Direkt zum Inhalt

Sanftes Schubsen Richtung Qualitätssprung

Der Wissenschaftsrat stellt heute seine Empfehlungen zur "Digitalisierung in Studium und Lehre" vor. Was drin steht – und warum die Wissenschaftsratsvorsitzende Dorothea Wagner findet, dass die Pandemie vielen Lehrenden "die Augen geöffnet" hat.

Bild
Artikelbild: Sanftes Schubsen Richtung Qualitätssprung

Foto: janeb13 / Pixabay.

DER WISSENSCHAFTSRAT beschäftigt sich zurzeit in hoher Taktung mit dem Thema Hochschullehre. Neulich erst veröffentlichte das wichtigste wissenschaftspolitische Beratungsgremium von Bund und Ländern seine "Empfehlungen für eine zukunftsfähige Ausgestaltung von Studium und Lehre". Ein faszinierendes Papier zur Hochschulbildung im 21. Jahrhundert. In seinem Kern stand die Zielsetzung eines "akademischen Mentorats", beschrieben als "regelmäßige Studiengespräche zwischen Lehrenden und Studierenden", als Begleitung studentischen Lernens "gemäß den individuellen Voraussetzungen und Interessen".

Allerdings zog das Papier auch Kritik auf sich. Die öffentlichen Bildungshaushalte gerieten immer stärker unter Kürzungsdruck, kommentierte zum Beispiel Frank Ziegele , Chef des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), "und genau in diese kritische Lage hinein fordert das Gremium eine solche Mammutreform, die nur mit derzeit illusorisch viel zusätzlichem Geld zu erreichen wäre. Das muss doch bei vielen an den Hochschulen das Gefühl verursachen: Wir strampeln schon mit aller Kraft, und anstatt dafür Anerkennung zu erhalten, heißt es immer nur: Das reicht nicht, das reicht nicht."

Ziegele hat Recht mit seiner Kritik einer gewissen fiskalpolitischen Realitätsferne, aber der Wissenschaftsrat hat auch Recht: Sie reicht einfach noch nicht, die alltäglich erlebte Praxis deutscher Hochschullehre, qualitativ nicht, konzeptionell nicht und didaktisch ebenso wenig. Und wegen beidem hätte man gern noch mehr darüber gewusst, wie genau der Rat den gewünschten, so grundlegenden Paradigmenwechsel ausbuchstabiert.

Das ist die Stelle, an der die vergangene Woche beschlossenen "Empfehlungen zur Digitalisierung in Studium und Lehre" ins Spiel kommen, die der Wissenschaftsrat heute veröffentlicht. Tatsächlich, sagte WR-Voristzende Dorothea Wagner vorab im Blog-Gespräch, stehe das Digitalisierungspapier in einem engen Zusammenhang mit den Empfehlungen zur Hochschulbildung im 21. Jahrhundert. "Vieles, was wir darin an Veränderungen empfohlen haben, ist mit der Digitalisierung verbunden, auch wenn wir es da noch nicht explizit ausgeführt hatten." Die Digitalisierung, sagte ...

Sie sehen die gekürzte Fassung dieses Artikels

Der volle Zugang zu Artikeln, die älter sind als vier Wochen, ist nur für registrierte Unterstützer des Wiarda-Blogs vorgesehen.

Sind Sie bereits ein registrierter Benutzer / Unterstützer?
Hier können Sie sich einloggen.

Nein, ich habe noch kein Benutzer / Unterstützer-Konto:
zur Anmeldung

Kommentare

#1 -

Klaus Diepold | Mo., 11.07.2022 - 12:05
Den hie und da formulierten "fiskalpolitischen Realitätsferne" der Papiere des WR möchte ich nur dahingehend kommentieren, dass wir uns bei allen Debatten um die Hochschul-Lehre meist mit viel zu niedrigen Ansprüchen zufriedengeben. Es kann durchaus auch das Ziel dieser Darstellungen sein zu zeigen wo wir ihn sollten und wie weit wir oft von den angestrebten Quantensprüngen entfernt sind.



Mit Blick auf das Papier "Empfehlungen für eine zukunftsfähige Ausgestaltung von Studium und Lehre" finde ich den Aspekt des "akademischen Mentorats" spannend. Auch ist mir klar, dass das Geld kostet. Da würde ich aber auf viele andere Punkte aus dem Papier verweisen ...

#2 -

naja | Mo., 11.07.2022 - 14:28
Zu all diesen seit vielen Jahren üblichen, wilden Phantasien, wie die Hochschullehre neu gestaltet werden sollte, kann gesagt werden: Zum Glück entscheiden in D immer noch die Hochschullehrer selbst, wie sie lehren.



Schade nur um das viele Geld, dass dafür verpulvert wird, dass (Fach)-Didaktiker und manche Kollegen zum x-ten Mal eine didaktische Wunderwaffe erfinden, die natuerlich nie sinnvoll evaluiert wird und kurze Zeit später auch niemanden mehr interessiert. Schon wird die nächste didaktische Sau durchs wissenschaftspolitische Dorf getrieben. Jetzt mal wieder: Individualbehandlung

#3 -

G. R. Oberunfug | Mo., 11.07.2022 - 17:28
Die Realitätsferne des aktuellen Schriftstücks vom WR ist fast schon erheiternd. Die Lehrenden werden durch die Corona-Bedingungen ohnehin schon zu ganz erheblicher Mehrarbeit angehalten bzw. gezwungen. Die Vorstellungen
von einem "akademischen Mentorat" und anderen Träumen
sind unter den real dahinschmelzenden Finanzmitteln doch einfach nicht realisierbar.

#5 -

nur ein kleine… | Do., 14.07.2022 - 14:40
Es verwundert mich, wenn einem Papier (fiskalpolitische) Realitätsferne oder sonstige weltfremde Abgehobenheit vorgeworfen wird, dass von BUND UND LÄNDERN selbst (mit-)beschlossen wurde. Alle betreffenden Kommentator*innen mögen nochmal Struktur und Zusammensetzung des Wissenschaftsrates nachschlagen.

#7 -

David J. Green | Sa., 16.07.2022 - 01:39
Auch wenn ich selber nichts dergleichen im Artikel bemerkte: angesichts der Heftigkeit mancher kritischen Bemerkungen hier bei den Kommentaren, muss ich davon ausgehen, dass der WR hier den einen oder anderen Nerv getroffen haben muss.

Neuen Kommentar hinzufügen

Ihr E-Mail Adresse (wird nicht veröffentlicht, aber für Rückfragen erforderlich)
Ich bin kein Roboter
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.

Nachfolgende Beiträge in dieser Kategorie


  • Artikelbild: Die Millionenlücke

Die Millionenlücke

Die Energiekrise erwischt auch die Hochschulen heftig. Drohen im Herbst geschlossene Hörsäle, Distanzlehre und abgeblasene Experimente? Klar ist: Auch die Hochschulen brauchen Unterstützung.


  • Etwas weniger weniger Geld

Etwas weniger weniger Geld

Die Proteste gegen die Kürzungen bei DAAD und Humboldt-Stiftung zeigen erste Erfolge: Das Auswärtige Amt will zumindest die globale Minderausgabe für dieses Jahr halbieren.


  • Weiter warten auf die Trendwende

Weiter warten auf die Trendwende

Was bedeuten die neuen BAföG-Zahlen, die das Statistische Bundesamt veröffentlicht hat? Warum war Ministerin Stark-Watzinger von ihnen so demonstrativ begeistert? Und vor allem: Lässt die Reform der Ampel-Koalition den Kreis der Empfänger endlich kräftig wachsen? Eine Analyse.