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Bitte an die Fakten halten!

Die Abiturienten von heute können nicht mehr richtig Mathe, warnen 130 Professoren und Lehrer in einem "Brandbrief". Dabei unterliegen sie einer Fehlwahrnehmung.

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Artikelbild: Bitte an die Fakten halten!

DER TAGESSPIEGEL HAT gerade einen ziemlichen Scoop gelandet. 130 Professoren und Lehrer haben einen, wie das immer so schön heißt, „Brandbrief“ verschickt an die Bildungspolitik von Bund und Ländern, und der Tagesspiegel machte ihn gestern öffentlich . Den Abiturienten mangele es an mathematischem Grundwissen, warnen die Unterzeichner, selbst die Bruchrechnung werde nicht sicher beherrscht. Damit seien viele Schulabgänger nicht mehr studierfähig, zumindest nicht in Studiengängen wie Wirtschaft, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Der Nachhall heute in der Medienlandschaft auf den Aufschrei ist gewaltig, viele Lehrer, Eltern und Wissenschaftler sehen sich bestätigt in ihrem gefühlten Wissen. Endlich trauen sich die Leute mal zu sagen, wie es wirklich ist!

Die Frage ist allerdings: Ist es wirklich so? Stimmt es, wie die Unterzeichner kritisieren, dass „die Bildungsstandards“, die nach dem Pisa-Schock von 2001 eingeführt wurden, schuld sind an der Misere, weil sie ein Mindestniveau zum Standard erklärt haben? Machen sie den Mathematikunterricht kaputt, weil sie auf eine zweifelhafte „Kompetenzorientierung“ abheben, anstatt das Erlernen der Grundlagen einzufordern? Ist es so, wie Tagesspiegel-Redakteurin Susanne Vieth-Entus heute schreibt

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Kommentare

#1 -

kernpanik | Do., 23.03.2017 - 16:44
Toller Kommentar, Danke!



Noch zwei kleine Ergänzungen:



1) Die Aufgaben, die am IQB entwickelt werden, werden genauer betrachtet eigentlich von Lehrkräften aus dem gesamten Bundesgebiet entwickelt; das IQB übernimmt dabei vor allem die Koordination. Mehrere Fachdidaktiker_innen und Psycholog_innen sind beratend an der Aufgabenentwicklung beteiligt.



2) Extrem leichte und extrem schwere Aufgaben sind in den Bildungsstandards enthalten, weil dies ein Erfordernis der zur Auswertung eingesetzten statistischen Methode ist. Damit diese richtig funktioniert, muss es einige Aufgaben geben, die sogar von sehr leistungsschwachen Schüler_innen korrekt gelöst werden, sowie Aufgaben, die nur von den leistungsstärksten Schülerinnen richtig gelöst werden.

#2 -

Karlchen Mühsam | Fr., 24.03.2017 - 12:53
Lieber Herr Wiarda,

vielen Dank für den guten Kommentar. Ich habe mich über den offenen Brief maßlos geärgert.



Der Übergang von der Schule zur Hochschule in der Mathematik bedarf einer genauen Betrachung. Der Übergang war selbst noch Ende der 90er Jahre für sehr gute Abiturienten mit guten Noten im Mathematik-Leistungskurs extrem schwierig. Schon damals bestand ein Gap zwischen den in der Schule erworbenen Fähigkeiten und den Eingangsanforderungen eines Studiums. Hieran hat sich in den letzten Jahren auch nichts geändert. Die Curricula vieler mathematischer Fakultäten sind trotz Einführung der Bologna-Studiengänge in der Studieneingangsphase praktisch unverändert geblieben.



Hierzu räumte ein Dekan einer ...

#3 -

MINTiKi | Sa., 25.03.2017 - 17:57
Also dass zB die Mathemaitk der Oberstufe NICHT weniger wird im Stoff ist, ist zumindest in Sachen NICHT so - und das zeigt mir der Vergleich mit meinem 10 Jahre jüngeren Bruder, der sich darüber beschwert hat - (wir hatten beide Matheleistungskurs, beide in der gleichen Schule und ich kenne seinen Lehrer noch, also es liegt nicht am Lehrer oder so) und der Vergleich mit den Lehrbüchern meiner Eltern ist erschreckend (beide haben damals über Umwege Abi gemacht, daher ist es der Vergleich bis zur 10. Klasse der Lehrbücher von Gymnasium-Lehrbüchern mit Lehrbüchern auf dem Niveau von heute "Mittelschule" und ...

