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Teure Tradition

Sachsens Bildungsminister Clemens will Schluss machen mit der Lehrerverbeamtung. Warum auch dieser Vorstoß in der Bildungsministerkonferenz scheitern dürfte – und die Debatte trotzdem immer wieder geführt werden muss. Ein Kommentar.
Woerterbucheintrag zum Verb

Bild: netzverb.de, CC BY-SA 4.0.

ES IST DER X-TE ANLAUF, zu 99 Prozent wird auch dieser vergeblich sein, und trotzdem ist es richtig, es immer wieder zu versuchen. Diesmal ist es der sächsische Kultusminister Conrad Clemens, der sich perspektivisch für einen Ausstieg aus der Lehrerverbeamtung ausgesprochen hat. Perspektivisch deshalb, weil Clemens weiß: Mit der Brechstange klappt so ein Vorstoß erst recht nicht. Immerhin aber hat der CDU-Politiker dafür gesorgt, dass das Thema auf der Agenda der KMK-Bildungsministerkonferenz steht, die diesen Donnerstag in Berlin tagt.

"Zur Ehrlichkeit gehört, dass wir uns auf Dauer eine breite Verbeamtung bei dem Bedarf an Lehrkräften nicht mehr leisten können", sagte Clemens laut Tagesspiegel . "Die Belastung der Haushalte ist einfach zu hoch."

Worum geht es: Ein Drittel der mittlerweile gut 1,4 Millionen Pensionäre in Deutschland sind frühere Lehrkräfte. Inklusive der sogenannten Hinterbliebenenversorgung kosten Pensionäre den Staat pro Kopf und Jahr im Schnitt rund 45.000 Euro im Jahr, macht rund 1,5 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Zwischen 2000 und 2020 stieg ihre Zahl noch dazu ...

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Kommentare

#1 -

Dr. med. Wurst  | Fr., 27.03.2026 - 13:50

Dass Beamte zunächst günstig, aber für die nächste Generation von Steuerzahlern, wie erläutert, deutlich teurer sind, und dass das Problem der Pensionslasten dringend angegangen werden muss, ist unbestritten. Und Lehrkräfte sind nun einmal die größte Gruppe der Beamten - die Hälfte der Personalkosten des Landes Baden-Württemberg, 11 Mrd. Euro, gehen ins  Kultusministerium. Auch deshalb hinken die meisten Vergleiche mit Rentenbeziehern: Lehrkräfte sind ganz überwiegend Akademiker und sollten auch nur mit vergleichbaren Rentnern verglichen werden.

Winfried Kretschmann, noch MP in BaWü und selbst mal Lehrer gewesen,  hatte mitten im Wahlkampf auf Nachfrage auch bestätigt, dass Lehrer nicht zwingend Beamte sein müssten, ...

#2 -

Margit Stumpp | Di., 31.03.2026 - 10:25

Bei dieser Diskussion wird ständig vergessen, dass in der Wirtschaft bei gleichen Abschlüssen deutlich höhere Gehälter bezahlt werden.

Wer aus der Wirtschaft in den Schuldienst wechselt, verdient brutto rund 1/4 weniger. Argument: Sicherer Status und Altersversorgung. Im Übrigen bezahlt das Land Ba-Wü erst seit kurzem den Arbeitgeberanteil, wenn man als BeamtIn gesetzlich versichert ist.

Nicht umsonst wurde dem Land Ba-Wü schon vor Jahren von einer Wirtschaftsberatung attestiert, das der Beamtenstatus fürs Land insgesamt preiswerter ist. Voraussetzung: Es wird finanziell vorgesorgt!

Die Diskussion sollte trotzdem weiter geführt werden. Aber bitte unter Berücksichtigung aller Faktoren und nicht als Neiddebatte.

#4 -

David | Mi., 15.04.2026 - 19:58

An der Debatte über die Verbeamtung von Lehrkräften irritiert weniger, dass sie geführt wird, sondern mit welcher Zielgenauigkeit sie immer wieder auf dieselbe Berufsgruppe zielt. Kaum geht es um Haushaltslöcher, Versorgungslasten oder strukturelle Reformen, geraten ausgerechnet jene in den Fokus, die das System tagtäglich unter Hochdruck am Laufen halten: Lehrkräfte.

 

Dabei ist die Schieflage der Diskussion offensichtlich. Warum wird die Verbeamtung vor allem dort problematisiert, wo Menschen unter hoher Belastung unmittelbar mit den Folgen staatlicher Versäumnisse umgehen müssen? Lehrkräfte stemmen seit Jahren mehr als Unterricht: Inklusion, Integration, Digitalisierung, Elternarbeit, Dokumentation, Vertretung, Krisenintervention, Personalmangel. Mehrarbeit ist vielerorts kein Ausnahmefall, sondern ...

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