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Erst Spesenaffäre, jetzt Streit um die Aufklärung bei Fraunhofer

Wegen des Verdachts auf Compliance-Verstöße trat der Präsident der Forschungsgesellschaft zurück, jetzt gibt es Kritik an weiteren Führungskräften. In den Streit um die Aufklärung spielen auch Einzelinteressen hinein.
Artikelbild: Die Differenzierung verteidigen

DIE AFFÄRE um die  Fraunhofer-Gesellschaft (FhG)  ist noch lange nicht Vergangenheit. Ausgehend vom zentralen Vorwurf, unter ihrem früheren Präsidenten Reimund Neugebauer seien öffentliche Mittel verschwendet worden, gibt es Kritik an Art, Umfang und Kosten der Aufklärung durch die Forschungsorganisation. Parallel wurde öffentlich, dass die 75 Fraunhofer-Institute vergangenes Jahr in Summe einen operativen Verlust von 55 Millionen Euro eingefahren hätten. Dazu sagt die FhG, diese Zahl spiegele nicht die Fraunhofer-Gesellschaft als Ganzes wider.

Der frühere parlamentarische Staatssekretär  im Bundesforschungsministerium , Thomas Sattelberger wirft dem Neugebauer-Nachfolger Holger Hanselka vor, er habe die "ungesunde, zum Teil kleinteilige Standort-Politik seines gestürzten Vorgängers nicht korrigiert". Außerdem schaffe Hanselka es offenbar nicht, die unter Neugebauer gewachsenen "Beutegemeinschafts-Strukturen" zu beseitigen. Vor gut zwei Jahren trat Neugebauer zurück, die Staatsanwaltschaft ermittelt bis heute.

Ein Frontalangriff gegen den  heutigen Fraunhofer-Vorstand  um Hanselka und die Vorsitzende des Aufsichtsgremiums, des Senats, kommt aber auch von einem Mann, der als Vertrauter von Ex-Präsident Neugebauer gilt und sich im Zuge der Affäre selbst mit Vorwürfen konfrontiert sah. Der frühere Fraunhofer-Berater Endrik Wilhelm, der ansonsten vor allem als Strafverteidiger arbeitet, kritisiert in einem der Presse zugespielten Brief an FhG-Senatsmitglieder, durch die Compliance-Ermittlungen seien Kosten in Millionenhöhe entstanden.

Ein Vorwurf, den zuerst das Handelsblatt aufgriff: "Anwaltshonorare sind viel höher als der Schaden", titelte die Zeitung. Und fragte: "Wer zahlt 190.850,28 Euro, um festzustellen, dass er 7764,28 ...

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Kommentare

#1 -

Gernot Hesslich | Di., 02.09.2025 - 20:34

Es tut mir leid: Ich finde das Ganze extrem widerlich und unappetitlich.

#2 -

Johann Drese | Mi., 03.09.2025 - 10:02

Viele halbstaatliche Institutionen reinigen sich selbst... Aber: wie effektiv geht das? Mich erinnert manches an den ÖRR, siehe RBB. Im ZDF gibt es z.B. Verwandtschaftsverhältnisse unter vielen Beschäftigten, aber bedeutet das per se die Verletzung von Compliance-Regelungen? Mir scheint, hier wie überall hilft das Demokratieprinzip: Niemand sollte nirgendwo zu lange seinen Stuhl besetzen...

#3 -

Tobias Denskus | Mi., 03.09.2025 - 18:17

Und genau solche Forschungsbürokratien sollen dann als Leuchttürme global Wissenschaftlerinnen anlocken und die Innovationen spriessen lassen...

#5 -

Roman Held | Fr., 05.09.2025 - 14:03

Es ist schon bemerkenswert und zugleich besorgniserregend, welche weiteren Untiefen der Skandal von 2023 um den Ex-Präsidenten Neugebauer weiter nach sich zieht. Jetzt allerdings gegen den doch sehr integren und den Fraunhofer Mitarbeiter/innen zugewandten Herrn Hanselka medial zu wettern, halte ich für wenig angemessen und unpassend. Hanselka ist sicher kein Hardliner mit Tabula rasa Mentalität, was natürlich schlecht für einen konsequenten und nötigen Restrukturierungskurs bei Fraunhofer, aber derzeit noch sehr gut für eine gewisse Ruhe unter der Belegschaft ist. 

Aber, auch Herr Hanselka muss handeln, da das Defizit in 2025 bestimmt nicht weniger wird und die Reserven dann bald aufgebraucht ...

#6 -

Anja K. | Fr., 09.01.2026 - 08:43

Ich arbeite selber im Fraunhofer, die Forschungsinstitute machen eine gute Arbeit - aber was die Verwaltung da treibt wird sich noch rausstellen - die Staatsanwaltschaft ist da ja bereits dran. 

Nur eins steht mal fest - Veruntreuung und Korruption schadet nicht nur dem Namen - es gefährdet vor allem die Jobs der Forschenden. Jetzt geht man hin und möchte Personal loswerden, weil man ja in Schieflage ist - sollte sich in dieser Phase allerdings raustellen, dass die Methodiken der Veruntreuung weiterhin existieren - wäre das narürlich ein Schlag ins Gesicht der betroffenen Kollegen.

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