#4 -

F. Lemmermeyer | Sa., 25.03.2017 - 22:06
Halten wir uns mal an die Fakten: die Studien belegen gar nichts. Pseudowissenschaften wie die empirische Bildungsforschung haben dieselbe Qualität wie die empirische Astrologie und das empirische Bleigießen. Mit den von Ihnen angeführten empirischen Studien wischen sich Wissenschaftler (ich meine richtige) nicht einmal den Hintern ab. Und wenn Sie als Außenstehender mehr von unserem Bildungssystem zu verstehen meinen als Lehrer und Dozenten - kommt Ihnen das nicht ein wenig seltsam vor? Glauben Sie wirklich, Lehrer müssten ihre Fakten aus Studien beziehen? Sie tun mir ehrlich leid.

#5 -

MG | Di., 28.03.2017 - 00:03
Ich denke, wenn Sie schreiben, dass Studien dies oder jenes *belegen*, sollten Sie noch einmal bei Popper nachlesen, was da zur Falsifizierbarkeit steht.

Als jemand, der eine naturwissenschaftliche Ausbildung genossen hat, konnte ich Ihren Beitrag ab dieser Zeile nicht mehr ernst nehmen.

#6 -

O. Karottki | Di., 28.03.2017 - 15:34
Wer ständig auf Fakten zurückgreift, dem sei das aktuelle Buch von "Vom Streifenhörnchen zum Nadelstreifen - Das deutsche Bildugnswesen im Kompetenztaumel" (zu Klampen Verlag) dringened zur Lektüre empfohlen. Der Autor analysiert dort in einer für jedermann verständlichen teilweise satirischen Sprache dutzende Zentralabituraufgaben verschiedener Bundesländer in verschiedenen Fächern und seziert geradezu beispielhafte PISA-Aufgaben und legt auf über 300 Seiten auch den Vermessungswahn der Bildungsvermesser offen. Wenn es in Leistugnskurzentralabituraufgaben nur noch auf Lesekompetenz vorgegebener Texte und Grafiken ankommt, spielt die dahinter liegende Sache, um die es eigentlich gehne müsste, überhaupt keine Rolle mehr, sie kann sogar falsch sein, denn darauf kommt ...

#7 -

A. Schwenk | Di., 28.03.2017 - 17:54
In Ihrem Blog heißt es: "Weil sie einer Fehlwahrnehmung unterliegen. Heute studieren 50 Prozent mehr junge Menschen als 2003. Viel mehr Jugendliche absolvieren das Abitur. Eigentlich sollte man keinem Mathematiker erklären müssen, was das bedeutet: Ein größerer Anteil eines Altersjahrgangs an den Hochschulen bedeutet trotz besserer Durchschnittsleistungen mehr Studienanfänger mit schwächeren Mathematikkenntnissen. Punkt".



Mit Ihrem Argument kämen zwar absolut mehr schwächere Anfänger an die Hochschulen, aber der Prozentsatz müsste stabil bleiben. Aber genau das widerspricht unseren Erfahrungen, und genau das ist eine Botschaft des offenen Briefes.

Zum Beleg nenne ich einige Beispiele aus verschiedenen Klausuren mit Prozentzahlen, elektronische Hilfsmittel waren ...

