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Exzellenz ohne Vergleich?

Warum die durchweg positive Bewertung der Exzellenzuniversitäten mehr über das Verfahren als über die Leistung der Standorte sagt. Ein Gastbeitrag von Dominik Fischer.
Portraitfoto von Dominik Fischer

Dominik Fischer  ist Wissenschaftsberater und Gründer von Fischer Strategy. Vorher arbeitete er als Wissenschaftsmanager für die Technische Universität München und am Laboratory for Molecular Infection Medicine Sweden (MIMS) der Umeå University. Foto: privat.

"GRÜNES LICHT für Deutschlands Exzellenzuniversitäten", verkündeten Wissenschaftsrat und DFG in einer gemeinsamen Pressemitteilung zur Weiterförderung der Exzellenzstandorte. Also alles bestens? Durchweg exzellent? Direkt nach Bekanntgabe der Entscheidung merkte bereits Jan-Martin Wiarda an, dass " selektiv" und "alle zehn kommen durch " aus Sicht der Exzellenzkommission offenbar kein Widerspruch zu sein schien. Was also sagt ein durchgehend positives und in "Einstimmigkeit" erzieltes Ergebnis über die Selektivität des Verfahrens aus?

Ein Blick auf das Verfahren für die Fortsetzungsanträge der zweiten Förderlinie "Exzellenzuniversitäten" liefert eine erste Erklärung. Konstanz erfüllte mit nur einem verteidigten Cluster die Voraussetzungen nicht. Die verbliebenen Standorte wurden nicht miteinander verglichen, sondern daran gemessen, inwieweit sie ihre jeweils eigenen Zielsetzungen erreicht haben.

Diese Logik ist aus Verfahrenssicht nachvollziehbar. Sie verhindert weitere  Ermüdungseffekte , die entstehen würden, wenn bereits evaluierte Konzepte immer wieder neu gegeneinandergestellt würden. Zugleich ermöglicht sie es den Universitäten, ...

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Kommentare

#1 -

Th. Klein | Di., 24.03.2026 - 08:10

Das erinnert stark an Zielvereinbarungen zwischen Hochschulen und den Ländern, die ja auch in der Regel zahnlos sind und selbst gesteckte Ziele der Hochschulen einbeziehen. Und beim PFI folgt selbst aus kritischen Daten keine negative Konsequenz. Ich glaube, es stand in irgendeinem Kommentar vor einigen Monaten: um 10.000 Euro von einem Drittmittelgeber muss härter gerungen werden als um zig-Millionen. Da stimmt doch etwas nicht im System.

#2 -

Franka Listensen | Di., 24.03.2026 - 09:16

Wenn man die Pressemeldung des Wissenschaftsrates und diesen Beitrag liest, dann beschleicht einen das Gefühl, dass die Wissenschaft hier um sich selbst kreist. Man attestiert sich in Wortgirlanden sogenannte "Exzellenz", vor allem wenn es um das Beschreiben von Luftschlössern geht. Statt das Geld für die "Exzellenzunis" in die tatsächliche Forschung zu geben, also in die Cluster und vor allem in die grundfinanzierte Forschung. Was "exzellent" ist, mendelt sich dann von selbst heraus, und man kann sich viel des großen Aufwands sparen.

#3 -

Gerald Lutzmann | Di., 24.03.2026 - 10:10

Die Exzellenz-Initiative wird immer mehr zur Fehlkonstruktion. Die Mittel fehlen bei der Grundausstattung, v.a. wegen der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Die für die Anträge notwendige zeitliche Investition klaut den besten Leuten die Reserven. Das war in der erste Runde in den 0'er Jahren noch anders.

#4 -

Laubeiter | Mi., 25.03.2026 - 11:49

Sehr klar, vielen Dank. Ich verstehe den Text so: Bei der Begutachtung der Anträge auf Verlängerung der ExStra attestierten die Gutachten, dass die EXUs ihre selbst gesteckten Ziele erreicht hätten. Bei der Begutachtung der Neuanträge in der ExStra werden die Gutachten attestieren müssen, ob die angtragstellenden non-EXUs die vom WR gesteckten Ziele erreichen. Und das ist unfair. Fair wäre es, wenn EXUs und non-EXUs nach identischen Kriterien über eine gleich hohe Hürde kommen müssten.

