren?

ALS DIE KULTUSMINISTERKONFERENZ (KMK) im Herbst 2022 beschloss, sich selbst von einer Unternehmensberatung durchleuchten zu lassen , war die Skepsis groß. "Es gibt genügend Expertise, die seit Jahrzehnten Lösungen vorschlägt", die aber "überhört, ignoriert wird", meinte etwa der bekannte Rostocker Schulpädagogik-Professor Falk Radisch. "Nun ja, dann jetzt also neoliberale Ökonomisierung des Bildungssektors auf dieser Ebene. Traurig."
Als ein Jahr später die Evaluationsergebnisse an die Öffentlichkeit durchsickerten , redete freilich kaum noch einer davon, dass sie von einem Schweizer Wirtschaftsforschungsunternehmen stammten. Zu atemberaubend las sich, was "Prognos" da in seiner schonungslosen Analyse präsentierte: 177 Gremien unter dem Dach der KMK, die 2022 insgesamt fast 600 Mal im Jahr konferierten unter Beteiligung von 1.300 Einzelpersonen.
Doch führte diese Vielzahl kaum zu Synergieeffekten, denn die allermeisten saßen jeweils in nur einem einzigen Gremium, wie "Prognos" außerdem feststellte. Man tagte also nebeneinander her, noch dazu meist ohne Beschlussmacht: 434 der 595 Sitzungen fanden 2022 in den 123 sogenannten AGs statt, die irgendwann einmal zu irgendeinem Zweck eingesetzt wurden.
Für politisch-akute Themen nicht geeignet
Und die Minderzahl der KMK-Gremien, die konkrete Beschlusskompetenzen hatten, brauchten extrem lang dafür. Die "strukturbedingt langen Entscheidungszyklen" führten dazu, dass die Beschlussvorlagen sich vom Beratungsbeginn bis zu ihrer Verabschiedung zwischen den Gremien im Kreis bewegten, worüber üblicherweise mindestens neun Monate vergingen. "Für politisch-akute Themen nicht geeignet", befanden die Evaluatoren.
Es ging allerdings noch krasser: Weitere 59 Sitzungen, mehr als eine pro Woche, entfielen auf 29 weitere AGs, die sich sogar ohne Einsetzungsbeschluss von oben einfach selbst gebildet hatten. Und als sei das nicht genug, kamen neue Gremien beständig hinzu: Allein im Jahr 2022 ein Dutzend.
Ausgerechnet in einem dieser in jüngster Zeit hinzugekommenen Gremien dürften sie angesichts des "Prognos"-Leaks nicht nur unglücklich gewesen sein: die Mitglieder der eigens eingesetzten Strukturkommission II zur ...
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Kommentare
#1 - Ich fürchte, ich sehe nicht, dass die an sich vielleicht…
#2 - Eine disruptive Transformation in der Bildungspolitik in…
#3 - Dazu fallen mir drei Dinge ein:1. Der Rostocker…
1. Der Rostocker Schulpädagoge hat vielleicht ungewollt Recht: Was wir sehen, sind die Ergebnisse eines demokratischen, ko-kreativen Bottom-Up-Prozesses. Allein der Ruf nach längeren KMK-Präsidentschaften ist ja schon ein Schrei nach mehr Strategie und "Führerschaft".
2. Die GWK als Vorbild heranzuziehen, ist ein wenig Augenwischerei. Die GWK ist ein verfassungsmäßiges Bund-Länder-Gremium. Hier wird nur entschieden (manchmal das, was vorher im Wissenschaftsrat lange beraten wurde).
3. Der Ruf nach dem Ende des Bildungsföderalismus ist ein wenig wohlfeil. Man schaue sich die Gesundheitspolitik an: Die ist in Bundeskompetenz und dennoch sind keineswegs alle glücklich.
#4 - @ Eric Thies:Zum 3. Punkt und den Vergleich mit der…
Zum 3. Punkt und den Vergleich mit der Gesundheitspolitik und dem Hinweis, dass nicht alle glücklich sind, ist es doch eher eine parteipolitische als eine gesellschaftspolitische Einstufung.
Der Bürgerin und dem Bürger steht bundesweit eine einheitliche Gesundheitsversorgung zur Verfügung und er/sie kann sich überall gleich behandeln lassen - egal ob Facharzt oder Zahnarzt (wenn man einen Termin bekommt!).
Eine Schülerin aus MV, die nach BY wechseln möchte, hat massive Probleme genauso, wie die Lehrerin die gerne in NDS arbeiten möchte, aber ihre Grundschulausbildung leider in Brandenburg gemacht hat. Durchlässigkeit hier Fehlanzeige, weil der Föderalismus greift! Das können ...
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