#8 -

Jan-Martin Wiarda | Do., 30.03.2017 - 09:39
Darauf hatte ich gehofft und gewartet. Dass sich nach dem "Brandbrief" endlich auch jene Mathematiker öffentlich zu Wort melden, die eine andere Perspektive auf die Kompetenzorientierung und die Bildungsstandards haben. Sie scheinen mir – auch wenn ihre Replik nur auf rund 50 und nicht 130 Untereichner kommt – oft die weniger laute, mitunter sogar schweigende Mehrheit zu sein. Heute berichtet der Tagesspiegel über die überfällige Gegenrede, und der Brief selbst findet sich hier: http://www.tagesspiegel.de/downloads/19590132/1/mathematiker-distanzieren-sich-vom-mathematiker-brandbrief.pdf

#9 -

TMG | Sa., 01.04.2017 - 14:35
Lieber Herr Wiarda,



wie üblich in Ihren Beiträgen sind Sie auch im vorangegangen Beitrag

unpräzise und oberflächlich in der Darstellung von Sachverhalten.

Zu Wort gemeldet haben sich in der Replik auf den Brandbrief nicht Mathematiker, sondern die Fachdidaktiker der Mathematik.

Das sind genau diejenigen Hochschullehrer, die NICHT konfrontiert sind mit den zunehmend schlechten Eingangsvoraussetzungen von Mathematikstudenten, weil sie an der mathematischen Fachausbildung an Universitäten gar nicht beteiligt sind.

#10 -

Jan-Martin Wiarda | Sa., 01.04.2017 - 16:16
Liebe/r TMG, ich freue mich über Kritik und Widerspruch. Worüber ich mich nicht freue, sind pöbelhafte Kommentare, die auch noch ohne Klarnamen verfasst werden. So überzeugen Sie ganz sicher nicht von Ihrer Sache. Im Übrigen finde ich schon die von Ihnen betriebene scharfe Grenzziehung zwischen Mathematikern und Mathedidaktikern aufschlussreich. In diesem Sinne: gern diskutieren, aber nicht persönlich werden, okay? Beste Grüße, Ihr J-M Wiarda

#12 -

Dr Bernhard Müller | So., 02.04.2017 - 23:16
Lieber Herr Wiarda,



leider führt kein Weg daran vorbei, das wissenschaftliche Fundament der empirischen Bildungsforschung infrage zu stellen. Aber bitte keine eristischen Kunstgriffe: Mit Wissenschaftsfeindlichkeit hat das nichts zu tun, sondern vielmehr mit der Verteidigung methodischer Grundlagen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten.



Die Kollegen aus der empirischen Bildungsforschung unterliegen weitgehend dem Irrtum, dass sich man mit Quantität und Statistik qualitative Mängel in der Datenerhebung ausgleichen kann. Das Wort "systematischer Fehler" - das jeder Student der Naturwissenschaften spätestens im Anfängerpraktikum lernt - scheint in dieser Disziplin weitgehend unbekannt zu sein. Psychologische "Messungen" generieren nun einmal leider nur sehr "weiche" Daten, und ...

#13 -

Jan-Martin Wiarda | Mo., 03.04.2017 - 00:07
Lieber Herr Müller,

haben Sie besten Dank für Ihre überlegte und sehr gut argumentierte Replik. Damit noch mehr Leute sie lesen, würde ich sie gern aus der Kommentarspalte herausziehen und als eigenen Artikel in der Rubrik "Gastbeiträge" bringen. Falls Sie damit einverstanden sind (und ggf. noch etwas ergänzen möchten), schreiben Sie mir doch eine kurze Mail.

Besten Dank und viele Grüße,
Ihr Jan-Martin Wiarda

#14 -

Wolfgang Kühnel | So., 05.01.2025 - 17:07
"Halten wir uns mal an die Fakten. Erstens: Es ist gibt unzählige Studien, die belegen, das Pisa weitaus mehr misst als nur die Fähigkeit der Schüler, sich auf bestimmte Aufgabentypen einzustellen. Natürlich kann man alle diese Untersuchungen bezweifeln, aber eigentlich nur, indem man das wissenschaftliche Fundament der empirischen Bildungsforschung insgesamt in Frage stellt."



Ja, halten wir uns an die Fakten: Die Ergebnisse bei PISA gehen in letzter Zeit in den Keller, und PISA testet 15-Jährige, und zwar ALLE in repräsentativer Auswahl, auch schwache Hauptschüler. Das hat NICHTS zu tun mit dem Brandbrief, der von Studienanfängern in WiMINT-Fächern handelt, also Leuten ...

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