#5 -

Corinna M. Dartenne | Mi., 25.03.2026 - 15:41

Danke für diesen Kommentar. Eigentlich war es nicht anders zu erwarten: Die bisher ausgelobten Institutionen erhalten weiterhin die Dukaten. Denn sonst hätte man ja bisher falsch ausgelobt. Das ist wie bei einer Ärztin/einem Arzt, die/den man fragt, ob bei der Operation ein Fehler passiert sein könne. Fehler zuzugeben (bei der ursprünglichen Handlung, die doch so viel Gutes bezwecken sollte), ist eben wirklich schwer. 

So entsteht dann die selbsterfüllende Prophezeiung, und die Neuanträge buhlen um die restlichen Plätze. Der Tanz um das goldene Drittmittelkalb hat (unsichtbare) selektive Regeln, die hier gut dargestellt werden. 

#6 -

Fumarius | Mi., 25.03.2026 - 17:39

Irgendwie habe ich das Gefühl,  dass die Kritik an den Evaluationsergebnissen die Grubdstruktur der ExStra nochmal 'hintenrum' diskutiert - es gab eben die Entscheidung, dass einmal ausgewählte EXU dauerhaft gefördert werden, solange sie alle 7 Jahre regelmäßig mindestens 2 Cluster einwerben und  externe Gutachter feststellen,  dass die Förderkriterien weiterhin erfüllt werden. Dass dafür schon im Ansatz gute Chancen bestehen, ist nicht überraschend,  sondern eben gewollt. Das kann man mit guten Gründen problematisch finden (oder eben nicht), es aber nun 'überrascht' an den Ergebnissen festzumachen,  scheint mir irgendwie zu spät. Und die Förderkriterien sind übrigens für bestehende EXU und Neuanträge die ...

#6.1 -

Dominik Fischer | Mi., 25.03.2026 - 21:44

Antwort auf von Fumarius (nicht überprüft)

Vielen Dank für den Kommentar. In der medialen Berichterstattung nach der Bekanntgabe wurde das Ergebnis zwar diskutiert, aber – soweit ich das nachvollziehen konnte – nicht in einen Zusammenhang mit der Verfahrenslogik gebracht. Jan-Martin Wiarda war m. W. der Erste/ Einzige, der direkt nach Bekanntgabe die kritische Frage stellte, wie ein durchweg positives Ergebnis mit Selektivität einhergehen kann. Insofern denke ich schon, dass eine Einordnung, wie und in welchem Gesamtkontext die Stellungnahmen zu lesen sind – und weshalb das Ergebnis gerade keine Überraschung ist –, gefehlt hat und hilfreich ist.

Bzgl. gleicher Förderkriterien: Der entscheidende Unterschied ist, dass bei Neuanträgen ...

#7 -

Schöneberger | Do., 26.03.2026 - 10:53

Als jemand, der zwei der Exzellenzuniversitäten näher kennt, kann ich nur sagen, dass es diese Einrichtungen mit Textprosa und minutiös geplanten Begehungen wohl tatsächlich geschafft haben, die Gutachtenden von Luftschlößern zu überzeugen. Inwiefern hier z.B. internationale Partnerschaften, bei denen "on the ground" nicht viel passiert, oder Transferstrukturen, die absolut inädequat sind und minimalen Outcomes erzielen, positiv bewertet werden können, kann nur durch den oberflächlichen Blick der Gutachtenden erklärt werden. Der datenbasierte Element der Evaluierung scheint hier vernachlässigt worden zu sein

#8 -

Johannes | Fr., 27.03.2026 - 16:04

Ich finde den Text super, weil er hervorhebt, dass es doch eine (nötige) Differenzierung in der Bewertung der Anträge auf Weiterförderung gibt. Ich finde aber auch super, dass alle weiter gefördert werden (und dass Fumarius darauf hinweist, dass dies auch die Absicht der Konstruktion des "Wettbewerbs" war), weil doch sehr viele Menschen, wenn sie eine Liste der "hervorzuhebenden" Universitäten schreiben sollte, auf ungefähr diese Liste kämen. Exzellenzunis sollen nicht dauernd wechseln, und die Beschlüsse darüber auch nicht. Und wenn jetzt noch ein paar Unis oder Verbünde sinnvoll dazukommen, auch gut. 

Für die Zukunft wünsche ich mir dann noch weniger Wechsel, ...

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